Der Tod ist ein Meister aus Oberndorf

Wer die Waffen aus der Schmiede von „Heckler und Koch“ nicht kennt, sollte sich einmal das RAF-Symbol genauer anschauen. Die dort abgebildete Waffe ist nämlich eine dieser Marke. Dieses Jahr feierte „Heckler und Koch“ 60 Jahre Unternehmens-Bestand.
Einige Menschen dachten aber nicht daran, diesen Geburtstag zu feiern und riefen daher am Samstag, den 7. März, zu einem Trauer- und Protestmarsch in Oberndorf auf. Das schwäbische Oberndorf ist Geburtsort und bis heute ein wichtiger Firmenstandort von „Heckler und Koch“.
In dem Oberndorfer Teilort Lindenhof (bis 1945 „Adolf-Hitler-Siedlung“) ist eine wichtige Produktionsstätte von „Heckler und Koch“.
Trotz der fortdauernder Brisanz und Wichtigkeit des Themas fanden sich nur etwa 110-120 TeilnehmerInnen ein, die Mehrheit älteren Jahrgangs und vermutlich Veteranen der Friedensbewegung.
Auf einer Kundgebung im Zentrum von Oberndorf erfuhren die weniger Informierten allerhand Details über „Heckler und Koch“ (H&K):

Schätzungsweise 1.500.000 Menschen sind durch H&K-Waffen bis heute getötet. Wer nicht offiziell aus der Bundesrepublik beliefert werden durfte, der wurde von einem Lizenz-Nehmer beliefert. Zu den offiziellen Lizenz-Nehmern für G3-Gewehre gehörten autokratische Staaten wie Pakistan, der Iran oder Saudi-Arabien. Die Türkei durfte 600.000 H&K-Gewehre auf Lizenz herstellen, womit in Türkisch-Kurdistan dann mindestens 40.000 Menschen ermordet wurden. Über Frankreich wurde der ugandische Diktator Idi Amin und über Großbritannien der Sudan oder Nigeria beliefert. Durch Waffenschiebereien gelangten H&K-Waffen aber in so ziemlich jede Konfliktregion dieser Erde. Beispielsweise auch nach Somalia. Eine Rednerin in Oberndorf präsentierte die Schuhe eines mit einer H&K-Waffe erschossenen Jungen.
In Anbetracht der vielen durch H&K-Waffen zu Krüppeln geschossenen Menschen wirkt es wie eine Realsatire, dass H&K eine Auszeichnung erhielt, dafür dass sie vorbildliche Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen unterhalten.
Die bei H&K beschäftigten gewerkschaftlich ArbeiterInnen zeigen sich (kaum überraschend) nur am Erhalt ihres Arbeitsplatzes interessiert. Dafür hat sich sogar ein Rüstungs-Industrie-freundlicher Arbeitskreis gegründet.
Anschließend erzählte ein Aktivist aus Nottingham (Großbritannien) über den Kampf gegen eine örtliche H&K-Filiale.

Schade war, dass nur eine Handvoll Leute aus Tübingen nach Oberndorf gefunden hatte. Schuld war sicher, dass die Veranstaltung und der Treffpunkt am Hauptbahnhof nicht bekannt waren.
Es gibt aber auch insgesamt eine Distanz zwischen Teilen der Friedensbewegung und Teilen der antinational und antideutsch ausgerichteten jüngeren Linken. Kritikpunkte der Letztgenannten an Teilen der Friedensbewegung sind Antiamerikanismus und Antizionismus, sowie Probleme mit bestimmten Analysen, Einseitigkeiten und Motivationen in der Friedensbewegung (z.B. christlich motivierte Friedensbewegte).
Ein altbackener Liedermacher, der wie am Samstag, dann auch noch in einem Lied in plumper Weise Georg W. Bush und Bin Laden als religiöse Fundamentalisten gegenüberstellt, sind solchen Vorwürfen nicht gerade abträglich. (Kurz zur Erläuterung: George W. Bush ist ein religiöser Mensch, dessen Politik aber nicht religiös motiviert ist [Eine Analyse der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn von 50 Radioansprachen Bushs zum Irakkrieg zeigt, dass dieser kaum religiöse Formulierungen verwendete.]. Osama bin Laden hingegen ist ein islamistisch motivierter Massenmörder.)

Trotz allem ist das Thema aber verdammt wichtig und auch für Antideutsche gibt es genug Gründe gegen H&K (z.B. die Linzenzvergabe an den Iran) auf die Straße zu gehen. Allerdings sollte das eigentlich vollkommen egal sein, entscheidend ist ja, dass massenhaft Zivilisten, also Unschuldige, durch H&K-Waffen getötet werden. Deren Entstehungsort liegt nur eine halbe Stunde Zugfahrt von Tübingen entfernt.

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unmoderated

Dass so viele Menschen durch H&K-Waffen umgebracht werden, liegt nicht daran, dass es sie gibt. Umgekehrt, werden diese Waffen überhaupt erst hergestellt, weil überall in der Welt offensichtlich ein starkes Bedürfniss danach herrscht, Leute abzuknallen. Anstatt den Gründen dafür nachzuspüren und die Konflikte, die die Waffen nötig machen, aus der Welt zu schaffen, versammelt sich die deutsche Friedensbewegung zu einem Trauermarsch (! ausgerechnet - ein Krawall wäre eigentlich passender gewesen) vor den H&K-Toren.

Das ist schon etwas kurzsichtig und schäbig. Als ob es irgendwie besser wäre, wenn sich Leute in Somalia oder sonstwo mit hausgemachten Waffen erschlugen.

unmoderated

Also ist es ja egal, dass die Bundesregierung Waffen z.B. an die Türkei liefert. Die Leute bringen sich ja auch so um, oder was?
Das klingt nach der NRA-Verteidigungsstrategie:
Weapons don't kill people, people kill people.

Das Konflikte nicht durch Waffenverbote generell gelöst werden können, ist ja wohl jedem klar, aber Konflikte können durch Schusswaffen-Entzug maßgeblich entschärft werden. Soviele Leute wie mit Schusswaffen getötet oder vertrieben werden, kann mensch ja gar nicht töten.

Nicht jeder kann so tolle riots machen, die älteren Leute in der Friedensbewegung bevorzugen halt andere Aktionsformen. Dass sollte die Hardcore-Autonomen-Bambule-Fraktion mal endlich akzeptieren. Außerdem sehe ich die Leute, die so gerne von Krawall daherschwätzen, immer als erste vor einer Einheit Cops wegrennen.

Anstatt vom PC-Hocker aus "kurzsichtig und schäbig" zu rufen und rumzukritisieren, erstmal genauer informieren. Konflikt-Analysen gibt es nämlich auch in der Friedensbewegung zuhauf, wenn auch manchmal falsche ...

Mit der hyperkritische Pseudo-einstellung kann mensch es sich natürlich auf ewig gemütlich machen. Kritik und kritische tiefgehende Analyse ist wichtig, sollte auch manchmal zu Aktionen führen.
Mit der Einstellung kannst du ja ...
... jede Antinazi-Demo boykottieren, weil da ja nicht die Entstehungsgründe von Rechtsextremismus analysiert werden
... jede Castor-Blockade auslassen, weil bei der Blockade konkret nur wenig Analyse stattfindet.
... fast jeden Streik vergessen, weil da ja kaum eine Gesamtanalyse gestellt wird.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem konkreten Protest gegen etwas Einzelnes und der Analyse, die ja bei vielen Gruppen und Szenen durchaus stattfindet.

unmoderated

... Engagement gegen Kriege ist ja auch kein Faschingsumzug. Unterhaltung gibt's auf Pro7, wenn die Simpsons kommen :)

Kannst du bitte deinen Autonomen-Beißreflex für ein paar Augenblicke abstellen und genau lesen, was ich geschrieben habe. Da steht nämlich nichts von: "Man soll keine Aktionen machen - weil das ist ja keine Analyse." Es ist mir schon bekannt, dass während der Aktionen keine tiefgehenden Analysen stattfinden. Würde auch ziemlich stören.

Ich habe diese eine, ganz bestimmte Aktion kritisiert, weil ich mich frage, was sie eigentlich bringen soll. Wenn du schreibst: "Also ist es ja egal, dass die Bundesregierung Waffen z.B. an die Türkei liefert", dann würde ich sagen: nein, ist es nicht. Aber ich frage mich wirklich, warum die Friedensbewegung dann nicht der Bundesregierung und der türkischen Regierung das Handwerk legt. Bei DENEN stehen doch Mord und Totschlag auf der Tagesordnung, DIE haben doch einen ständigen Bedarf nach Waffen und Kriegsgerät, DIE sind es doch, die Waffenherstellern überhaupt die Möglichkeit, die Erlaubnis und den Auftrag geben, ihr Zeug zu produzieren und zu vertreiben. Vielleicht sollte man sich mal fragen, warum sie das eigentlich machen. Ist es nicht ein bisschen "idealistisch" vor den Toren von H&K rumzuhampeln, wenn hier in Deutschland und auch sonst so ziemlich überall auf der Welt Waffengewalt gegen unerwünschte Personen und Interessen zur anerkannten Staatsraison ge- und der Bedarf nach Waffen deswegen auch nie auf-hört?

Und wo die NRA ausnahmsweise mal recht hat, hat sie recht. Bzw. wenn du denkst, dass der Spruch nicht stimmt, dann schreib doch bitte, wieso. Oder wolltest du mich nur in die Nähe von anerkannten A****löschern rücken? "Soviele Leute wie mit Schusswaffen getötet oder vertrieben werden, kann mensch ja gar nicht töten" Hast du es schon ausprobiert, oder wie? ;-) Wenn Menschen wollen, dann können sie ziemlich vieles.

P.S.: Ein ganz praktischer Tipp noch. Bei Krawallen geht es nicht darum möglichst viel einzustecken, sondern darum möglichst viel auszuteilen. Deswegen läuft man auch vernünftigerweise von den Bullen weg, wenn's wirklich brenzlich wird.

unmoderated

Schon vor über 20 Jahren geschrieben, trifft aber immernoch zu:

M.I.K. (Militärisch Industrieller Komplex)

Krieg am Boden, Krieg im All
deutsche Technik überall
deutsche Waffen, unser Geld
überall in dieser Welt
im Iran für Khomeini
Waffen ‚made in Germoney‘
M.B.B.–Manager freut’s
Bundesnebenverdienstkreuz

Doch was hat sich geändert heute
wer ist der Jäger, wer die Beute
nur eins hat sich geändert heute
die Bombe ist für alle Leute

Heckler-Koch und A.E.G.
Daimler-Benz, Krupp und Dornier
Arbeitsplätze müssen her
die Opfer kümmern nicht so sehr
Magirus-Deutz, im Kampf bewährt
in Deutschland lebt sich’s unbeschwert
Rüstung tötet auch ohne Krieg
Nur Verlierer, Phyrrussieg

Krieg am Boden, Krieg im All
Kraus-Maffei und Rheinmetall
Deutsche Bank und unser Geld
Waffen für die ‚Dritte Welt‘
Militär und Industrie
Siemens-Know-How, gewußt wie
M.I.K.-Manager freut’s
Bundesnebenverdienstkreuz

© K.G.B. 1987

unmoderated

es ist doch nicht so, dass die Friedensbewegung nicht die Bundesregierung angreift und kritisiert! Das geschieht doch auch! Aber die Firmen anzugreifen wird zusätzlich gemacht!

Außerdem: das Konkurrenz-Argument kannst du im Kapitalismus wie in der Politik verwenden, wenn auch etwas abgeschwächt:
Wenn H&K keine Waffen herstellt, dann tuts ne andere Firma.
Wenn die BRD der Türkei keine Waffen verkauft, tuts ein anderes Land.

Die Konkurrenzlogik ist echt ähnlich: Im Kalten Krieg hieß es, wenn die USA keine Atomwaffen herstellt, dann machts die UDSSR, und umgekehrt. Das entschuldigt nichts! Die Akteure sind trotzdem angreifbar! Wenn das erfolgreich gemacht wird, bedeutet das ein stückweites Abrücken von der Konkurrenzlogik und der aufbau einer Gegenmacht von unten!

Es geht mir auf den Geist, alle kapitalistischen Akteure (Firmen) mit diesem Argument zu entschuldigen! Damit wird die Perspektive auf eines reduziert: die sozialistische Weltrevolution. Und das scheint mir auch die absicht einiger KommunistInnen zu sein; darzustellen, dass alles sinnlos ist, außer eben diese Weltrevolution. Und weil die so fern ist, schaden sie damit der ganzen Bewegung, die sich eben Zwischenschritte und Praxen für jetzt überlegt: Konzerne angreifen, Gegenmacht aufbauen, selbstorganisierte Versorgungsstrukturen, Selbstverwaltung usw.

Ich finde es wird echt Zeit für anarchistische (bzw. anarchokommunistische) Praxis statt kommunistischer Kritik!

unmoderated

"es ist doch nicht so, dass die Friedensbewegung nicht die Bundesregierung angreift und kritisiert! Das geschieht doch auch! Aber die Firmen anzugreifen wird zusätzlich gemacht!"

Ja mei, habe ich etwa gesagt, dass die Friedensbewegung vollständig aus Trotteln besteht? Nein, habe ich nicht - also muss du die jetzt doch nicht vor mir in Schutz nehmen! Ich habe nicht die Leute in der Friedensbewegung kritisiert, sondern diese eine, ganz bestimmte Aktion. Wenn die daneben auch gute Aktionen machen, dann ist es gut und nicht schlecht, dann freue ich mich und mache da gegebenfalls mit. Aber das ändert doch nichts daran, dass sie jetzt eine Aktion gemacht haben, bei der sich mir immer noch nicht erschließen will, was da eigentlich der gute Sinn dahinter sein soll. Mensch! Man kann doch eine kritische Bemerkung nicht damit wegwischen, dass die Leute sich bei anderen Sachen auch mal ganz vernünftig aufführen. Kapitalisten helfen in ihrer Freizeit auch mal "zusätzlich" irgendwelchen Kindern in der Gosse - darf man sie jetzt deswegen gar nicht mehr kritisieren?!

Jetzt habe ich aus deinem Post so eine finstere Vorahnung, dass die vermaledeite "Theorie-vs-Praxis"-Diskussion hier in der Luft rumschwebt. Deswegen schreib ich noch schnell, was ich dazu denke:

Politische Praxis ist vernünftigerweise kein Selbstzweck, sondern soll irgendein Ziel erreichen. Also sollte man sich bei jeder Praxis schon fragen: Welches Ziel soll damit erreicht werden und ist diese Praxis überhaupt das geegnete Mittel, um dieses Ziel zu erreichen? Wie kriegt man das raus? Na man überlegt sich, was das Problem ist und warum es besteht. Dann weiß man auch, was dagegen am besten zu tun ist. Dieser Vorgang oder auch sein Ergebnis nennt sich "Theorie" oder von mir aus "Kritik". Also sind Theorie und Praxis zwei Seiten der selben Medaille. Ohne eine gescheite Theorie keine gescheite Praxis und umgekehrt ist jede Theorie für die Lösung von Problemen ziemlich nutzlos, wenn sie nicht in die Praxis umgesetzt wird. Mal ein alltägliches Beispiel: Wenn man nicht weiß, wie man sich ein Abendessen macht, kommt beim Kochen höchstwahrscheinlich nichts leckeres raus. Andersherum, wenn man's weiß, muss man immer noch seine Theorie in die Praxis umsetzen, also anfangen zu kochen, damit der eigene Hunger gestillt wird.

Also ist es doch blöd die eine Sache gegen die andere zu halten und "Praxis statt Theorie" oder umgekehrt "Theorie statt Praxis" zu rufen! Du tust es aber. Ich kann auch so fragen: Wann ist ein Tun deiner Meinung nach eigentlich schon Praxis und wann nicht? Warum ist kritische Bemerkungen in ein Internetforum zu posten keine Praxis, aber wenn man das Selbe vor den Toren von H&K sagt, schon wieder Praxis? Weil beim zweiten mehr Kalorien verbraucht werden als beim ersten, oder wie stellst du dir das vor? Oder warum ist Leute von der "sozialistischen Weltrevolution" zu überzeugen keine Praxis, aber Leute gegen Waffengeschäfte von H&K zu agitieren schon? Gehst du da nicht ziemlich willkürlich bei der Auswahl vor?

Ich habe den Eindruck, dass du, wenn man DEINE Praxis kritisiert und dagegen Bedenken anmeldet (und das habe ich zumindestmal versucht zu machen), einfach die Kritik damit abschmettern willst, dass du dem Kritiker vorwirfst, er mache keine Praxis. Jede Praxis, die sich von DEINER unterscheidet und sie kritisiert, denunziertst du als Nicht-Praxis, um sie aus dem Feld der anständigen linken Politik rauszukicken, damit man sich gar nicht mehr mit ihr auseinanderzusetzen braucht. An sich ist das Verfahren ziemlich albern. Stell dir vor, du weist jemanden darauf hin, dass man eine Tür, auf der "Ziehen" drauf steht, nicht durch Drücken aufbekommt, und er schreit dich empört an, dass er doch wenigstens "Praxis" mache und man ihn dabei gefälligst nicht mit "Kritik" belästigen sollte! Fändest du das nicht etwas dämlich? Du selbst machst aber gerade genau das gleiche.

Nochmal: Praxis ist kein Wert an sich, sondern es kommt schon sehr drauf an, WELCHE Praxis man macht. Ich habe mich doch kein einziges Mal gegen DIE Praxis ausgesprochen, sondern gegen eine ganz bestimmte. Mach ruhig Praxis und nenn sie von mir aus "anarchistisch" oder sonst wie (als ob's darauf ankäme!) - und gegen Zwischenschritte hat bisher auch keiner was gehabt. Aber sei doch bitte nicht so ignorant, setz dich mal mit Kritik an deiner Praxis inhaltlich auseinander und watsche sie nicht mit so billigen Kalendersprüchen wie "Mehr Praxis statt Theorie" ab.

Wenn du meinst, diese Protestveranstaltung vor dem H&K-Gelände war ein Zwischenschritt dazu, Mord und Totschlag auf der Welt abzuschaffen - ok. Darüber kann man doch diskutieren. Ich habe da jedenfalls meine Zweifel. Das Gegenargument ist auch schon gefallen. Nur willst du partout nicht darauf eingehen. Nicht die Waffen sind der Grund dafür, dass Menschen umgebracht werden, sondern umgekehrt: Der Grund dafür, dass man Waffen produziert, ist ein Interesse am Leute-Abknallen. So lange es solche Interessen gibt, ist es ziemlich sinnlos, gegen Waffenherstellung zu protestieren. Leute umzubringen kriegt man nämlich auch ohne H&K-Gewehre hin. Stattdessen könnte man sich mal erkundigen, wieso Menschen andere Menschen umbringen wollen. Konkret am Beispiel der Türkei wäre also die Frage angebracht, wieso der türkische Staat so eine Feindschaft gegen die Kurden hat.

Die türkische Regierung hat ihren Untertanen gegenüber einen völkischen Anspruch. Die sollen nicht einfach nur im türkischen Staatsgebiet leben, alle Gesetze, die ihnen die Regierung vorsetzt, befolgen und sich sonst als anständige Staatsbürger aufführen. Die sollen vielmehr echte Vollblut-Türken sein, mit türkischer Sprache, türkischer Kultur und dem ganzen PiPaPo. Da gibt's gegen die kurdischen Untertanen erstmal einen grundsätzlichen Vorbehalt, dass sie keine echten Türken sind, weil sie eine andere Sprache und andere kulturelle Gebräuche haben. Deswegen wurden "bekennende" Kurden staatlicherseits verfolgt und diskriminiert, ihre Sprache nicht als offizielle Sprache anerkannt und verboten und ähnliches. Und die Kurden (zumindestmal viele von denen) haben dann nicht gesagt: "Na gut, dann assimilieren wir uns halt", sondern "Wir sind ein eigenes Volk und lassen uns von den Türken nichts sagen." Jetzt stehen sich in der Türkei zwei Gruppen von Menschen gegenüber, die sich als ausschließende Gemeinschaften verstehen und sich auf Kosten der jeweils anderen Land, Leute und andere Quellen des Reichtums aneignen wollen. Klar kommts da zum Krach. Man kann sich ja mal fragen, was die Kurden davon haben, Kurden zu sein, und die Türken davon, Türken zu bleiben. Na offensichtlich nichts außer einer Feindschaftserklärung an die gesamte restliche Welt mit allen häßlichen und brutal Auswirkungen, die das nach sich zieht. Dazu muss, um die Konkurrenz gegen andere Nationen bestehen zu können, ein Gewaltapparat aufrecht erhalten werden, der nach außen die anderen Nationen fertig macht und nach innen die Volksgenossen dazu zwingt, ihren Beitrag für die nationale Sache zu entrichten. Dieser Beitrag besteht darin, sich entweder für die Vermehrung des nationalen Reichtums ausbeuten zu lassen oder gleich für die eigene Nation aufs Schlachtfeld zu ziehen. Vielleicht könnte man den Kurden und den Türken mal verklickern, dass sie sich da eine riesige Scheiße aufgehalst haben, die ihnen selbst nichts nützt, sondern nur schadet. Vielleicht wäre das ein guter "Zwischenschritt", um was gegen die Leichenproduktion dort zu tun.

Zu deinem Rest, von wegen kapitalistische Akteure zu entschuldigen, schreib ich vielleicht noch was. Bin jetzt zu geschafft :)

unmoderated

Fortsetzung:

Was meiner Meinung nach ein guter "Zwischenschritt" wäre, habe ich ja schon geschrieben. Die Leute, die diese Aktion gemacht haben, sehen das, wenn man dem Text glauben tut, etwas anders. Sich mit den Konflikten, für die die ganzen Waffen gebraucht werden, richtig befassen und sie aus der Welt schaffen tun sie nicht. Stattdessen wollen sie H&K unbedingt als Bösewicht darstellen. Und wie stellt man jemanden als Bösewicht dar? - Indem man ihm Abweichungen von den gültigen moralischen Maßstäben nachweist. Das merkt man auch an dem Text oben. Böse sind H&K, weil sie Waffen sogar an Gemeinschaften verkaufen, die in der deutsch-demokratischen Öffentlichkeit offiziell als Schurkenstaaten anerkannt sind: Iran, Pakistan, Saudi-Arabien, Uganda u.ä. Mit dieser Betonung wird stillschweigend unterstellt, dass wenn die Waffen an tolle demokratische Regimes gehen und die dann damit Leute abknallen (lassen), es irgendwie weniger schlimm wäre. Ja, für wen denn eigentlich?

Und dann der Satz: "Allerdings sollte das eigentlich vollkommen egal sein, entscheidend ist ja, dass massenhaft Zivilisten, also Unschuldige, durch H&K-Waffen getötet werden." Man stelle sich nur vor: U-u-u-u-u-u-u-nschuldige (womöglich sogar Witwen und Waisen) werden von den Waffen getötet! Da hat sich der Verfasser offensichtlich schon auf den Richterstuhl der Menschlichkeit aufgeschwungen und weiß sehr genau, wer unschuldig und wer schuldig, also verdientermaßen verreckt ist. Zivilisten = unschuldig und Leute, die selber Waffen in den Händen halten, sind selbst dran schuld, dass sie umgebracht werden. Bei solchen zynischen Ekligkeiten landet man, wenn es einem nicht darum geht, sich die Gewalt zu erklären und aus der Welt zu schaffen, sondern darum, H&K als eine - der herrschenden moralischen Maßstäben nach - böse Institution darzustellen. Dann muss man sich auch an diese moralischen Maßstäbe anbiedern und die bürgerliche Sortierung in unschuldig und verreckungswürdig mitmachen. Und das soll ein Zwischenschritt in die richtige Richtung sein?

Es geht dir auf den Geist, dass kapitalistische Akteure entschuldigt werden? Vielleicht solltest du dich fragen, warum du sie denn unbedingt beschuldigen willst. Wem soll das was bringen?

Bei einer antikapitalistischen Kritik sollte es m.M.n. darum gehen, den Leuten, die, obwohl sie die Opfer der kapitalistischen Wirtschaftsweise sind, sie dennoch mehr oder weniger gut finden und dabei mitmachen, zu erklären, warum sie genau das lieber sein lassen sollten. Dass und warum im Kapitalismus ihre Interesse ständig und notwendigerweise zu kurz kommen, weil nicht für ihre Bedürfnisse, sondern für die Verwertung des Kapitals produziert wird. Dass sie sich so einen Scheiß nicht gefallen lassen sollen und brauchen. Dass sie, weil sie ja sowieso schon die ganzen Sachen produzieren, es genauso gut nach einem vernünftigen Plan machen könnten, der die Fähigkeiten und die Bedürfnisse aller berücksichtigt.

Welcher Beitrag ist es dazu oder was ändert es an der "Konkurrenzlogik", wenn man Menschen darauf hinweist, dass Nike z.B. Schuhe mit Kinderarbeit produziert mit dem Impetus, die sollen's gefälligst lassen? Na dann lassen sie es vielleicht, produzieren Schuhe mit Erwachsenenarbeit, die Kinder sitzen auf der Straße, eine Gegenmacht gegen Kinderarbeit wurde aufgebaut - und jetzt? Inwiefern ist das ein Schritt zu einer vernünftigen Gesellschaft?

Es ist gar nicht die Frage, ob man nun die kapitalistischen Akteure oder "das System" kritisiert. Die Frage ist, mit welchen Argumenten man das tut. Vermittelt man den Leuten, dass Kinderarbeit im Gegensatz zur Erwachsenenarbeit schlimm ist und sich für eine soziale Marktwirtschaft nicht gehört? Oder vermittelt man ihnen, dass Nike ein Beispiel dafür ist, wie Besitzer von Produktionsmitteln mit Leuten umspringen können, die auf einen Gelderwerb angewiesen sind, um ihr Leben bestreiten zu können, und außer ihrer eigenen Arbeitskraft auf dem Markt nichts anzubieten haben? Der INHALT der Kritik ist das wichtige an ihr und nicht dein abstraktes Auf-wen-sie-sich-richtet.

unmoderated

ZITAT: Warum ist kritische Bemerkungen in ein Internetforum zu posten keine Praxis, aber wenn man das Selbe vor den Toren von H&K sagt, schon wieder Praxis?

Was vor allem erst einmal aufgeregt hat, ist die Bezeichnung der Demonstrierenden bzw. ihrer Aktion als „schäbig“, auch wenn Du behauptest „schäbig“ in ganz anderem Sinn verwendet zu haben. Die Mehrheit kennt es nicht in Deiner, sondern nur in der eindeutig beleidigenden Bedeutung.
Die Aktion in Oberdorf hatte durchaus Sinn, weil es in Anbetracht der anwesenden Medien mal mehr war als eine parolisierende Demo und auf den ungeheuren Umfang der mit H&K-Waffen Ermordeten aufmerksam macht.

Die NRA hat natürlich nicht Recht, es hat schon seine Gründe warum in den USA, wo Schusswaffen so leicht verfügbar sind, es sehr viel mehr Tote durch Schusswaffen gibt als beispielsweise in Westeuropa (Ausnahme evtl. Schweiz). Klar zerhackt hier auch mal eine Ehefrau den untreuen Mann mit einem Beil, aber die Morde durch andere Waffen kompensieren das nicht. Auch in Afrika ist das nicht anders. Hier werden zwar mehr Menschen auch mit Macheten ermordet als in Westeuropa, Schusswaffen spielen aber auch hier eine wichtige Rolle. Selbst bei dem Blutbad 1994 in Ruanda wurde das Massenpogrom damit begonnen, dass die PräsidentenmaschineabgesSCHOSSEN und zehn belgische UN-Soldaten erSCHOSSEN wurden. Übrigens nicht jeder mit einer Schusswaffe getötete Mensch wurde auch erschossen, mit Schusswaffen kann mensch auch Leute in den Selbstmord treiben, vertreiben, dass sie verhungern etc.

ZITAT: Ich habe den Eindruck, dass du, wenn man DEINE Praxis kritisiert und dagegen Bedenken anmeldet (und das habe ich zumindestmal versucht zu machen), einfach die Kritik damit abschmettern willst, dass du dem Kritiker vorwirfst, er mache keine Praxis.

Meine Mama sagt immer, der Ton macht die Musik. Die Kritik wurde dadurch hervorgerufen, dass Du die Leute beleidigt hast und von Ihnen dann besserwisserisch Krawalle eingefordert hast.
Hättest Du freundlicher kritisiert („Ich glaube nicht …“) oder gar verständnisvoll nachgefragt („Macht das eigentlich Sinn, wenn … ?“), dann hätte ich ganz anders oder gar nicht darauf reagiert.

ZITAT: Jede Praxis, die sich von DEINER unterscheidet und sie kritisiert, denunziertst du als Nicht-Praxis, um sie aus dem Feld der anständigen linken Politik rauszukicken, damit man sich gar nicht mehr mit ihr auseinanderzusetzen braucht.

Woher weißt Du das? Vielleicht bin ich auch eher für Krawalle? Vielleicht habe ich auch meine Probleme mit der Friedensanalyse? Auf jeden Fall habe ich aber Probleme mit diffamierenden Online-Besserwissern.

ZITAT: Aber sei doch bitte nicht so ignorant, setz dich mal mit Kritik an deiner Praxis inhaltlich auseinander und watsche sie nicht mit so billigen Kalendersprüchen wie "Mehr Praxis statt Theorie" ab.

Hab ich gar nicht gesagt.

ZITAT: Nur willst du partout nicht darauf eingehen. Nicht die Waffen sind der Grund dafür, dass Menschen umgebracht werden, sondern umgekehrt: Der Grund dafür, dass man Waffen produziert, ist ein Interesse am Leute-Abknallen.

Wenn mensch mal nicht am Tag darauf etwas postet, dann will mensch also schon „partout nicht darauf eingehen“? Sehr einfach. Dass Menschen nicht einfach so Menschen umbringen weiß jeder. Aber Danke, dass Du es nochmal gesagt hast. Ach übrigens: Wasser ist nass.
Eine Analyse der Hintergründe von Konflikten schließt doch nicht aus, dass mensch versucht die Proliferation (Versorgung mit Waffen) zu unterbinden. Genauso wie es sinnvoll ist, die Verbreitung von Nuklearwaffen zu unterbinden. Wenn die ganzen Diktatoren keine haben, können sie die nicht einsetzen. Wenn die BRD nicht das alte NVA-Waffen-Arsenal an die Türke etc. verkauft hätte, hätte es vielleicht ein paar weniger Tote gegeben. Hätte die BRD die Auslieferung ihrer Firmen an Saddam Hussein besser kontrolliert, hätte Saddam Hussein evtl. nicht 9.000 Kurden mit Giftgas in Halabdja getötet.
Dass die Konflikte damit nicht gelöst werden ist ja wohl jedem klar. Aber wenn es an Waffen und Munition fehlt, wird der Wille zum Verhandeln wieder größer und es gibt weniger Tote. Dass auch noch auf anderen Schienen gearbeitet werden muss, ist glaub ich jedem und jeder klar.
Aber ich kann ja auch sagen, die bringen sich ja eh um, und sonst liefert wer anders die Waffen, lasst uns den Konflikt politisch lösen. Dann gibt es einige Blutbäder später evtl. tatsächlich Frieden. Wäre es nicht sehr viel sinnvoll den Konflikt politisch zu lösen und gleichzeitig auch die Waffenlieferungen zu verhindern?

ZITAT: Vielleicht könnte man den Kurden und den Türken mal verklickern, dass sie sich da eine riesige Scheiße aufgehalst haben, die ihnen selbst nichts nützt, sondern nur schadet. Vielleicht wäre das ein guter "Zwischenschritt", um was gegen die Leichenproduktion dort zu tun.

Toll. Prima. Klasse. Ich sponsere den Fallschirm, wenn Du über den kurdischen Bergen abspringst, um Ihnen das zu sagen. Du hast es raus. Für wie blöd hältst Du eigentlich die Leute? Grundsätzlich hast Du sogar Recht, aber so einfach ist das nun einmal nicht.

ZITAT: Die Leute, die diese Aktion gemacht haben, sehen das, wenn man dem Text glauben tut, etwas anders. Sich mit den Konflikten, für die die ganzen Waffen gebraucht werden, richtig befassen und sie aus der Welt schaffen tun sie nicht.

Welche Arroganz und Anmaßung. Aus wenigen Zeilen einer Veranstaltung von über 100 verschiedenen Leuten kannst Du so etwas herauslesen? Wow! Ich war dort und würde so etwas nie behaupten.

ZITAT: Böse sind H&K, weil sie Waffen sogar an Gemeinschaften verkaufen, die in der deutsch-demokratischen Öffentlichkeit offiziell als Schurkenstaaten anerkannt sind: Iran, Pakistan, Saudi-Arabien, Uganda u.ä. Mit dieser Betonung wird stillschweigend unterstellt, dass wenn die Waffen an tolle demokratische Regimes gehen und die dann damit Leute abknallen (lassen), es irgendwie weniger schlimm wäre.

Der letzte Satz des Berichts (ZITAT: Allerdings sollte das eigentlich vollkommen egal sein, entscheidend ist ja, dass massenhaft Zivilisten, also Unschuldige, durch H&K-Waffen getötet werden.) ist ein Widerspruch zu Deiner Behauptung, es ginge nur um autokratische Regimes. Die Regimes wurden nur deswegen erwähnt, weil sie zeigen bei welchen blutigen Konflikten H&K-Waffen verwendet worden. Im Übrigen war die Türkei in den 1990ern bereits eine parlamentarische Demokratie.

ZITAT: Man stelle sich nur vor: U-u-u-u-u-u-u-nschuldige (womöglich sogar Witwen und Waisen) werden von den Waffen getötet! Da hat sich der Verfasser offensichtlich schon auf den Richterstuhl der Menschlichkeit aufgeschwungen und weiß sehr genau, wer unschuldig und wer schuldig, also verdientermaßen verreckt ist. Zivilisten = unschuldig und Leute, die selber Waffen in den Händen halten, sind selbst dran schuld, dass sie umgebracht werden.

Das Wort „Unschuldige“ durch in die Länge ziehen, lächerlich zu machen, ist schon recht plump. Wenn Unbewaffnete von Bewaffneten erschossen werden, halte ich tatsächlich die ersteren für Opfer und die letzteren für Täter.

ZITAT: Der INHALT der Kritik ist das wichtige an ihr und nicht dein abstraktes Auf-wen-sie-sich-richtet.

Aha, als ob eine konkrete Kritik an einem konkreten Umstand, dass irgendwie ausschließen würde.

unmoderated

At first glance, there's a good case for saying that the liberal left is Jew-obsessed. Israel receives more criticism than far worse societies, most notably Sudan, Syria and pre-war Iraq. You can call the double standard anti-Semitism if you want, but I'm not sure it gets you anywhere. It is simply the ineluctable workings of what is known in the human rights trade as "selection bias". Israel is a democracy with an independent judiciary and free press. Inevitably, it is easier in an open country to report abuses of power than cover, say, the deaths of millions and enslavement of whole black tribes in Islamist Sudan.

Mugged by Leftist Anti-Semitism
by nick Cohen Monday, Apr. 06, 2009 at 12:05 PM
http://cleveland.indymedia.org/news/2009/04/36438.php

Auch interessant:
http://eisberg.blogsport.de/2009/03/30/nicht-immer-nur-israel/

unmoderated

"Auf jeden Fall habe ich aber Probleme mit diffamierenden Online-Besserwissern. ... Hättest Du freundlicher kritisiert („Ich glaube nicht …“) oder gar verständnisvoll nachgefragt („Macht das eigentlich Sinn, wenn … ?“), dann hätte ich ganz anders oder gar nicht darauf reagiert."

Hmmm, wenn ich also nicht einfach gesagt hätte, dass ich die Aktion scheiße i.e. "schäbig" finde, sondern stattdessen gleich schwanzwedelnd angekommen wäre und die Aktion und die Leute verständnisvoll gelobt hätte, bevor ich sie kritisiere (was für ein Unsinn!) - dann hättest du nichts gegen meinen inhaltlichen Einwand gehabt und dich nicht dazu geäußert? Darf ich daraus schließen, dass es dir weniger darum geht, mit mir (auf)zu klären, was man ab besten gegen Waffengewalt tut, sondern darum, die Entrechteten und Beleidigten vor mir in Schutz zu nehmen? Das würde zumindest erklären, warum du mir so penetrant böse Absichten unterstellst. Ich sei ein "Besserwisser", also jemand, dem es gar nicht um die Sache selbst geht und der jede Diskussion nur dazu benutzt, sich selbst mit seinem Wissen darzustellen, und ein Hyperpseudokritiker, der alles aus irgendeinem unverständlichen Grund kritisieren und zerreden möchte (um der Menschheit Freude an ihren Aktionen zu verderben?). Wie kommst du nur auf den ganzen Trumm? Und warum ist Politik eine Frage der Ehre für dich? Ich würde sagen, wer eine Kritik an einer Aktion gar nicht als solche versteht, sondern gleich sein teures Ehrgefühl dabei verletzt sieht und beleidigt wird - der hat ein bisschen verpasst, worum es bei der Kritik ging. Schließlich habe ich nirgends geschrieben, dass die Leute, die dabei mitgemacht haben, Arschlöcher, unbelehrbare Dummköpfe oder irgendwie anders asozial wären. Das "schäbig" bezog sich eindeutig auf die Aktion an sich und so steht es auch da. Dass du daraus eine Beleidigung rausliest, sagt weniger über meine Intention aus, als über das, was du dir scheinbar von Kommentaren zu der Aktion erwartest: die Bestätigung deines Urteils, dass die Friedensbewegung und du ganz anständige, vorbildliche und respektable linke Leute seien.

Naja, die wirst du von mir nicht bekommen. Das Selbstwertgefühl der Friedensbewegung interessiert mich nicht und auf Lobhudelei bin ich auch nicht aus. Ich will lieber Gewalt aus der Welt schaffen. Wenn es dir also wirklich NUR darum geht, können wir die Diskussion hier beenden. Sonst wird sie eh nur so unbefriedigend enden wie hier:) http://www.youtube.com/watch?v=sa0rpCgVLs4&hl=de

"Hab ich gar nicht gesagt."

Umm, hast du doch :) Ich zitiere dich hier (http://www.jpberlin.de/tueinfo/cms/node/18632#comment-563): "Ich finde es wird echt Zeit für anarchistische (bzw. anarchokommunistische) Praxis statt kommunistischer Kritik!" (Hervorhebung von mir)

"Toll. Prima. Klasse. Ich sponsere den Fallschirm, wenn Du über den kurdischen Bergen abspringst, um Ihnen das zu sagen. Du hast es raus. Für wie blöd hältst Du eigentlich die Leute? Grundsätzlich hast Du sogar Recht, aber so einfach ist das nun einmal nicht."

Ja gell, wie weltfremd und unrealistisch muss man drauf sein, um Leute tatsächlich aufklären zu wollen, damit sie sich nicht mehr gegenseitig abschlachten?! Aber hey - da fällt mir ein: diese Aktion der Friedensbewegung will doch tatsächlich mit hundert Leutchen einen Konzern, der von der Bundesregierung - also dem Gewaltmonopolisten dieser Gesellschaft - geduldet und unterstützt wird, am Verkauf seiner Waffen hindern. Eher kriecht ein Kamel durchs Nadelohr oder so, könnte ich sagen. Ich sollte ihr wohl auch irgendwas sponsern, um sie lächerlich zu machen. Aber was? ... Na, merkst du was?
Und ja, ich halte die Türken und die Kurden und auch alle anderen Nationalisten für blöd. Aber in meinen Augen sind sie immer noch nicht so blöd wie in deinen offensichtlich, denn ich meine schon, dass sie den Fehler, den sie machen, einsehen und sein lassen könnten.

"Welche Arroganz und Anmaßung. Aus wenigen Zeilen einer Veranstaltung von über 100 verschiedenen Leuten kannst Du so etwas herauslesen? Wow! Ich war dort und würde so etwas nie behaupten."

Oh menschliche Hybris! Zu welch anmaßenden Höhen ist ein niederer Menschenwurm fähig sich mit seinem Verstande aufzuschwingen! Manchmal sogar dazu, unverschämterweise aus einem Text, der eine Aktion beschreibt, genau das rauszulesen, was da drin steht. Es mag ja sein, dass der Text die Lage nicht richtig wiedergibt, aber dann kannst du ihn ja korrigieren, wenn du schon dabei warst und es miterlebt hast. Ich habe geschrieben, dass bei der Aktion sich nicht darum gekümmert wurde, die Ursachen der Gewalt abzuschaffen. So steht es auch im Text und bis ich irgendeine Richtigstellung gehört habe, bleibe ich auch dabei.

"Die Regimes wurden nur deswegen erwähnt, weil sie zeigen bei welchen blutigen Konflikten H&K-Waffen verwendet worden."

Welchen blutigen Konflikt gab es denn in Saudi-Arabien?

"Wenn Unbewaffnete von Bewaffneten erschossen werden, halte ich tatsächlich die ersteren für Opfer und die letzteren für Täter."

Du redest aber an der Sache vorbei. Es ging nicht um die Unterscheidung Opfer/Täter, sondern der Verfasser des Textes hat zwischen zivilen Opfern, also unschuldig, und militanten Opfern, also wohl schuldig "im Sinne der Anklage", unterschieden. Vom Standpunkt der Menschenfreundlichkeit, wen man Gewalt aus der Welt schaffen will, ist es, würde ich sagen, egal, ob die Opfer Soldaten oder Zivilisten sind. Vom Standpunkt der moralischen Rechtsprechung aber offensichtlich nicht. Da wird säuberlich in unschuldig und selber-schuld unterschieden. Als ob's den Opfern irgendwie wichtig wäre, in welche Kategorie sie jetzt gesteckt werden.

"Aha, als ob eine konkrete Kritik an einem konkreten Umstand, dass irgendwie ausschließen würde."

Nein, tut sie nicht - aber genau das steht auch in meinem Satz, den du zitiert hast.

"Die NRA hat natürlich nicht Recht, es hat schon seine Gründe warum in den USA, wo Schusswaffen so leicht verfügbar sind, es sehr viel mehr Tote durch Schusswaffen gibt als beispielsweise in Westeuropa (Ausnahme evtl. Schweiz)."

Die NRA behauptet aber nicht, dass es nicht leichter wäre, Leute mit einem Maschinengewehr zu töten als mit einem Ast. Der Spruch, den du zitiert hast, sagt, dass Waffen alleine keinen töten, sondern es dazu immer noch Menschen mit einem entsprechenden Anliegen bedarf. Und wenn du und sowieso "jeder" das auch schon weiß, wieso streitest du das dann ab?
In Deutschland werden nicht deswegen weniger Morde mit Schusswaffen begangen, weil H&K im Gegensatz zu amerikanischen Firmen weniger Waffen produzieren würde. Sondern weil die deutsche Staatsgewalt ziemlich rigoros dafür sorgt, dass keiner unerlaubterweise(!) eine Knarre anfasst. Wenn das deine politische Perspektive ist, dann darf sich die deutsche Polizei wohl auch zur Friedensbewegung zählen.

"Wäre es nicht sehr viel sinnvoll den Konflikt politisch zu lösen und gleichzeitig auch die Waffenlieferungen zu verhindern?"

Du bist doch das beste Beispiel dafür, wie die Friedensbewegung Konflikte politisch löst. Als ich die Gründe für die Gewalt zwischen Kurden und Türken aufgeschrieben habe und vorgeschlagen habe, sie davon zu überzeugen, dass Nationalismus nix Gutes ist, hast du dich über mich lustig gemacht und so getan, als würde das eh nie klappen. Also tue doch nicht so versönlich.

unmoderated

Für Dich sind also die Leute, die ihren Samstag für eine
Demonstration gegen eine Waffenschmiede opfern …
… abgenutzt, schäbig
… heruntergekommen, mies (ugs.), minderwertig,
… dreckig, schmierig, schmuddelig, schmutzig, unhygienisch, unrein, unsauber
(© OpenThesaurus.de; http://www.dict.cc/deutsch/sch%C3%A4big.html)

Ich würde mal sagen hier gibt’s nur eines, dass schäbig ist und das ist Dein oben stehende Kommentar!!! Oder Du hast nicht gewußt was "schäbig" bedeutet, dann soltest Du aber auch die Finger von so einem Wort lassen.

unmoderated

Ich soll die Finger von dem Wort lassen? Wörter kann man doch gar nicht mit Fingern anfassen! HAHA! Das hast du wohl nicht gewußt. Dein Sprachverständnis ist wirklich unhygienisch.

Na, zufrieden jetzt? Habe ich nun die Auszeichnung für böswilliges Auslegen von Metaphern gewonnen? Nein, ich denke, die darfst du behalten. Es ist ja auch wirklich eine hohe Kunst gewesen, aus meinem Beitrag Bedeutungen wie "minderwertig" und "schmuddelig" rauszulesen. Cheers!

unmoderated

Wie waren die Moderationskriterien? Keine linken Gruppen diffamieren?
Wäre vielleicht hier angebracht. Vielleicht sind solche Kriterien aber auch gefährlich, schließlich ist doch Kritik sinnvoll (auch wenn sie ohne diffamierende- & Schimpfworte sinnvoller sind!).

Warum gab es eigentlich dieses Kriterium? Damit die Antideutschen nicht mehr so "diffamiert" werden? Oder etwa die Antizionist_innen?

Die/der das entscheiden darf hat also die Macht darüber, zu entscheiden wer/was links&emanzipatorisch ist, ja?

unmoderated

Nein, die Moderatoren haben in letzter Instanz die Macht darüber, zu entscheiden, was als Diffamierung gilt. Der Sinn davon ist, dass Kritik - egal an wem - sachlich und mit Argumenten geführt wird. Aber das heißt nicht, das hier Sachen willkürlich gelöscht werden, weil

1. kann jeder mitdiskutieren, ob etwas eine Diffamierung ist oder nicht, d.h. gelöscht werden sollte oder nicht

und

2. ist die Bedeutung des Wortes "Diffamierung" auch nicht so schwammig, wie man denkt. Wikipedia sagt: "Als Diffamierung (v. lat.: diffamare = Gerüchte verbreiten) bezeichnet man heute ganz allgemein die gezielte Verleumdung Dritter (Verleumdung = "dass jemand über eine Person ehrverletzende Behauptungen aufstellt, obwohl er weiß, dass sie unwahr sind"). Dies kann etwa durch die Anwendung von Schimpfwörtern oder durch diverse Unterstellungen geschehen.

Vor allem im Bereich der Politik bezieht sich die Diffamierung auf die Ehrkränkung, Hetze sowie die Gerüchteverbreitung gegen partei- oder staatspolitische Gegner (siehe Freeping). Die dabei angewendeten Methoden können sowohl physischer als auch psychischer Natur sein und haben stets zum Zweck den Betroffenen gesellschaftspolitisch auszuschalten, mundtot zu machen oder zu ruinieren. Eine moderne Form der Diffamierung ist auch das sogenannte Mobbing."

Diffamierung ist also eine Art und Weise, eine politische Position um die Ecke zu bringen, indem man ihr oder ihren Verfechtern finstere Motive, Fehler oder Minderwertigkeiten unterstellt, ohne das begründen zu können.