Fotostrecke: sexism in the city

Es geht bei der Kritik an Sexismus vor allem um drei Haupt-Kritikpunkte:

1. Herabwürdigung der Frau zum Objekt
Es geht darum, dass die Frau (sehr selten der Mann) lediglich als „Ding“ ein anderes „Ding“ bewirbt. Durch die Fokussierung auf das Aussehen an sich oder bestimmte Körperteile (Brüste, Po), wird die dargestellte Frau auf ihre bloße Hülle reduziert.
In der Realität werden Frauen, die dem allgemeinen Schönheitsideal nahe kommen auch auf ihr Aussehen reduziert. Der dahinter liegende Charakter oder andere individuelle Eigenschaften sind nicht nur sekundär, sondern werden meist gar nicht wahrgenommen.

2. Propagierung eines unerreichbaren Schönheitsideals
Zwischen den Werbe- und Film-Schönheiten und den durchschnittlichen „Normalhässlichen“ besteht ein unüberbrückbarer Graben. Die dargestellten Frauen und Männer sind super“schön“ und superschlank. Diese, nicht dem Durchschnitt, entsprechenden Schönheitsideale werden zur fordernden Norm erhoben. Alle die, und das ist die übergroße Mehrheit, diesem Schönheitsideal nicht entsprechen und nicht über genügend Selbstvertrauen verfügen, dem Ideal zu widerstehen, glauben Ihnen fehle etwas. In der Folge sind viele Menschen unglücklich. Die Auswirkungen zeigen sich in einem Fitness- und Diäten-Wahn und dem Begehren zur operativen Veränderung. Sie gipfeln in den Hungerkuren und Schmink-Wahn junger Mädchen, die sich äußerlich Barbie-Puppen annähern wollen und doch nur zum Dutzendpack der Wasserstoff-Einheits-Blondinen mutieren.
Liebe Väter, Brüder, Freunde oder Lebensgefährten, wenn sich eure Töchter, Schwestern, Freundinnen oder Partnerinnen nach dem Essen heimlich erbrechen, todunglücklich sind, weil sie auf dem Laufsteg des Lebens nicht mehr mithalten können, solltet ihr mal überlegen, wo euer Anteil liegen könnte.

Doch auch Männer sind betroffen und trainieren sich an Geräten in verschwitzten Studios nach der Arbeitszeit frustriert vollkommen überflüssige Muskeln an (Nicht zu reden von den nebenwirkungs-reichen Muskel-Aufbaupräparaten).

Auch die unabhängige Linke ist nicht frei von diesen Schönheits-Normierungen, auf Flyern und Postern werden z.B. durchgängig nur sehr schlanke Personen dargestellt.

Übrigens: Viele der Darstellungen werden heutzutage am Computer nachbearbeitet, da selbst die professionellen Models nicht mehr allen Anforderungen genügen. Eine derart makellose Haut, wie sie auf MTV zu Markte getragen wird, existiert in Wirklichkeit nicht.. das machen nur Vorbearbeitung in der Maske und Nachbearbeitung am PC möglich.

3. Geschlechterstereotypismus und Heteronormativität
Dargestellte Frauen und Männer sind fast durchweg Typen. Frauen werden mit typisch weiblichem, Männer mit typisch männlichem Aussehen und Attributen. Dazwischen oder außerhalb gibt es nichts. Auch die dargestellten Rollen sind fast immer gleich besetzt. Männer sind „Kerle“ und Frauen sind „Damen“. So werden eine Heteronormativität und Geschlechterstereotype konstruiert. Frauen haben fast durchweg langes Haar, tragen oft Kleider etc. Männer sind muskulös, tragen nie pink oder rosa etc. Außer natürlich sie stellen Klischee-Schwule dar, dann tragen sie pink oder rosa.

Um noch einmal klar die Grenze zu religiös inspirierter Prüderie und Lustfeindlichkeit aufzuzeigen. Es geht nicht um Nacktheit oder köperbetonte Kleidung an sich, sondern um die Funktion, Darstellungsweise und Auswirkung von Nacktheit und normierten Köpern.
An FKK-Stränden gibt es ja überhaupt nichts Beanstandenswertes. Auch soll sich jeder so kleiden dürfen, wie er oder sie will. Ebenso ist gegen künstliche Verschönerung a la Schminken ja nichts einzuwenden, wenn es dem eigenen Willen entspringt und vor allem dazu dient sich selbst zu gefallen. Es sollte aber nicht unterschätzt werden, dass die „Aufhübschung“ von vielen Frauen im Beruf heute standartgemäß erwartet wird. Eine ungeschminkte Verkäuferin oder Sekretärin ist bei den (meist männlichen) Chefs undenkbar. Selbst wenn die Angestellte keine Lust mehr auf die tägliche Überarbeitung vor dem Spiegel hätte, sie liefe Gefahr ihren Job zu verlieren. Manche Zwänge sind also nicht nur indirekt (von der Gesellschaft und Medien geschaffen), sondern ziemlich direkt.

Um Mißverständnissen vorzubeugen, dass ist keine keine "früher war die Welt so schön"-Klage, sondern eine "Es muss besser werden"-kritik. Früher mussten sich Frauen züchtig kleiden, luftabschnürende Korsette umschnüren und auch Männer waren einer rigiden Kleiderordnung unterworfen.

Allerdings werden manchmal in der Linken unter umgekehrten Vorzeichen ebenfalls Zwänge geschaffen. Auch in der Linken darf es keinen Dresscode geben. Menschen, die aus persönlichen Geschmacksgründen auf Kragenhemd oder Anzug stehen, müssen genauso willkommen, wie Rastas in Bathic-Shirts. Was zählt sind die Inhalte und nicht das Äußere (Ausnahmen wären natürlich Shirts mit sexistischen Sprüchen etc.).

Die unten aufgeführten Bilder stammen alle aus Tübingen. Noch ein paar Bemerkungen dazu:
* Verbindungen behaupten ja gerne, dass sie die Frau besonders ehren und achten würden. Frauen kommt eine Dekorations- und Vorzeige-Funktion z.B. auf Bällen zu. Doch die Kehrseite der Degradierung der weiblichen Persönlichkeit auf die Funktion der „Heiligen“ ist die Degradierung auf die Funktion „Hure“. Entlarvend sind die Flyer bzw. das Poster der Studentenverbindungen, übrigens fast nur Vertreter der eher liberaleren Verbindungen.
* Eines der Bilder („Slam & Howie“) stammt von einem Ankündigungs-Poster des eher linken Jugendhaus Epple und zeigt, dass das Problem nicht nur bei Verbindungen existiert.
* Die String-Werbung stammt von einem Geschäft am Stadtgraben.

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unmoderated

Das (verschobene bzw. längst überkommene) Frauenbild der (meisten) Studentenverbindungen (Ausnahmen hier in Tübingen sind u.a. Stuttgardia, Laetitia) sollte ja hinlänglich bekannt sein!
...und doch scheinen ihnen die "Verbindungsschlampen" nicht auszugehen, die sich auf den Parties angrappschen lassen und -so scheint es- hin und wieder die Beine breit machen, um einer neuen Generation Burschis ins Leben zu verhelfen!

unmoderated

geht´s noch ein bisschen abwertender?
die sog. "verbindungsmatratzen" sind selbstverständlich so dumm und angreifbar wie ihre "männlichen" begleiter, aber "frauen" aufgrund ihrer sexualmoral als "schlampen" zu bezeichnen und damit abzuwerten ist wirklich unterstes niveau. Sich als "Frau" in dieser Welt gegen angrapschen und beine-breit zu wehren, und sich ausdrücklich gegen diese hierarchisierten strukturen zu stellen, ist aus "weiblicher" perspektive nicht gerade das einfachste. Das sexistische System von anfassen und anfassen-lassen ist weit komplexer und aus emazipatorischer perspektive definitiv nicht gleich zu kritisieren. mit einer person ins bett zu gehen ist nicht gleich auch mit dieser person ins bett zu wollen.

unmoderated

"mit einer person ins bett zu gehen ist nicht gleich auch mit dieser person ins bett zu wollen"

???

...meinst du damit, die "Damen" werden von den Burschis erst durch Alkohol oder K.O.-Tropfen gefügig gemacht...oder wie soll ich den/die Sexualexperten/in verstehen?

unmoderated

Sexismus ist ein gesellschaftliches, ernstzunehmendes Problem. Klar, unbestritten. Ein anderes Problem ist, dass sich Sexismus-Gegner, genauso wie viele andere sozialkritische und ideologisch engagierte Menschen oder Organisationen an vollkommen belanglosen Nebenbaustellen aufreiben, anstatt dem Problem dort entgegenzuwirken, wo es Menschen wirklich benachteiligt, diskriminiert oder abwertet.
Mal abgesehen davon , dass einige der oben gezeigten Werbeaktionen einfach nur billig, ideenlos und schlecht umgesetzt sind, kann ich bei den Meisten nichts speziell Frauenfeindliches oder Frauenverachtendes erkennen.
Eben weil es sich um Werbung handelt. Werbung suggeriert doch nicht die Realität. Werbung zeigt immer ein Idealbild. Egal um was es sich dabei handelt. Werbung ist IMMER Übertreibung, Perfektionierung, Idealisierung. Sonst würde Werbung gar nicht funtionieren, wär unnötig (nein will jetzt keine Diskussion über politische oder wirtschaftlich SDysteme führen).

.... "Es geht nicht um Nacktheit oder köperbetonte Kleidung an sich, sondern um die Funktion, Darstellungsweise und Auswirkung von Nacktheit und normierten Köpern."....

"...auf Flyern und Postern werden z.B. durchgängig nur sehr schlanke Personen dargestellt...."

Niemand, bei gesundem Verstand, käme auf die Idee für Sportartikel oder Aftershave Kampagne mit kleinen, dicken oder vom Haarausfall betroffenen Männern zu werben. Niemand käme auf die Idee für Reiseziele mit Allerweltsansichten oder langweiligen Feldern zu werben. Niemand käme auf die Idee den Bio-Apfel mit Wurmstich zu zeigen, niemand zeigt wie Freilandhaltung bei Hühnern wirklich aussieht.

Und genauso wird wohl kaum jemand erotische Unterwäsche mit einem Modell zu bewerben, deren Äußeres vielleicht unsportlich oder eben alltäglich wirkt.

Ich würde zum Beispiel gern wissen, wo sich der Sexismus auf dem Konzert-Plakat äußert. Das ist ein Retro-Plakat, welches sich einfach nur am Rock'n'Roll-Style der 50 Jahre orientiert. Ist es sexistisch, das die Frau nichts drunter zu haben scheint (sichtbar ist nix), das sie blond ist, das sie hübsch ist. Das mit einer Frau Musik beworben wird? Keine Ahnung, wirklich!

"...Männer sind muskulös, tragen nie pink oder rosa etc. Außer natürlich sie stellen Klischee-Schwule dar, dann tragen sie pink oder rosa..."

Habt ihr krasse Probleme! Kenne keinen Kerl, der gern rosa trägt. Ausser die ganzen Trendys, die auf dem rosa/pink Trend der letzten Jahre (permanent und überall beworben) mitgeschwommen sind. Wer regt sich den darüber auf? Wo ist den das Sexismus, wem tut denn das weh?

In vielen Teilen der Welt werden Frauen gesellschaftlich unterdrückt und ausgebeutet. Zum Teil werden Frauen als Gebärmaschine mißbraucht, als Prostituierte verkauft oder sogar körperlich verstümmelt. Es gibt Dinge wie Zwangsheirat oder Ehrenmord. Auch in unserem Land sind Verdienstmöglichkeiten und Berufschancen von Frauen immernoch denen von Männern nicht gleichberechtigt.

Es gibt viele Dinge, für die es sichn zu kämfen lohnt. Ob es nun Sexismus ist oder andere Ungerechtigkeiten sind. Die Frage ist nur ob Cellulite-Streifen auf Unterwäsche-Plakaten dazugehören....

unmoderated

Ich hebe das mal auf eine persönliche Ebene: Meine kleine Schwester hatte jahrelang Magersucht, weil ihr Werbung etc. immer vorgegaukelt haben, dass sie so „perfekt“ sein müsse, wie die Mager-Models. Daher finde ich die unrealistischen Darstellungen durchaus kritikwürdig und mehr als das. Ehrlich gesagt, ist deswegen schon so manches Plakat im Papierkorb verschwunden und ich fühle mich deswegen nicht schlecht.
Der Sexismus äußert sich darin, dass Frauenkörper für Produkte werben, die gar nichts mit Sexyness zu tun haben. Das Unterwäsche-Models in Unterwäsche gezeigt werden, ist klar. Hier wäre noch kritikwürdig, dass superperfekte Menschen dazu genommen werden, die einen Idealtypus erschaffen, der Druck auf viele ausübt, ihn zu erreichen. Aber warum muss eine Frau mit Riesen- Dekolleté denn für eine Musik-Veranstaltung Werbung machen? Hier werden zwei Sachen zusammen gebracht, die erstmal gar nix miteinander zu tun haben. Offensichtlich geht es um das billige Prinzip „sex sells“, was ja leider tatsächlich funktioniert.
Dass Frauen anderswo auf andere und oft krassere Weise unterdrückt werden, heißt nicht, dass ich mich hier mit softeren Formen des Sexismus abfinden muss. Es gilt das Gesamt-System zu identifizieren und zu bekämpfen.
Wenn Du rosa nicht magst, gut. Aber warum tragen Kerle allgemein nicht gerne rosa? Das hat etwas mit anerzogenem Geschlecht (Gender) zu tun.

unmoderated

"...Meine kleine Schwester hatte jahrelang Magersucht, weil ihr Werbung etc. immer vorgegaukelt haben, dass sie so „perfekt“ sein müsse, wie die Mager-Models..."

Ein Riesenproblem ohne Zweifel. Tut mir Leid, wenn deine Schwester darunter gelitten hat. Die Frage ist aber doch, warum so viele Mädchen diesem "Idealbild" nachrennen. Einem Idealbild der Frau, das die meisten Männer überhaupt nicht teilen. Warum brauchen überhaupt so viele Leute mediengemachte Leitbilder? Da fehlt doch am Ende nicht etwa trotz einer vollkommen irren Reizüberflutung der Freiraum für Fantasie und Individualität in unserer Gesellschaft? Oder ist der Ferseher etwa zum Volksempfänger und der Mensch zum Mediensklave mutiert? Beides vollkommen neue und revolutionäre Sichtweisen...

"...Aber warum muss eine Frau mit Riesen- Dekolleté denn für eine Musik-Veranstaltung Werbung
machen? Hier werden zwei Sachen zusammen gebracht, die erstmal gar nix miteinander zu tun haben. Offensichtlich geht es um das billige Prinzip „sex sells“, was ja leider tatsächlich funktioniert...."

Da behaupte ich mal knallhart, das dies einzig und allein im Auge des Betrachters liegt. Du mußt bei diesem Bild an Sex denken? Ich nicht. Ich glaube auch kaum, das auch nur ein Gast dieses Konzertes wegen dem Dekolleté der Frau auf dem Plakat gekommen ist.

Wie schon ewähnt, halte auch ich Sexismus nachwievor für gesellschaftliches Problem. Nur sollte man den Hebel eben dort anlegen, wo er auch Kraft ausüben kann. Nicht jede Werbeanzeige und jedes Unterwäscheplakat ist es wert, darüber zu diskutieren. Du wirst die Gesellschaft nicht damit ändern, indem du in Internetforen deinen Unmut zu jeder Kleinigkeit äußerst. Das Ding mit dem Wald und den Bäumen...
Ich glaube, dass Courage im Alltag, sowie gezielte und öffentlichkeitswirsame Aktionen gegen systematische Ungerechtigkeiten mehr bringen als virtuelles Stammtischgezeter. Außerdem hälst du dir damit klugscheißende Zyniker wie mich vom Hals, die dir deine überkorrekte PC Einstellung unter die Nase reiben.

So, und nun nochmal zu des Pudels gespaltenem Kern:

"....Aber warum tragen Kerle allgemein nicht gerne rosa? Das hat etwas mit anerzogenem Geschlecht (Gender) zu tun..."

Uiii is das schlimmm! Da hat uns die Sexisten-Generation unserer Eltern zu unheilbaren Farbkrüppeln rangezogen. Und weil mein Strampler hellblau war, hasse ich heute Rosa in jeglicher Form und halte diese Farbe für eklusiv weiblich. Und weil ich ein echter Kerl bin, hab' ich diese pinkfarbenen Schwuchtelblumen, die ich letztens von meiner Freundin aufgedrängt bekommen habe, SOFORT mit blauem Glanzlack wieder auf die richtige Bahn gebracht. In meinem Farbensortiment habe ich Rosé gegen ne Tube Braun (auch ne relativ männliche Farbe) getauscht. Jetzt ist mein anerzogenes Geschlecht wieder beruhigt. Natürlich hab ich auch meiner Freundin verboten ihr blaues Cripple Bastards T-Shirt anzuzuiehen, das ist eine MÄNNERFARBE!

Gegenbeispiel: In meiner Stadt gibt's ein Frauenhaus. Nun rate mal in welcher Farbe es gestrichen wurde. Also echt jetzt, Hellblau wäre doch eigentlich viel eher im Sinne der Frauenbewegung gewesen, oder?

unmoderated

... äh, ich mein, ich bin NICHT der Geist, der ...

Man kann ja auch mal so fragen: Warum SOLLEN Kerle allgemein gerne rosa tragen? Wer hat denn was davon?