Zaunpfahl beim Ract!-Festival 2017

Beim diesjährigen Ract!-Festival im Tübinger Anlagenpark steht, unter anderem, die Punkband Zaunpfahl auf dem Programm. Im folgenden soll kurz dargestellt werden, warum wir dies problematisch finden. Es handelt sich hierbei nicht um eine allumfassende Recherchearbeit, die Ergebnisse sind Lückenhaft, reichen in unseren Augen allerdings aus, um klarzumachen, dass diese Band auf dem Ract! nichts verloren hat.

An der Band Zaunpfahl gibt es im wesentlichen zwei Punkte zu kritisieren, zum einen ihre Offenheit gegenüber rechtsoffenen Bands (die sogenannte Grauzone) und zum anderen ihre Liedtexte die von Sexismus bis hin zur offenen Verherrlichung einer Vergewaltigung reichen.

Zunächst zur Grauzone. Wem der Begriff fremd ist, kann ihn hier nochmal nachlesen (http://oireszene.blogsport.de/was-ist-eigentlich-die-grauzone/).

Am 19. Dezember 2015 standen Zaunpfahl in Berlin mit den beiden Bands "Booze & Glory" und "Toxpack" auf der Bühne. Mit letzterer spielten sie im April und Mai diesen Jahres sogar eine ganze Konzert-tournee. Booze & Glory sind eine britische Skinhead-Band, die sich in den letzten Jahren immer wieder mit diversen rechten und rechtsoffenen Bands die Bühne teilte. Dabei spielten sie des öfteren mit sogenannten "RAC"-Bands (steht für "Rock against Communism" und entstand als rechte Antwort auf "Rock against racism", mehr dazu hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Rock_Against_Communism) zusammen. Auch in ihren eigenen Liedern schlagen sie gerne mal patriotische Töne an. Mehr dazu gibt es auf dem Oi!re Szene Blog nachzulesen, den ich im übrigen zum Thema Grauzone nur empfehlen kann (http://oireszene.blogsport.de/2010/11/04/booze-glory-londonuk/).
Toxpack sind eine Berliner Band, die ihre Musik selbst als "Streetcore" bezeichnen. Auch diese machten vor Veranstaltungen mit RAC-Bands in den letzten Jahren nicht halt und spielten sogar zusammen mit der Tiroler Band "Frei!Wild", zu denen hoffentlich nicht mehr viel gesagt werden muss. Auch zu Toxpack hier noch mehr (http://oireszene.blogsport.de/2010/12/02/4-12-2010-berlin-grauzone-nun-a...).
Dies allein sollte schon reichen, um Zaunpfahl als Band für das Ract! zu disqualifizieren, beschreibt das Ract! sich doch selbst schon als "entschieden gegen jede Form von Sexismus, Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus und alle[s], das unsere Besucher*innen davon abhält, bei uns eine gute Zeit zu haben."(Quelle: http://www.ract-festival.de/ueber-uns/was-wir-wollen/). Besonders in Puncto Sexismus gibt es aber noch ein wenig mehr über Zaunpfahl zu erzählen.
Neben Liedern wie "Ja wir lieben alle Frauen", in dem sich beispielsweise die Textpassage "Und starren wir auf euren Busen // Dann wollen wir nur schmusen // Und starren wir auch euren Po // Dann passiert das einfach so" findet und in dem es im allgemeinen darum geht, Frauen als reine Objekte zur männlichen Bedürfnisbefriedigung darzustellen, findet sich der wohl schlimmste Titel auf dem Album "Normalböse" von 1999. In dem Lied "Ob sie will oder nicht" wird ganz offen und unverblümt eine Vergewaltigung besungen. Hierbei lohnt es sich, den gesamten Text zu lesen:

"Ich erzähle euch von meinem Verlangen
Ob ihr wollt oder nicht
Ich will mir heut ein Mädchen angeln
Ob sie will oder nicht
Nach der Show gehen wir in mein Zimmer
Ob sie will oder nicht
So geht das bei uns immer
Ob ihr's glaubt oder nicht

Ich sag ihr sie hat schönes Haar
Ob's stimmt oder nicht
Sie sei für mich die Einzige
Sie glaubt es, ich nicht
Ich streife ihr das Röckchen hoch
Ob sie will oder nicht
Dann hol ich meine Peitsche raus
Sie bläst für mich die Kerzen aus

Ich beiß ihr in den Busen
Ob sie will oder nicht
Sie wollte nur ein bißchen schmusen
Ich aber nicht
Ich zwing sie zum Analverkehr
Warum schreit sie denn nicht
Das mögen alle Mädels sehr
Sie sagen's aber nicht

Jetzt glaubt ihr wir sind Schweine
Da habt ihr sicher recht
Wir sprechen aus was jeder denkt
Was ist denn daran schlecht

Hallo Kleine du da drüben
Die so spröde guckt
Komm tu nicht so
Ich weiß genau
wo es dich gerade juckt"
(https://www.youtube.com/watch?v=FKH6wIruFRc)
Dass bei derartigen Textpassagen, vor allem der Behauptung "So geht das bei uns immer" nicht alle Besucher*Innen des Ract!-Festivals eine gute Zeit haben können, sollte klar sein. Die Band Zaunpfahl hat auf diesem Festival nichts verloren. Zwischen unpolitischem "wir-wollen-doch-nur-saufen-Gehabe" und dem Besingen sexualisierter Gewalt, kann ich mich nicht wohlfühlen und ich hoffen, damit stehe ich nicht alleine da.

Ein Thema, welches in diesem kurzen Text fehlt, aber definitiv betrachtet werden soll, ist der Auftritt von Zaunpfahl beim "Spirit from the Street"-Festival letztes Jahr. Dort teilten sie sich die Bühne mit rechtsoffenen Bands wie "Perkele" "Betontod" und "The Exploited", allerdings fehlt mir momentan die Zeit, dies hier noch näher auszuführen. Nicht vorenthalten möchte ich euch allerdings, und damit komme ich auch zum Ende, eine Stellungnahme der Band vom 23. September 2015. Damals wurden sie von einem Konzert im Thommy Weisbecker Haus in Berlin ausgeschlossen, da dessen Bewohner*Innenschaft die Band aus oben genannten Gründen nicht in ihre Haus lassen wollte. Ihr findet diesen Beitrag hier: https://www.facebook.com/Zaunpfahl/posts/870871786322089, ich werde auch diesen an der Stelle nicht näher behandeln können, hoffe aber, dass mein Beitrag den einen oder die andere und besonders das Team vom Ract!-Festival anregen konnte, das diesjährige Programm nochmal kritisch zu betrachten.

Ich konnte zu "Ob sie will oder nicht" keine zufriedenstellende Stellungnahme oder Distanzierung von Zaunpfahl finden. Sollte ich etwas übersehen haben, sollte es etwas derartiges geben, dann bin ich gerne bereit es zu lesen.

Dieser Text ging auch per e-mail an das Orga-Team vom Ract!-Festival.