KUT SoSe 17 (Kritische Uni Tübingen)

Auch dieses Semester gibt es wieder selbstorganisierte Lehre an der Uni Tübingen. Die KUT ist eine Initiative von Student*innen und ein Versuch sich abseits des üblichen Leistungs- und Bewertungsdrucks in netter (Seminar-)Atmosphäre mit Themen und Fragen auseinander zu setzen, die die Teilnehmenden interessieren und thematisch oftmals von der angebotenen Lehre vernachlässigt werden bzw. über diese hinausgehen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, es uns gleich zu tun. ECTS-Punkte werden nicht vergeben, da diese genau dem entgegenstehen, wie die KUT Lehre und Lernen verstehen und umsetzen möchte.

Mehr Infos gibt es unter kut.blogsport.de

Angebote im SoSe 17:

Lesekreis: Heydorn lesen!
In dem Literaturkreis Heydorn lesen! soll es um die Bildungstheorie Heinz- Joachim Heydorns gehen. Eine Annäherung findet über die historische Entwicklung der Kritischen Theorie statt. Nach einer Einführung in die Kritische (und Negative) Pädagogik werden verschiedene Zugänge zu Heydorns Bildungstheorie erschlossen um in der zweiten Hälfte des Literaturkreises sowohl Primärtexte Heydorns zu lesen, als auch vor dem Hintergrund Heydorns Bildungstheorie eine Vertiefung in aktuelle Problemlagen der Bildungstheorie vorzunehmen.
Der Lesekreis ist für alle offen und man kann jederzeit dazu kommen!

Ab Mittwoch, 10. Mai, 18-20 Uhr,
Institut für Erziehungswissenschaft, Seminarraum 112

Lesekreis: „Was für Lebewesen sind wir?“
Das jüngste Werk Noam Chomskys (2016) beschäftigt sich mit der grundlegenden anthropologischen Frage nach dem Wesen des Menschen. Ausgangspunkt ist für den Linguisten die Sprache, welche sowohl Potentiale als auch Hindernisse für die menschlichen Fähigkeiten bereitstellt. Darauf aufbauend untersucht Chomsky den Menschen als soziales Wesen, welcher durch politische und wirtschaftliche Bedingungen beeinflusst wird. Die Entwicklung des Individuums kann durch diese Rahmenbedingungen nun entweder befördert oder beschränkt werden, wobei für Chomsky das aktuelle System bzw. der kapitalistische Staat Zweiteres bewirkt, weshalb er es einer radikalen Kritik unterzieht.

Ab Dienstag, 09. Mai, 16-18 Uhr, Hegelbau, Raum 103

Lesekreis: Die revidierte Psychoanalyse
Wo die Psychoanalyse nicht schon in das Alltagsbewusstsein und deren Vokabular eingegangen ist, taugt sie bestenfalls noch als ein Gegenstand für das Feuilleton, in dem entweder Geburtstage Freuds angekündigt werden, um mit anderen Gemeinplätzen dieser Theorie die jeweiligen Ausgaben zu füllen oder um sie zu benutzen um bspw. Kafka auf seinen Vaterkomplex zu reduzieren und einzudampfen. An der Universität begegnet Freud einem zudem noch als „Gründervater“ der Psychoanalyse und damit irgendwie auch der empirischen Psychologie, jedoch hat sich diese eher der messbaren Psychologie zugewandt. Wenn man, gleich ob in der Kneipe oder der Universität, versucht einen Sachverhalt irgendwie psychoanalytisch zu deuten, kann man häufig Worte wie, „das sei nun aber unwissenschaftlich (also nicht beweisbar)“, hören und begibt sich damit in die Gefahr als Kaffeesatzleser abgekanzelt zu werden.
Unser Lesekreis möchte genau diese Behauptungen zuerst mit Adornos Aufsatz Die revidierte Psychoanalyse näher bestimmen und Gründe dafür herausarbeiten. Danach könnten – je nach Interesse der Teilnehmenden – z.B. das Potential der Psychoanalyse für Gesellschaftskritik, kritische Wissenschaft u. ä. beleuchtet werden. Mögliche weitere Literatur wären Originaltexte von Freud oder Auszüge aus Triebstruktur und Gesellschaft von Herbert Marcuse.

Ab Montag, 08. Mai, 16-18 Uhr, Institut für Politikwissenschaft (Melanchthonstr. 36), Raum 021.