Militaristisches Ganztags-Event an der Uni

„Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie Dir morgen befehlen, du sollst einen neuen Tod erfinden gegen das alte Leben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!“
(Wolfgang Borchert, 1947)

Am 24. April fand im Großen Senat der Universität Tübingen mit deren Unterstützung und derjenigen des Reservistenverbandes und der rechtslastigen „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik“ [1] eine ganztägige Veranstaltung des „Hochschulverbandes Sicherheitspolitik“ zum Thema "Klimawandel" statt. Ein Beispiel für den Militarismus im neuen Gewand.
Der Veranstaltungs-Titel lautete: "Vernetzte außen- und sicherheitspolitische Anpassungen an den Klimawandel - Interessen und Verantwortung der EU und Deutschlands".
Eigentlich sollte es eine ganztägliche Veranstaltung werden, aber der zweite und der dritte Vortrag sind ausgefallen. Es waren zeitweise ziemlich wenig Leute da. Ein kritischer Besucher spricht von maximal 20 Personen, darunter fast keine Frauen. Von diesen 20 Personen waren einige Leute dabei, die kritisch waren und dazu noch die anderen Referenten. Insgesamt gab es also kaum Sympathisanten oder „normale“ Besucher.
Interessant an dem Thema war, wie zwei vollkommen unabhängige Themen, Klimawandel und Militär, miteinander vermischt wurden, um mit dem einen Thema (Klimawandel) das andere (Militär) aufzuwerten und zu legitimieren. Um 15:00 sprach beispielsweise Wolf Plesman vom Zentrum für Transformation der Bundeswehr zu "Vernetzte Sicherheit und Transformation militärischer Fähigkeiten in Europa". Wohlgemerkt: Anlass dieser Überlegungen ist der Klimawandel!

ANMERKUNGEN
[1] Die „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e. V.“ (GfW) mit Sitz in Bonn wurde am 5. Januar 1952 als „Gesellschaft für Wehrkunde“ gegründet und soll 2007 etwa 7.500 Mitglieder gehabt haben. Ihr Kuratorium ist von der Union dominiert. Die GfW ist vermutlich die älteste Lobbyorganisation für Aufrüstung und Militarisierung in der Bundesrepublik. Sie ist stramm rechts und einzelne ihrer Sektionen luden in Vergangenheit bereits extrem rechte Referenten wie den ultrarechten Aktivisten General a.D. Franz Uhle Wettler (1999), das Danubia-Mitglied Hans-Ulrich Kopp, Alfred Jebens oder den Kriegsschuldleugner Gerd Schultze-Rhonhof (2004) ein.

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