Nevada-Shop auf dem Weg der Besserung?

Bei einer Überprüfung des aktuellen Angebotes des Reutlinger Shops „Nevada“ fanden sich nur noch Einzelstücke der bei Nazis so beliebten Kleidungsmarken „Thor Steinar“ und „Erik and Sons“.
Es ist unklar, ob diese Marken ausverkauft werden und dann nachbestellt werden oder nicht. Offiziell hat der Nevada-Betreiber vor einiger Zeit gegenüber der Presse nach Protesten vermeldet, dass er keine Produkte von „Thor Steinar“ mehr bestellen wolle. Was aber nichts daran änderte, dass sich im „Nevada“ Jungnazis mit dem Restbestand eindecken konnten. Danach tauchte die „Thor Steinar“-Konkurrenzmarke „Erik & Sons“ im „Nevada“ auf. Dass ließ natürlich am Willen zur Besserung stark zweifeln, da „Erik und Sons“ ebenso eine braune Marke ist wie „Thor Steinar“.
Auch einzelne Aufnäher im Nevada (siehe BILD, 2008) zeugten nicht unbedingt von der Überzeugung auf das Geschäft mit den Rechten verzichten zu wollen.
Dass sich das Angebot nun erst einmal gebessert hat, lässt doch noch hoffen. Regelmäßige Überprüfungen sind aber trotzdem weiter vonnöten.

*** Alles Vergangenheit? ***
Hier ein kleiner Rückblick auf die Geschäftspolitik des „Nevada“:
Lange Zeit fanden sich neben „Thor Steinar“ ebenfalls im Angebot die rechten Marken „H8tewear“, „Pro-Violence“, „Sportfrei“ und „Troublemaker“. Diese neueren Marken kommen aus dem Umfeld von organisierten norddeutschen Rechtsextremisten, die auf den Erfolg von „Thor Steinar“ aufspringen wollen.
Die Marken „Sportfrei“ und „Pro-Violence“ richten sich speziell an Hooligans und hier besonders an deren rechten Flügel. Die Erfinder von Pro-Violence kommen selbst auch aus der (Magdeburger) Hooliganszene [1] und sponsern laut der Broschüre „Das Versteckspiel“ mit ihren Kleidungsstücken oftmals Ordnerdienste von Neonazi-Aufmärschen und –Konzerten [2]. In der „Pro-Violence“-Kollektion existiert auch das Motiv „88“. Die Zahl 88 steht für zweimal den achten Buchstaben im Alphabet und das ist in der Neonazi-Szene das Kürzel für „Heil Hitler“.
An einen ähnlichen Kundenstamm wendet sich die Marke „Sport Frei“. Diese Marke wurde 2000 von dem bekannten Bremer Neonazi Henrik Ostendorf angemeldet [3]. Ostendorf war Mitglied der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ und später auch der heute verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) sowie bei der „Nationalistischen Front“ (NF) [4]. Heute hilft Ostendorf bei der Organisation der Rechtsrock-Konzerte und schreibt für die NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ [5]. Auch seine brachialeren Qualitäten stellt Ostendorf der NPD zur Verfügung. Im Dezember 2005 lieferte sich seine NPD-Ordner-Truppe mit Gegendemonstranten eine Straßenschlacht [6].
„H8tewear“, was für Hate-Wear also Hass-Kleidung steht, hingegen wendet sich an die Anhänger von Hardcoremusik bzw. an deren rechten Flügel. Diese Marken sind natürlich auch in rechtsextremen Versänden und Läden erhältlich. Bei der Herkunft dieser Marke ist das kaum verwunderlich. Der Anmelder dieser Marke ist der Hamburger Neonazi Lars Georgie. Dem TTV-Versand, den er seit 1996 betreibt, wird ihm auch das Rechtsrocklabel „Wotan Records“ zugerechnet [7], dass aber inzwischen vom rechtsextremen V7-Records/Versand geschluckt wurde.

Ebenfalls im Nevada käuflich war die Marke „Troublemaker“ („Krawallmacher“) Germany, die sich hauptsächlich an Hooligans und Skinheads richtet. Eingetragen ist die Marke auch auf Florian Korn aus Nürnberg, der der Hooligangruppe „Red Devils“ zugerechnet wird [8].
Ein Motiv aus der Serie dieser Modemarke stellt ein aus Drachenköpfen konstruiertes dreiarmiges Hakenkreuz (Triskele), ein auch bei Rechten beliebtes Symbol, dar [9].
Auf Werbebildern von Troublemaker treten zudem auch Nürnberger Neonazis auf [10].

Der Reutlinger Nevada-Laden pflegte bis zum Mai 2004 geschäftliche Verbindungen zu einem gleichnamigen Laden im Niederrohrdorf in der Schweiz [11]. Auch dort kann man ein großes Sortiment von „Thor Steinar“-Kleidung kaufen. Inhaber des Ladens ist Rafael Hernandez. Rafael Hernandez betreibt heute als Geschäftsführer im schweizerischen Dietikon den Laden „London 66“, der diverse rechte Marken, darunter natürlich auch „Thor Steinar“ vertreibt [12]. Er warb 2005 gemeinsam mit der „Helvetischen Jugend“, einer rechtsextremen Kameradschaft aus dem Mittelland, für ein Unihockeyfest des Clubs Unihockey Langenthal-Aarwangen [13]. Rafael Hernandez selbst ist seit längerem bei den Schweizer Hammerskins (SHS) wie bei der rechtspopulistischen und ausländerfeindlichen Kleinstpartei „Schweizer Demokraten“ aktiv [14] und stand allem Anschein nach in Kontakt mit dem rechtsextremen Geschichtsrevisionisten Bernhard Schaub [15]. Hernandez ist zugleich auch Inhaber der Internet-Domain „thorsteinar.ch“ [16].

*** Nachweise (Stand: Mai 2007) ***
[1] http://www.red-skins.de/antinl/index.php?option=com_content&task=view&id...
[2] http://www.dasversteckspiel.de/dresscodes5.html
[3] http://www.red-skins.de/antinl/index.php?option=com_content&task=view&id...
[4] http://www.red-skins.de/antinl/index.php?option=com_content&task=view&id...
[5] http://www.red-skins.de/antinl/index.php?option=com_content&task=view&id...
[6] http://www.red-skins.de/antinl/index.php?option=com_content&task=view&id...
[7] http://www.red-skins.de/antinl/index.php?option=com_content&task=view&id...
[8] Christian Dornbusch, Jan Raabe: RechtsRock, Münster 2002, Seite 427
[9] Christian Dornbusch, Jan Raabe: RechtsRock, Münster 2002, Seite 427
[10] Christian Dornbusch, Jan Raabe: RechtsRock, Münster 2002, Seite 427
[11] „erste erfolge“, http://inforiot.de/red/t_tsladenzu.php
[12] zum: „Alles andere als ein harmloser Kleiderladen“, in: Tages-Anzeiger vom 26.01.2006; http://www.antifa.ch/Texte/060126ta.shtml
[13] http://www.antifa.ch/comm/comm060125.shtml
[14] http://www.antifa.ch/comm/comm060125.shtml
[15] „erste erfolge“, http://inforiot.de/red/t_tsladenzu.php
[16] „erste erfolge“, http://inforiot.de/red/t_tsladenzu.php

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