Eine Kritik an sexistischem Sprachgebrauch

*** Trig­ger-War­nung: Im fol­gen­den Text wir­d se­xis­ti­sche und homophobe Sprache zi­tiert! ***

Immer wieder begegnen uns auch in linken Zusammenhängen Ausdrücke wie „Schlampe“, „Fotze“, „Hure“, „Pussy“, „Schlappschwanz“, „Homo“, „Schwuchtel“, etc.

Gerade in unbeschwerter Atmosphäre, wie auf einer Party, in einer sich selbst als „Freiraum“ bezeichnenden Umgebung, ist man häufig einem solchen Sprachgebrauch ausgesetzt. Auf ein solches Verhalten angesprochen, reagieren die Betreffenden meist mit den immer gleichen Ausreden: „So habe ich das doch nicht gemeint“, „Das ist nur Spaß“, „Wir sind ja unter uns“, „Jeder weiß doch wie das gemeint ist“, „Ich bin doch kein Sexist“, „Hab dich mal nicht so“, „Ich bin doch selbst ne Frau“, „Ich hab schwule Freunde“, „Das war doch nur Ironie!“.

So einfach ist das Ganze aber nicht. Die oben genannten „Schimpfwörter“ zielen ihrer Bedeutung nach darauf ab, Menschen auf Grund ihres Geschlechtes und/oder ihrer sexuellen Orientierung abzuwerten. Wir denken nicht, dass Sexismus und andere diskriminierende Verhaltensweisen durch eine Veränderung der Sprache aus der Welt geschaffen werden. Trotzdem vermitteln die oben genannten Schimpfwörter teilweise ein Männlichkeitsbild von Stärke, sexueller Aktivität und Heteronormativität. Im Gegensatz dazu wird weiblich als weich, schwach, ängstlich und monogam konstruiert. Sollte jemand diesen Bildern nicht entsprechen, so wird sie*er durch einen solchen Sprachgebrauch automatisch abgewertet und diskriminiert.

Oft ist man überzeugt davon „unter sich“ zu sein und jeder weiß wie ein herab wertender Kommentar zu verstehen ist, nämlich als Spaß. Dies ist aber in den meisten Fällen nicht so, denn selbst wenn sich niemand merklich angegriffen fühlt, kann keine*r wissen ob wirklich alle Anwesenden das Gesagte als Spaß verstehen. Jede*r weiß wie schwer es ist einer Gruppe gegenüber einen vermeintlichen Spaß anzuprangern und Unwohlsein offen preiszugeben.

Das angesprochene Verhalten resultiert nicht selten aus einer aufgeheizten Stimmung, die sich nicht nur durch den Sprachgebrauch äußert, sondern auch durch ein „mackerhaftes Gehabe“, wie rücksichtsloses Übertönen Anderer, oder dementsprechender Körpersprache.

Uns ist durchaus bewusst, dass man in dieser Gesellschaft schwerlich frei von Sexismus sein kann, deshalb geht es uns nicht darum Menschen, die sich sexistisch verhalten, zu diskreditieren. Vielmehr wollen wir eine Atmosphäre schaffen, in der sexistischer Sprachgebrauch und mackerhaftes Verhalten angesprochen werden können. Es ist wichtig, dass dies angenommen und reflektiert und nicht mit einem „das ist doch nur Spaß“ abgetan wird. Wir wollen ein breiteres Bewusstsein für einen respektvollen Umgang miteinander und wünschen uns, dass die Menschen sich über ihr eigenes Verhalten Gedanken machen und daran arbeiten.
Wer es mit einer befreiten Gesellschaft als Ziel ernst meint, sollte auf dem Weg dort hin auch sich selbst verändern und das nicht nur von anderen erwarten.

[ART] - Antifa Reutlingen Tübingen
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