Die HDJ und Martin Götze

Vorausbemerkung: Der Vollname des schwäbischen HDJ-Funktionärs Götze darf ohne Probleme offen genannt werden, weil sein Vollname bereits in der Tagespresse und der antifaschistischen Literatur mehrfach erwähnt wurde.

*** Wer ist Martin Götze? (Bild siehe unten) ***
Martin Götze (vermutlich Jahrgang 1984) ist ein Funktionär der rechtsextremen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ), vermutlich ist er sogar der HDJ-„Leitstellenführer Süd“ oder zumindest der „Leitstellenführer“ der HDJ-„Einheit Schwaben“.
Ursprünglich stammt er aus Hannover und gehörte zur HDJ-„Einheit Hermannsland“ (Niedersachsen), als deren Organisator er auftrat. Er soll auch schon in Detmold gewohnt haben.
Götze hat eine Zeit lang im baden-württembergischen Eberbach gewohnt, wo er die Theodor-Frey-Schule (Berufsschule in Eberbach) besucht hat.
Er zog im Herbst 2007 für sein Studium nach Rottenburg. Er studiert an der Rottenburger Forsthochschule (HFR) und soll dazu bereits Zimmermann oder Schreiner sein.

In der Vergangenheit war Götze bereits an mehreren HDJ-Lagern und -Veranstaltungen als Organisator oder einfacher Teilnehmer beteiligt:
* Organisator des Lagerplatzes für das HDJ-Sommerlager (etwa 100 Personen) in Fromhausen bei Detmold (Niedersachsen) 2006.
* War vermutlich an einem 150km-Marsch durch die Lüneburger Heide beteiligt.
* Beteiligt an einer Fahrradtour der „Einheit Hermannsland“ (ab 13.08.2006).
* Beteiligung an einem HDJ-Lager im April 2008 in Ansbach.
* Leiter des am 08. August 2008 aufgelösten HDJ-Sommerlagers (39 Kinder und Jugendliche und rund 50 Erwachsene) in Neu-Mistorf bei Rostock (Mecklenburg-Vorpommern).
* Mindestens als Mit-Organisator beteiligt an einer Veranstaltung am 24. August 2008 in Weidenthal in Rheinland-Pfalz. Zu einer „Informationsveranstaltung“ seiner Organisation lotste er gegen 10 Uhr gemeinsam mit Neonazis aus dem Umfeld des „Aktionsbüro Rhein-Neckar“ Interessenten vom Bahnhof in Neustadt an der Weinstraße zum rund 15 Kilometer entfernten Grundstück der NPD-Landesvorsitzenden Dörthe Armstroff in Weidenthal. Etwa 25-30 Personen, darunter Kinder und Jugendliche, lauschten einem Vortrag im Garten der NPD-Funktionärin. Mit Tischdecken und Tüchern versuchten die Neonazis, Blicke anwesender Polizeibeamter auf das Grundstück zu verhindern. Gegen 20.00 Uhr soll die Veranstaltung nach Angaben eines Polizeisprechers „ohne Zwischenfälle“ zu Ende gegangen sein. Allerdings musste Götze für die Polizei seine HDJ-Kluft ablegen, weil er mit dem Tragen dieser zum zweiten Mal gegen das Verbot von Uniformierung verstoßen hatte.
* Bei der Gründung der Vorfeld-Organisation „Friedensgesellschaft“ am 31.03.2007 im thüringischen Pfersdorf (Hildburghausen) war Martin Götze auch zugegen.

Bekannt ist ebenso, dass der Mann in Sinsheim an einem Treffen aus Anlass des Geburtstages von Adolf Hitler teilgenommen hat.

Außerdem soll Götze als Autor unter seinem Vornamen im HDJ-Organ „Funkenflug“ schreiben (z.B. Funkenflug Nr. 3/05, Seite 19).

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt weiter gegen Götze und andere HDJ-Mitglieder wegen Verstoßes gegen das Uniformierungsverbot. Götze und andere HDJler waren im Dezember 2006 in HDJ-Uniform durchs Stadtgebiet von Oranienburg (nördlich von Berlin) gezogen.
Weiterhin ermittelte die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen bei dem HDJ-Sommerlager 2008.

*** Die HDJ in Baden-Württemberg ***
Die „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) ist nach dem Verbot der „Wiking-Jugend“ 1994 die mitgliederstärkste neonazistische, traditionelle Jugendorganisation.
Baden-Württemberg ist bisher kein Schwerpunktgebiet der HDJ. Für Baden-Württemberg existiert aber immerhin die „Einheit Schwaben“ und der „Familien- und Freundeskreis Schwaben“. Die Stärke der „Einheit/FFK Schwaben“ darf, nach von der Journalistin Andrea Röpke in ihrem Buch „Ferien im Führerbunker“ wiedergegebenen Zahlen, im Kern auf 4 bis 8 Familien mit etwa 40 Personen angesiedelt werden. Im Jahr 2006 veranstaltete die „Einheit/FFK Schwaben“ erstmals eigene kleine Lager. Vorher fanden nur Kooperationsveranstaltungen mit anderen HDJ-Einheiten, z.B. aus Franken, statt.
Dass die HDJ in kleineren Einheiten auch im Südwesten aktiv ist, belegt auch ein Benutzer des Nazi-Forums „Thiazi“. Der User „Nordlandsson“ schrieb dort am 17.07.07:
„Hm, dann kommt es drauf an wie tief Du in Bayern wohnst, aber in Franken und Baden-Württemberg sind Einheiten vorhanden. Zwar klein, aber fein.“
Treibende Kraft hinter der HDJ in Baden-Württemberg ist laut der Autorin Röpke (Ferien im Führerbunker, Seite 68), Petra Müller (geborene Sinn) aus Calw (ursprünglich aus Österreich). Diese war bereits für die verbotene „Wiking-Jugend“ aktiv, ist mit ihrem Mann Marc Mitglied der rassistischen „Artgemeinschaft“ und zählt zu den Begründerinnen des NPD-nahen „Ring nationaler Frauen“ (RNF).
Auch lange ein HDJ-Aktivist in Baden-Württemberg war I. H. aus Renningen bei Böblingen (Andrea Röpke: Ferien im Führerbunker, Braunschweig 2007, Seite 107-110). H. stammt ursprünglich aus Cottbus und war dort bei der heute inaktiven „Wanderjugend Gibor“ aktiv. H. soll inzwischen nach Sachsen-Anhalt verzogen und dort für die „Junge Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO) aktiv.
(+++ Tueinfo entspricht mit der Anonymisierung der Forderung des Genannten nach Unkenntlichmachung und Korrektur, der ansonsten gerichtliche Schritte einzuleiten droht. Dies geschieht ungeachtet des Wahrheitsgehaltes. Stand: 24.01.2009 +++).

Laut Verfassungsschutz hat die HDJ 2008 „fünf bis sieben Veranstaltungen“ im Land ausgerichtet, neben Zeltlagern und teilweise konspirativen Treffen soll es auch einen Leistungsmarsch im Schwarzwald gegeben haben.

HDJ-Aktivitäten in Baden-Württemberg („Einheit Schwaben“):
* 25.06.2005, Schwarzwald, Sonnenwendlager
* Wintersonnenwende 2006, Schwäbische Alb, Feier
* „Heldengedenken“
* 24. Juni 2006, Schwarzwald, Sonnenwendfeier der Einheiten und der FFKs Schwaben und Franken

Im Zuge der der bundesweiten Razzia gegen die HDJ im Oktober 2008 wurden insgesamt sieben Objekte in zwei Landkreisen des Bundeslandes durchsucht. Betroffen sollen fünf AktivistInnen der Organisation sein.

*** Termintipp ***
Am Mittwoch, den 3. Dezember, findet in der Infoladen-Hausbar in der Schellingstraße 6, Tübingen, ab 20 Uhr der Vortrag „Die Heimattreue Deutsche Jugend – Geschichte, Strukturen, Inhalte“ mit anschließender Diskussion statt. Referent ist Michael Weiss vom APABIZ.
Ab 19 Uhr gibt es schon veganes Abendessen.

*** Verwendete Literatur ***
* Alle Fotos außer dem Youtube-Screenshot stammen von „Recherche Nord“: http://www.recherche-nord.com/ (Wir danken für die Genehmigung sie verwenden zu dürfen!)
* Gef: Campleiter von hier, in: „Schwäbisches Tagblatt“ vom 11.08.2008
* Gert Fleischer: Rechts-Aktivist studiert hier, in: „Schwäbisches Tagblatt“ (Online) vom 12.08.2008
* Michael Petersen: Hochschule will rechten Studenten loswerden, „Schwäbisches Tagblatt“ vom 13.08.08
* tn/ar: HDJ-Treiben auf Privatgelände, in: „Blick nach Rechts“, 25.08.2008
* Andrea Röpke: Ferien im Führerbunker, Braunschweig 2007, Seite 77, 97 und 107
* Recherche Nord: Berlin: Schlag gegen die »Heimattreue Deutsche Jugend«, 10.10.2008
http://www.recherche-nord.com/index.php?option=com_content&task=view&id=220
* Verfassungsschutz-Artikel, 2008, http://www.verfassungsschutz-bw.de/rechts/files/r_neonaz_2008-09.htm

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