Interview: Wie und warum hilft die Rote Hilfe?

In der Region Tübingen/Reutlingen wurde eine neue Ortsgruppe der „Roten Hilfe“ gegründet. Grund genug einmal nachzufragen, was die Organisation allgemein so tut und was konkret diese Ortsgruppe noch so vorhat.

Tueinfo:
Steigen wir ganz allgemein ein. Was ist die „Rote Hilfe“.
Aber bitte auf fünf Sätze beschränken!

Rote Hilfe:

Gut, dann werden die Sätze ab hier eben etwas länger. Nein, kleiner Scherz.

Die Rote Hilfe (RH) ist eine strömungsübergreifende und linke Schutz- und Solidaritätsorganisation. Menschen, die aufgrund ihrer politischen Einstellung oder Tätigkeit, aus rassistischen oder sonstigen Gründen von staatlicher Repression betroffen sind, werden von uns durch die Vermittlung von Anwälten, durch Prozessbegleitung und vor allem finanziell unterstützt.

Inhaltlich gehört das Erstellen von Infobroschüren, das Organisieren von politischen Kampagnen und bei Interesse die Arbeit an der Zeitung der Roten Hilfe zu unserem Programm. Gearbeitet wird zu Themen wie Überwachung, gerichtlichen Entscheidungen, der Aufrüstung des Polizei- und Sicherheitsapparates, aber auch zu historischen Themen.

Die RH hat bundesweit 4300 Mitglieder, die in etwa 40 Ortsgruppen organisiert sind.

Tueinfo:

Kann jede/r bei euch mitmachen, egal ob sie/er Mitglied ist oder nicht?

Rote Hilfe:

Eine dogmatische Vorschrift gibt es dazu nicht. Natürlich sollten sich dennoch möglichst viele Leute an der Organisation beteiligen. Gerade wenn mensch sich im Bereich Antirepression engagiert, ist eine Mitgliedschaft schon wünschenswert und hat Vorbildcharakter.

Tueinfo:
Gibt es nicht schon die Antirepressionsgruppe Profan?
Wo liegen die Unterschiede zwischen Profan und der „Roten Hilfe“?

Rote Hilfe:

Profan arbeitet regional. Der Roten Hilfe hingegen ist ihr überregionaler, teilweise sogar transnationaler Charakter stets ein wichtiges Anliegen gewesen. Das lokale Abfedern von Prozess- und Anwaltskosten ist natürlich ein richtiger Ansatz, den wir auch sehr gerne unterstützen. Eine überregionale Organisation mit entsprechend vielen Mitgliedern kann jedoch als politischer Akteur auftreten und hat die Mittel, Know-how und Informationen bundesweit verfügbar zu machen. Einer konstruktiven Zusammenarbeit steht nichts im Wege. Zwei Antirepressionsgruppen sind sowieso allemal besser als eine. :)

Tueinfo:
Warum habt ihr eine Ortsgruppe gegründet? Gab es Bedarf dafür?

Rote Hilfe:

Die Zahl der Fälle, in denen politisch aktive Menschen in Tübingen kriminalisiert werden steigt in den letzten Jahren wieder kontinuierlich an. So schön das auch wäre, an der intensiven politischen Aktivität der Tübinger Szene liegt das wohl nicht. Viel eher ist die gestiegene Zahl der Repressionsfälle Ausdruck einer härteren Linie der Behörden. Die Kriminalisierung eines durchgestrichenen Hakenkreuzes, die völlig überzogene polizeiliche Reaktion auf einen Tortenwurf oder das Anzeigen von Menschen, die Lebensmittel aus Müllcontainern „stehlen“, sprechen ja für sich. Hier gilt es anzusetzen und sich nicht alles gefallen zu lassen. Auch Anquatschversuche des Verfassungsschutzes, die bis vor ein, zwei Jahren in Tübingen immer wieder gegeben hat, können durch Antirepressionsgruppen öffentlich gemacht und thematisiert werden.

Tueinfo:
Werdet ihr auch am 30. April zur Mayday-Parade und zum Anti-Maisingen aktiv sein?

Rote Hilfe:

Voraussichtlich werden wir den Ermittlungsausschuss betreuen und uns um einen Anwalt für den Abend kümmern. Falls es zu Verhaftungen und später zu Verurteilungen kommen sollte, kann man sich ebenfalls an uns wenden.

Tueinfo:
Was habt ihr in Zukunft noch so vor?

Rote Hilfe:

Die „Bearbeitung“ von Unterstützungsfällen ist natürlich ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Aber da wir keine Anwaltskanzlei sind, werden wir uns gerne auch mit Herrn Palmers Law&Order-Politik und sonstigen misslichen Entwicklungen auseinandersetzen.

Tueinfo:
Wie seid ihr zu erreichen?

Rote Hilfe:

Per Mail sind wir unter tuebingen@rote-hilfe.de zu erreichen.

Post bitte an:

Rote Hilfe - Ortsgruppe Tübingen/Reutlingen
c/o Infoladen Tübingen
Schellingstr. 6
72072 Tübingen

Weitere Informationen über die Arbeit der Roten Hilfe findet Ihr übrigens unter www.rote-hilfe.de

Tueinfo:
Danke für das Gespräch! Ihr dürft euch jetzt noch ein Lied wünschen ;-)

Rote Hilfe:

Der Jailhouse Rock wäre vielleicht ganz passend! Danke und Tschüss!

Bild: 
unmoderated

Super!