Freispruch „aus Mangel an Beweisen“

Am 8. Dezember fand ab 8.30 Uhr die zweite Runde des Revisionsprozesses gegen den Nazi-Schläger Daniel M. (* 1985) aus Burladingen am Landgericht Tübingen statt.
In einem vorangegangenen Prozess am 10.04.2008 am Amtsgericht Reutlingen wurde Daniel M. und sein Mit-Täter Daniel A. wegen Körperverletzung zu zweimal neun Monate Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt worden (Tueinfo berichtete in dem Artikel „Anti-Antifa vor Gericht“). Beide hatten mit einer Gruppe von insgesamt zehn Personen in der Nacht vom 14. auf den 15.07.2007 einen Mitarbeiter des Reutlinger KuRt-Festivals an dessen T-Shirt erkannt, ihn aufgehalten und ihn schlussendlich angegriffen, weil sie ihn in ihrem Feindbild („Du bist doch einer von der linken Antifa?!“) zuordneten.

Im ursprünglichen Prozess, ebenso wie im ersten Teil des Prozesses (Tueinfo berichtete) wurde Daniel M. von Steffen Hammer vertreten. In seiner Freizeit ist Steffen Hammer (*1971) seit 1988 Sänger von „Noie Werte“, der ältesten Nazi-Skinband Baden-Württembergs. Im „normalen“ Leben ist der Steffen Hammer (*1971) von „Noie Werte“ ein seit 2000 zugelassener erfolgreicher und biederer Anwalt für Familien-, Erb- und Strafrecht. Er betreibt in Reutlingen mit seinem Partner Markus Braun eine erfolgreiche Kanzlei mit dem Schwerpunkt Internetscheidungen (Eigentlich schwärmen Nationalisten sonst immer von dem Ideal der deutschen Familie, doch Hammer scheint da kaum Bedenken zu haben). Nazi-Schläger vertritt er immer mal wieder nur so nebenbei.
Für seinen Mandanten hat Hammer nun im Revisionsprozess einen Freispruch herausgeschlagen. Das Opfer konnte sich nämlich vor Gericht eineinhalb Jahre nach der Tat nicht mehr an alle Details der Tat (Haarfarbe, Größe) erinnern. Woran sich das Opfer aber sehr gut noch erinnern konnte, das war das Gesicht seiner Angreifer, Das hatte sich ihm nämlich in der Tat-Nach „eingebrannt“.
Verteidiger Hammer ritt nun genüsslich auf der angeblich so unglaubwürdigen Aussage des Zeugen herum. Nicht weiter verwunderlich. Verwunderlicher hingegen war, dass die die Staatsanwältin sich kommentarlos der Verteidigung anschloss. Der Richter hob in der Urteilsverkündung relativ deutlich hervor, dass auch ein Zusehen bei solch einer Tat absolut verwerflich sei und dass er Daniel M. nur aus Mangel an Beweisen freispreche.
Das es einen zweiten Haupttäter bzw. Schläger gab, bezweifelte niemand. Dieser Part wird nun einem Manuel K. angelastet, der derzeit in Haft sitzt und nun vor Gericht nichts sagen wolle. Des Weiteren sagten zwei Frauen aus. Daniel M.s Freundin, die etwas hilflos wirkte und Tamara L., die wohl zur rechten Szene zu rechnen sein dürfte. Letztere belastete Manuel K. mit ihren Aussagen. Auf die Frage des Richters, warum sie zugesehen hätte, antwortete sie in breitem Schwäbisch: „I wois ed obs des bracht hätt, wenn I als Frau da was gsaid hätt.“

Im Saal anwesend waren wieder der Nazi-Kumpan Simon R. aus Gomaringen und ein ähnlich gesinnter Freund.

Ein Folge-Prozess gegen Manuel K. steht also noch an.

Dieser Bericht entstand unter Zurhilfnahme von Aufzeichnungen eines kritischen Prozessbeobachters, die uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt worden sind.

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AK „Kritische Prozessbeobachtung“ der RH-Ortsgruppe Reutlingen-Tübingen <<<

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