Braune Lektüre in Tübingen

Hier mal eine kleine Zusammenfassung, wo es in Tübingen welche rechten Magazine oder Zeitungen gibt. Diese Aufzählung soll natürlich nicht der Werbung dienen, sondern die/den kritischeN Tueinfo-LeserIn motivieren mal nachzuhaken und zu protestieren. Bei einigen Magazinen könnte es sein, dass die Kiosk-Betreiber gar nicht von den rechten Hintergründen wissen. Bei anderen ist es allerdings kaum zu übersehen, wie bei der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ beispielsweise.

Zunächst sollen die in Tübingen erhältlichen rechten Magazine und Zeitungen genauer vorgestellt werden. Besonders bei den Publikationen mit rechter Tendenz, ohne eindeutig rechten Charakter, ist eine genauere Vorstellung notwendig, um ihre Gefährlichkeit aufzuzeigen.

*** die rechte Lektüre ***

+++ „2000plus“ +++
Das esoterische Magazin „2000plus“ wird seit 2000 vom ARGO-Verlag herausgegeben. Herausgeberin ist Ingrid Schlotterbeck, die seit 2001 „Außenministerin“ der „Kommissarischen Regierung des Deutschen Reiches“ (KRR) ist (http://www.krr-faq.net/reg7.php#schlotterbeck). Diese KRR glauben dass das „Deutsche Reich“ als einzig legitimer Staat fortbestehen würde. Die Reichsbürger-Bewegung ist eine Strömung innerhalb der extremen Rechten Deutschlands.
Dieses Engagement der Herausgeberin zeigt sich auch im Inhalt von „2000plus“. So finden sich in dem Magazin Rezensionen von Büchern aus dem rechtsextremen Tübinger Grabert-Verlag oder Werbung für die rassistischen „Unabhängigen Nachrichten“.
Neben diversen irrationalen Theorien über Energien, Kornkreise etc. findet sich in der Ausgabe Juni 2008 (Nr. 256) auch ein massiver Antiamerikanismus (da ist die Rede vom „Bush-Regime“ und in dem Artikel „Schritte zu einem großdeutschen »Tausendjährigen US-Reich«“ findet sich eine Bush-Karikatur mit Hitlerbart und SA-Braunrock) oder reaktionäre EU-Kritik („Euro-Globalisten“). In dem Artikel „Ausländerfeindlichkeit – wo liegt die Crux“ von Hans Peter Thietz findet sich vulgärer Rassismus. Der Artikel endet wie folgt: „Warum kritisiert man die Chinesen, daß sie die tiebtische Kultur nichtachtend eliminieren und chinesisch einebnen wollen? Warum soll uns Deutschen dieses Recht auf ethnisch-kulturellen Fortbestand und Heimat verweigert werden?“ Übersetzt ist das die Forderung nach einem „reinen“ Deutschland, also die alte Nazi-Parole: „Deutschland den Deutschen!“
EINSCHÄTZUNG: esofaschistisches Magazin

+++ „Deutsche Geschichte“ +++
Das Geschichtsmagazin „Deutsche Geschichte“ erscheint zweimonatlich (Auflage: 5.000). Es kommt aus dem rechtsextremen Sudholt-Verlag und ist auch gegenwartspolitisch orientiert. Das liegt auch daran, dass das rechtsextreme Magazin „Opposition“ 2002 mit „Deutsche Geschichte“ zusammengelegt wurde.
KURZEINSCHÄTZUNG: extrem-rechts, mit stärkeren pro-NS-Tendenzen

+++ „Deutsche Militärzeitschrift (DMZ)“ +++
Die „Deutsche Militärzeitschrift (DMZ)“ erscheint zweimonatlich auf Hochglanz und in Farbe. Schwerpunkt sind bei den Militärthemen vor allem Wehrmacht und Waffen-SS, die durchweg positiv und vorbildhaft dargestellt werden.
KURZEINSCHÄTZUNG: Wehrmachts-&Waffen-SS-verherrlichend, extrem rechts

+++ „Deutsche Stimme“ (DS) +++
Die „Deutsche Stimme“ ist die monatlich erscheinende NPD-Zeitung (Auflage nach einer kritische Schätzung: 12.000).
KURZEINSCHÄTZUNG: eindeutig rechtsextrem

+++ „eigentümlich frei“ (ef, eifrei) +++
Die monatlich erscheinende Zeitschrift „eigentümlich frei“ (ef, eifrei) ist ihrem Selbstverständnis nach „libertär“ und „anarchokapitalistisch“. Hier gilt vor allem das Prinzip „jeder darf mal“. Es existiert eine gewisse zu den rechten Parteien SVP (Schweiz) und FPÖ (Österreich), aber auch zur FDP. Die ef-AutorInnen schreiben auch für rechte Publikationen wie „Criticon“, „Junge Freiheit“ oder „Schweizerzeit“. Teilweise greifen extreme Rechte wie Josef Schüßlburner regelmäßig für ef zur Feder. Auch im Interview kommen allerhand rechte Gestalten ausgiebig zu Wort: Martin Hohmann, Udo Voigt (NPD-Vorsitzender), Manuel Ochsenreiter (DMZ-Chefredakteur), Jürgen W. Möllemann, Dieter Stein (JF-Chefredakteur), Peter Töpfer („Nationalanarchist“), Eva Herman.
Unter den rechte Anzeigenkunden findet sich auch der Kopp-Verlag (Rottenburg), extrem rechte Magazine („Gegengift“, „Blaue Narzisse“) oder Organisationen wie die „Burschenschaft Gothia Berlin“. Gerd Habermann, ef-Redaktionsbeirat und Autor in der „Schweizerzeit“ (steht der rechtspopulistischen SVP nahe), referierte übrigens am 03.07.2008 bei der Tübinger „Straßburger Burschenschaft Arminia“ zum Thema „Deutsche Geschichte als Geschichte der Freiheit“.
KURZEINSCHÄTZUNG: nationalliberal

+++ Elixier +++
Beim Tübinger „Bäcker vom Vortag“ (Altstadt) das kostenlose Eso-Magazin „Elixier“ (zweimonatlich, farbig) aus. Auf dem Rück-Cover der Juli-Ausgabe von Elixier gibt es z.B. eine Anzeige für den antisemitischen Verschwörungs-TV-Sender Secret-TV (http://www.redok.de/content/view/965/36/). In der Ausgabe 4 (Okt-Dez 2008) findet sich auch eine Anzeige des rechtsesoterischen Rüggeberg-Verlag aus Wuppertal, der auch Anzeigen in der „Jungen Freiheit“ und in „eigentümlich frei“ schaltet.
Insgesamt ist das Magazin ein grauenhafter Mix aus Impfgegnertum, Engelsglauben, Alternativmedizin, Geomantie, Antifreimaurerei und sonstiger Scharlatanerie („Energiedusche“, „Schamanisches Bewusstsein“, „Mitsingkonzerte“). Die Buchbesprechungen betreffen auch Werke aus den rechten Verlagen Kopp und Amadeus.
KURZEINSCHÄTZUNG: irrationales Magazin mit rechtsesoterischer Tendenz

+++ „Junge Freiheit“ (JF) +++
Die Zeitung „Junge Freiheit“ erscheint wöchentlich (Auflage: etwa 18.000 Exemplare). Es handelt sich bei ihr um das inoffizielle Organ der „Neuen Rechten“, dem Bindeglied zwischen radikaler und demokratischer Rechte. Die deutsche „Neue Rechte“ orientiert sich an der „Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik. Unter diesem Begriff werden elitäre und antidemokratischen Vordenker zusammegefasst, die zu den Wegbereitern des Nationalsozialismus gehörten, aber eher selten Nazis waren. Wie bei jeder Strömung der extremen Rechten wird hier der Begriff Volk rassistisch definiert und das „Volk“ bzw die „Volksgemeinschaft“ über das Individuum gestellt. Heute ist die „Junge Freiheit“ aber nicht (mehr) neo-nationalsozialistisch oder NPD-nah.
Mehrere Personen aus Reutlingen, Rottenburg oder Tübingen betätigten sich in der JF als LeserbriefschreiberInnen und mehrere Tübinger Dozenten standen der JF für ein Interview zur Verfügung.
KURZEINSCHÄTZUNG: ultrarechts, elitär

+++ „Der Landser“ +++
Der Landser ist eine Groschenroman-Reihe in der ehemalige Wehrmachts-Soldaten (im Jargon: „Landser“) über ihre Kämpfe und „Heldentaten“ berichten. Landser-Autoren waren nicht selten Mitglieder von NS-Propaganda-Kompanien. Die Landser-Reihe erschein im Rastatter Pabel-Moewig-Verlag, der auch die bekannten Reihe „Perry Rhodan“ und „Bussi-Bär“ herausbringt.
KURZEINSCHÄTZUNG: Wehrmachts-verherrlichend

+++ „Ritterkreuzträger-Profile“ +++
Ein Hochglanz-Sammelmagazin, in dem verharmlosend Träger der Hitler-Auszeichnung „Ritterkreuz“ vorgestellt werden.
KURZEINSCHÄTZUNG: Wehrmachts-&Waffen-SS-verherrlichend

*** Was gibt es wo? ***

BÄCKER VOM VORTAG
- „Elixier“

BAHNHOFSKIOSK TÜBINGEN
- „Junge Freiheit“
- „Deutsche Stimme“
- „eigentümlich frei“
- „Ritterkreuz-Profile“

BAHNHOFKIOSK REUTLINGEN
- „Deutsche Militär-Zeitschrift“
- „Junge Freiheit“

KIOSK NONNENHAUS
- „Deutsche Militär-Zeitschrift“
- „Deutsche Geschichte“
- „2000plus“

KIOSK BEIM SATURN
- Landser-Hefte
- „Junge Freiheit“

(ergänzt am: 22.10.08)

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unmoderated

Danke für den Artikel - das ist ja gruselig!
Hast Du/ habt ihr die betreffenden Stellen über das informiert, was sie dort verteilen? Falls ja, welche Reaktionen gab es? Wenn genügend Leute sich aufregen und die Verkäufer über das Angebot in ihrem Laden informieren, werfen sie u.U. die Zeitschriften weg oder nehmen sie aus dem Angebot, oder diskutieren zumindest mit ihren Chefs darüber.

Meine Empfehlung also an alle, die dies lesen: Beschwert Euch!

Lg, B.