Querfront in der Provinz

In Balingen haben sich am 10.01.2009 Neonazis an einer Pro-Palästina-Demonstration beteiligt.

Davon berichten sie auf der Nazinews-Plattform „Jugend Offensive“. Dort heißt es u.a.

„So trafen sich am freie Nationalisten und Kameraden der NPD aus Stuttgart und dem Kreis Tübingen in Balingen, um Seite an Seite mit Palästinensern zu Demonstrieren. Es fanden sich ca. 300 Personen ein, wogegen aber Türken den größten Anteil ausmachten. Dies war meist daran zu erkennen, dass diese Teilnehmer nicht wussten, wie sie die palästinische Fahne zu halten haben. Doch dieser „Schönheitsfehler“ wurde dank eines Kameraden fast bei jedem behoben.
Organisiert wurde die pro Palästinademo von Antikriegsgegner und linken Vereinen aus Balingen. So würdigte man auch unserer kleinen Gruppe einen Redebeitrag, denn die Teilnehmer wurden darauf aufmerksam gemacht, dass sich auf der Demo auch „Personen mit rassistischem Gedankengut“ aufhalten. Aber dies interessierte die wenigsten Teilnehmer. Dass Gegenteil war eher die Folge, denn einige Teilnehmer brachten persönlich ihren Dank zum Ausdruck, dass wir Sie unterstützen.
Sehr interessant war auch die Rede eines Palästinensers, der vielen die Augen über die derzeitigen Verhältnisse in Gaza öffnen konnte. Dagegen schlecht war der Beitrag einer MLPD-Rednerin, die auch sofort ausgebuht wurde, als sie solidarisch zu Israel wurde.
Zum Abschluss erschallte es erneut in allen Gassen „Terrorist Israel“, „Babykiller Israel“ und noch viele andere schöne Aussagen.“

Die Beteiligung von Nazis an dieser Demonstration kann auch von unabhängiger Seite bestätigt werden.
Die Mehrheit der Demonstranten scheint laut Aussage des Nazi-Berichtes diese braune Beteiligung aber nicht weiter problematisch gesehen zu haben. Eventuell waren unter den übrigen Demonstranten auch Mitglieder der faschistischen türkischen Bewegung der „Grauen Wölfe“, die auch in Balingen aktiv sein sollen.
Die Fotos auf „Jugend Offensive“ zeigen ein Transparent auf dem Israel als blutsaugender Vampir gezeigt wird. Mit diesem antisemitischen Topos befanden sich die Demonstranten in „guter“ alter antisemitischer Tradition. Bereits der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) bezeichnete Juden als die „Vampire der Gesellschaft“. Auch die Nationalsozialisten sahen in den Juden Blutsauger und Parasiten. Diese antisemitische Logik“ gipfelte in dem Massenmord an 6 Millionen jüdischen Menschen.

Bei solchen antisemitischen Darstellungen ist es nicht verwunderlich, dass Neonazis sich in der Menge dieser Pro-Palästina-Demonstration wie die Fische im Wasser bewegen konnten.
Kein Einzelfall, andere Beispiele berichten von ähnlichen Querfronten in weiteren Städten wie Bremen oder Dortmund (http://www.hagalil.com/01/de/Antisemitismus.php?itemid=3180). Doch auch ohne die Beteiligung von Neonazis kam es im Zuge der Eskalation des Nahostkonfliktes zu antisemitischen Exzessen.

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