Irre geworden an der Linken. Neokonservative Herrschaftsideologie hinter linken Masken - eine Kritik am Beispiel des "AK Linke Irrwege".

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Neue #INFO-Broschüre: „Good bye, Lenin!“ – revisited. Irre geworden an der Linken. Neokonservative Herrschaftsideologie hinter linken Masken – eine Kritik am Beispiel des „AK Linke Irrwege“. Ein Lehrstück aus Tübingen.

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Nachdem der „Eiserne Vorhang“ sich geöffnet hatte, ließ sich auf der politischen Weltbühne das Trauerspiel eines historischen Niedergangs der Linken beobachten. Einige Linke vollzogen selbst eine politische „Wende“, wandelten sich opportunistisch zu Antikommunist_innen und haben sich im Laufe der Jahre so stark den Positionen der Neocons angenähert, dass sie mittlerweile als eine mit einem linken Habitus agierende Variante des Neokonservatismus betrachtet werden müssen. Die neue Bewegung entfernte sich zunehmend von essentiellen linken und originär antikapitalistischen Positionen. Vor allem die „antideutsche“ Bewegung, die nach 1989/90 aus der radikalen Linken heraus entstand, vollzog schnell einen affirmative turn, dessen ultimative, aber in ihrer Ideologie von vornherein angelegte Konsequenz nicht nur die Bejahung der herrschenden Zustände und der neoliberalen Agenda der Herrschenden – inklusive der neuen imperialistischen Kriege –, sondern, wie sich zunehmend zeigt, die Anschlussfähigkeit an neuere rechte Strömungen ist.

Hintergrund-Autorin Susann Witt-Stahlanalysiert die neue Entwicklung folgendermaßen:

Neue Rechte, Rechtskonservative, „antideutsche“ und andere Neokonservative eröffnen mithilfe einiger Noch-Linker eine neue politische Front: „Für die Verteidigung Israels und der Juden“, schallt der Schlachtruf aus der FPÖ, von der Achse des Guten und sogar vom rechten Rand der Linkspartei. „Umma-Sozialisten“ (Islamisten) und Antiimperialisten sind für sie die Nazis von heute. Daher verlaufe die Grenze nicht mehr zwischen rechts und links, oben und unten, sondern zwischen „zivilisiertem Westen“ und „barbarischem Islam“. Muslime, Antikapitalisten, linke Israel-Kritiker, besonders jüdische, und die Friedensbewegung sind die neuen Feinde; Antisemitismus-Vorwürfe die neuen Waffen.

Als hier in Tübingen im Juni 2011 ein eigens gegründeter Arbeitskreis namens „AK Linke Irrwege“ an die Öffentlichkeit trat, dessen einziger Zweck darin zu bestehen scheint, die antikommunistischen Ressentiments einer sich gern als „undogmatisch“ bezeichnenden Tübinger „linken Szene“ gegen die Marxistische Aktion Tübingen zu bündeln und ihnen dadurch, dass man sie in wissenschaftlich und „emanzipatorisch“ klingende Phrasen kleidet und seiner Vortragsreihe einen „ideologiekritischen“ Anstrich gibt, zu legitimieren, blieben Antisemitismus-Vorwürfe gegen uns naturgemäß nicht aus – denn diese erweisen sich zunehmend als wirksamste politische Instrumente zur Diskreditierung originär antikapitalistischer Positionen.

Wir fragen uns, weshalb das Epplehaus-Plenum dies alles in seinen Räumen zulässt. Spätestens nach dem Vortrag von Daniel Späth, dem es möglich war, in einem Jugendhaus mit linkem Selbst­verständnis ohne jeglichen Beleg für seine Behauptungen eine Tübinger linke Gruppe öffentlich als antisemitisch und sexistisch zu diffamieren, hätte man eine Diskussion darüber erwarten dürfen, ob so etwas in einem „linken Freiraum“ erwünscht ist.
Wenn wir angeblich kaum besser als Faschisten sind, aber dennoch in den „Freiräumen“ der Tübin­ger linken Szene geduldet werden, fällt damit jegliches logische Argument dafür, wirklichen Sexis­ten und Antisemiten den Zugang weiterhin zu verwehren. An dieser Überlegung offenbart sich die vom „AK Linke Irrwege“ betriebene Relativierung dieser Begrifflichkeiten durch deren unsachgemäßen und inflationären Gebrauch.

Mit dem Phänomen der neokonservativ gewendeten, sogenannten „antideutschen“ Ex-Linken haben wir uns bereits in unserer im Juni erschienenen Broschüre „Good bye, Lenin!“ Vom „Abbruchunternehmen der Linken“ ins rechte Lager: Eine Kritik „antideutscher“ Ideologie und Praxis auseinandergesetzt.

Unsere neue Broschüre zum Thema beinhaltet neben einer allgemeinen Analyse der mit dem Zitat von Susann Witt-Stahl angedeuteten besorgniserregenden aktuellen Entwicklungen eine ausführliche Kritik an den gegen uns verwendeten Methoden des „AK Linke Irrwege“. Es handelt sich also auch um die Dokumentation eines lokalen Beispiels einer Diffamierungskampagne gegen eine linke Gruppe; diese hat aber als Widerschein der oben beschriebenen Entwicklung durchaus exemplarischen Charakter. Dadurch, dass wir anderen einen Blick hinter die Kulissen einer Tübinger Auseinandersetzung gewähren, wollen wir nicht zuletzt klassenkämpferischen Linken und kommunistischen Gruppen, die in ihrem Umfeld mit ähnlichen Angriffen und Diffamierungen zu kämpfen haben oder in Zukunft zu kämpfen haben werden, die Möglichkeit geben, sich mit dem standardisierten Vorgehen und den Argumenten der neuen Allianz aus Neokonservativen, „Antinationalen“, „Antideutschen“ und „Wertkritikern“ vertraut zu machen.

Was die Tübinger Linke betrifft, sind für uns zwei Fragen offen: Erstens, wann wird die „Szene“ endlich anfangen, unsere Texte zu lesen und sich mit unseren wirklichen Positionen zu befassen, be­vor sie in die Hetze gegen uns und die klassenkämpferische und antiimperialistische Linke im All­gemeinen mit einfällt und den Personen, die diese betreiben, willfährig Foren bietet, um diese zu verbreiten? Und zweitens – und das ist die wichtigere Frage –, wann wird diese sich als antifaschis­tisch verstehende Szene ihre Zeit und Energie wieder für etwas Sinnvolleres einsetzen, als für orga­nisierte Hetz- und Diffamierungskampagnen gegen ein Phantom, ein „Gespenst des Kommunismus“, das mit der Adressatin, der Marxistischen Aktion Tübingen, herzlich wenig zu tun hat? Es scheint uns kein Zufall zu sein, dass es eben jenem Spektrum, aus dem die Personen stam­men, welche uns zu ihrem neuen „Lieblingsfeind“ erkoren haben, seit geraumer Zeit kaum mehr ge­lingt, die „konsequent antifaschistische Arbeit“, derer sich der Autor des Textes Alles was rechts ist auf dem „Linke Irrwege“-Blog selbst lobt, aufrecht zu halten. Wir sind der Ansicht, dass eine Sze­ne, die sich selbst als links und vorwiegend antifaschistisch verstanden wissen will, ihre Prioritäten anders setzen und sich andere Gegner als eine Tübinger linke Gruppe aussuchen sollte.

Wir halten es nicht für hinnehmbar, dass sich in Tübingen ein politisches Klima entwickelt hat, in dem es inzwischen möglich ist, Linke als Antisemit_innen und Sexist_innen öffentlich an den Pran­ger der „Szene“ zu stellen. Dass dies zudem ohne nennenswerten Einspruch von im Epplehaus an­gesiedelten Gruppen wie z.B. der lokalen Antifa geschehen kann, finden wir befremdlich und be­denklich. Solidarische Kritik sieht jedenfalls anders aus. In diesem Sinne hoffen wir, dass die „Lin­ke Irrwege“-Reihe im Nachhinein kritisch diskutiert wurde und dass derartige Stimmungsmache zu­künftig keinen Platz mehr im Epplehaus haben wird.

Gegen die „innerlinke“ Diffamierung und Hetze!
Für offene Kritik und eine solidarische Linke!

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Hier ging es zu Broschüre der Marxistischen Aktion Tübingen mit dem Titel "„Good bye, Lenin!“ – revisited. Irre geworden an der Linken. Neokonservative Herrschaftsideologie hinter linken Masken – eine Kritik am Beispiel des „AK Linke Irrwege“. Ein Lehrstück aus Tübingen.", worin eine vernichtende Kritik an ihren Kritikern zu lesen ist. Nach einigen Diskussionen beschlossen wir, die Tueinfo-Moderatoren, den Link zu entfernen, da in der verlinkten Broschüre Namen auf eine Weise linken Gruppen zugeordnet werden, die unserer Meinung nach nicht unbedingt für die Internetveröffentlichung angebracht ist. Das finden wir a) nicht nett und einer sachlichen Auseinandersetzung nicht zuträglich und b) widerspricht es der Tueinfo-Moderationsregel Nr.2: "Keine persönlichen und inhaltsleeren Beleidigungen oder Nennung von Namen oder gar Adressen".

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

MARXISTISCHE AKTION TÜBINGEN

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

good bye lenin revisited.jpg