Bald Braunes Haus auf der Alb?

Eine Zusammenfassung der Informationen über den Versuch des NPD-Landesverbandes Baden-Württemberg einen alten Gasthof in der Gemeinde Straßberg im Landkreis Zollernalb zu kaufen.

Nach verschiedenen Presse-Meldungen plant der NPD-Landesverband Baden-Württemberg nahe Strassberg (Kreis Zollernalb, bei Albstadt und Balingen) einen alten Gasthof zu erwerben. Geplant ist die Nutzung der ehemaligen Gaststätte „Linderhof“ mit drei Gebäuden an der Bundesstraße 463 zwischen Straßberg (etwa 1 km entfernt) und Albstadt-Ebingen als Tagungs- und Veranstaltungszentrum und als Zentrum für die kommenden Regional- und Kommunalwahlen im Jahr 2009. Auch für Konzerte oder dergleichen wäre genug Platz vorhanden. Immerhin gehört zu der ehemaligen Zollstation zwischen Württemberg und Hohenzollern auch ein 18.000 Quadratmeter großes Grundstück. Laut NPD soll die Landesgeschäftsstelle aber in Rosenberg (siehe unten) bleiben.
Führende Kraft hinter den Bemühungen Fuß zu fassen ist der derzeitige NPD-Landeschef Jürgen Schützinger aus Villingen-Schwenningen. Laut Schützinger ist der Landesverband bereit 538.000 Euro für den Kauf zu bezahlen.

Erb-Besitzer des „Linderhofs“ ist ein René Diethelm aus der Schweiz, der sich sogar bereit erklärt hat nach einem Verkauf unter Riege der NPD für 60.000 Euro Jahresgehalt weiterzuarbeiten. Ob sich unter dem, dann NPD-eigenen Gastwirt nur noch „braune Soße“ auf der Speise- und „Röhmpunsch“ auf der Getränkekarte finden wird, ist unbekannt.
Bis zum 15. August will Diethelm jedenfalls seine Entscheidung fällen. Die Gemeinde Straßberg überlegt sich mögliche Schritte gegen die Pläne zum Verkauf des Gasthofs und will sich am 15. Juli dazu äußern.

Allgemeine Probleme mit der NPD plus ähnlich Gesinnte auf seinem Grundstück, scheint Diethelm nicht zu haben. Zur heidnischen Feier der Sommersonnenwende am 21. Juni feierten zwischen 60 und 90 Personen (nach Eigenangabe mindestens 100) aus diesem Spektrum auf dem Grundstück. Allerdings ist diese TeilnehmerInnen-Zahl verglichen mit früheren rechtsextremen Sonnenwendfeiern im Südwesten recht gering.

>>> Alles nur ein Schwindel? <<<
Kenner der NPD, sogar der Verfassungsschutz, vermuten hinter dem so auffällig offen bekundeten Kaufinteresse eine gezielte Taktik, um den Verkauf zu befördern oder den Kaufpreis hochzutreiben. Das Prinzip funktioniert wie folgt:
1. Akt: Die NPD bekundet Interesse.
2. Akt: Die Presse reagiert und mobilisiert eine kritische Öffentlichkeit.
3. Akt: Diese Öffentlichkeit wirkt auf die etablierte Politik ein zu reagieren.
4. Akt: Die etablierte Politik (Gemeinde, Kommune) erwirbt durch die Zahlung eines höheren Preises oder das Vorverkaufsrecht das Gebäude. Laut Presse hat in diesem Fall die Gemeinde Straßberg ein Vorkaufsrecht.
Manchmal werden auch gesetzliche Kniffe (nur eingeschränkte Nutzung erlaubt) angewandt.
5. Der hoch bezahlte Alt-Eigentümer gibt der NPD eine bestimmte Summe als Provision für ihren Auftritt als Bürgerschreckgespenst. Das konnte bisher aber nie nachgewiesen werden.

So oder so, die NPD würde bei einem Verkauf gewinnen. Entweder sie bekommt einen festen Stützpunkt oder eine finanzielle Unterstützung. Der Linderhof-Besitzer Diethelm wird, ob nun aus ideologischen oder opportunistischen Gründen, zum Kollaborateur. Ein Kollaborateur, der entweder für die NPD arbeitet und sie mit Räumlichkeiten versorgt oder der die NPD mit einer Summe in unbekannter Höhe unterstützt.

Was für die Fake-Verkaufs-These spricht:
* Der Besitzer versucht schon länger das Gebäude zu verkaufen.
* Die allgemein klamme Kassenlage der NPD bei dem vergleichsweise hohen Preis.
Woher das Geld für einen Kauf also kommen soll ist unklar. Die Bundes-NPD hat zurzeit mit Rückzahlungsforderungen und der Festnahme von und Untersuchung gegen den ehemaligen NPD-Schatzmeister zu kämpfen. Die Ländle-NPD aber dürfte bei weitem nicht über ein ausreichendes Budget verfügen. Schützinger selbst nennt Sponsoren aus der Schweiz. In die an Baden-Württemberg grenzende Schweiz hat die NPD BaWü tatsächlich gute Kontakte, u.a. ähnlich gestrickten „Partei Nationalorientierter Schweizer“ (PNOS).
* Die offene Ankündigung der Kaufabsicht in einer Pressekonferenz.
* Der tendenziell ruinöse Zustand der Gebäude. Obwohl laut NPD angedacht sei, arbeitslose NPD-Mitglieder zur Sanierung einzusetzen.

>>> Brown places <<<
In Baden-Württemberg gibt es, neben diversen anderen Treffpunkten, bereits mehrere Immobilien in Nazi-Hand:
* Der Landgasthof „Goldenes Kreuz“ in Hohenberg-Rosenberg bei Schwäbisch Hall (erworben 2004). Besitzer ist Andreas Thierry, seit April 2007 dritter stellvertretender NPD-Landesvorsitzender von Baden-Württemberg. Der frühere Sitz der NPD-Abspaltung BDVG ist heute Sitz des Versandes und Verlages „Bücherherold“, Wohnort für bis zu 20 Personen und NPD-Landesgeschäftsstelle.
* Ein unbebautes Grundstück in Schozach bei Illsfeld im Besitz der Familie Käppler war 1998-2006 Schauplatz von Nazi-Sonnwendfeiern mit bis zu 300 TeilnehmerInnen. Nach dem Verschwinden Käpplers aus der Szene ist es aber anscheinend von Nazis nicht mehr benutzt worden.
* Schon seit Jahrzehnten besitzt der völkisch-rechtsradikale „Bund für Gotterkenntnis“ (Ludendorffer) das „Jugendheim Hohenlohe“ in Herboldshausen bei Kirchberg an der Jagstraße. Das ganze Jahr über finden hier Tagungen und Feiern statt.

Allgemein gilt, dass sich extreme Rechte lieber auf dem Land niederlassen. Das hat ideologische (Schollenromantik) und strategische Gründe. Auf dem Land haben extreme Rechte allgemein eine schwächere Zivilgesellschaft und stärkere Unterstützungsstrukturen. So hat sich letztes Jahr erst in Balingen ein lokaler JN-Stützpunkt Zollernalb gegründet. In den größeren Städten haben die extremen Rechten allgemein einen härteren Stand gegen Zivilgesellschaft, Antifa und die örtliche etablierte Politik. In Karlsruhe z.B. war auf die Versuche der Nazis im Ortsteil Durlach ein Gebäude für sich zu erwerben von den Behörden einfach eine Straße im Ortsteil Durlach zum Wohngebiet erklärt worden, um eine Ansiedlung der NPD in einem leerstehenden Haus zu verhindern. In einem Zeitungsartikel zu den Kaufabsichten auf der Zollernalb wird auch geschrieben: „In Tübingen beispielsweise fürchten sie Anschläge oder Beschädigungen an Gebäuden.“

PRESSE-SPIEGEL
* Karina Eyrich: NPD will sich angeblich im Zollernalbkreis einnisten, 08.07.2008, http://www.sw-online.de/wm?catId=7833387&artId=12990963
* dpa/lsw: Kein NPD-Zentrum im Zollernalbkreis, 07.07.2008, http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/1754836_0_2147_rechtsextr...
* lsw: Bürgermeister will NPD-Pläne für Schulungszentrum durchkreuzen, 07.07.2008, http://www.szon.de/lokales/sigmaringen/alblauchert/200807070942.html#
* smj: Neonazis aufs flache Land?, ka-news, 7. Juli 2008, http://www.ka-news.de/karlsruhe/news.php4?show=smj200875-210I
* NPD plant Schulungszentrum auf der Alb, 05.07.2008, http://www.szon.de/lokales/sigmaringen/alblauchert/200807050760.html
* Baden-Württemberg: NPD will angeblich (!) für mehr als 500.000 Euro Schulungszentrum kaufen, http://npd-blog.info/?p=1876
* NPD hat Option bis 15. August, in: Zollernalb-Kurier, 05.07.2008, http://www.suedwest-aktiv.de/

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Die Landes NPD behauptet weiterhin, die Immobilie erwerben zu wollen. Die Bundes NPD hält davon nicht viel, was den leeren Kassen geschuldet ist. Der Landesverband der Neonazis will den Bundesverband weiterhin vom Kauf überzeugen.

NPD hat mit Schulungszentrum Geldsorgen
http://www.schwarzwaelder-bote.de/wm?catId=79053&artId=13084094&offset=3
Verlängerte Kaufoption
http://www.schwarzwaelder-bote.de/wm?catId=79053&artId=13115174&offset=4

Nach wie vor spricht das Gesamtbild eher für einen Bluff auf Provisionsbasis...

unmoderated

Straßberg: Früherer Nachtclub wird nicht an NPD verkauft

Der frühere Nachtclub "Lindenhof" im Zollernalbkreis wird nicht an die NPD Baden-Württemberg verkauft. Statt dessen erwerben der Landkreis, die Stadt Albstadt und die Gemeinde Straßberg gemeinsam das leer stehende Gebäude.

Über den Kaufpreis ist vorerst Stillschweigen vereinbart. Er sei laut Straßbergs Bürgermeister Manfred Bopp aber akzeptabel und liege deutlich unter 538.000 Euro. Diesen Betrag hatte die NPD Baden-Württemberg für die Immobilie geboten.

Keine leichten Verhandlungen

Bis zuletzt hätten die Verhandlungen mit dem bisherigen Besitzer an einem seidenen Faden gehangen, sagte Bopp. Der Straßberger Bürgermeister äußerte sich erleichtert darüber, dass die rechte Partei sich nun nicht in seiner Gemeinde niederlassen könne. Der Kaufvertrag solle in den nächsten Tagen notariell beglaubigt und die bestehenden Gebäude abgerissen werden. Über die Nutzung der Fläche werde später gemeinsam entschieden.

Anfang Juli hatte die NPD überraschend verkündet, sie wolle die seit Jahren leer stehende Immobilie kaufen und zu einer Schulungs- und Tagungsstätte umbauen. Gegen den Plan der rechten Partei waren binnen kurzer Zeit mehr als 2.000 Unterschriften zusammen gekommen.

Quelle: SWR

siehe auch:
»http://www.schwarzwaelder-bote.de/wm?catId=11738079&artId=13155506&offset=2