Lieber tanz‘ ich als G20! - Warum wir es wichtig finden zu Protesten gegen den G20 Gipfel in Hamburg zu fahren

G20, das sind die 19 wirtschaftsstärksten Industrie- und Schwellenländer. Am 7. und 8. Juli werden sich die politischen Vertreter_innen dieser Länder in Hamburg zu einem Gipfeltreffen einfinden. Bei diesem Treffen wird es um die Verwaltung verschiedener globaler Krisen gehen. Das Ziel stellt dabei aber die Schaffung besserer Bedingungen für kapitalistische Produktion und Handel, kurzum für weiteres ökonomisches Wachstum und Kapitalvermehrung dar. Dass aber genau diese Art des Wirtschaftens in letzter Konsequenz Hunger, Armut und Flucht verursacht, wird dabei ausgeblendet. Da Wachstum unter kapitalistischen Verhältnissen für die Mehrheit der Menschen Ausbeutung, Konkurrenz und Armut bedeutet, geht es beim G20 gerade nicht um ein an den Bedürfnissen der Menschen orientiertes Suchen nach Lösungen. Damit liegt das Ziel des Gipfels auch nicht im Streben nach einer gerechten (globalen) Gesellschaft in der alle Menschen ein gutes Leben führen können.
Vielmehr tragen die dort anwesenden Regierungsvertreter_innen aktiv zur Erhaltung des jetzigen, an Profit und Gewinnmaximierung orientierten, Wirtschaftssystems und der damit verbundenen ungerechten Verteilung an gesellschaftlichen Reichtum bei.
Das allein stellt schon Grund genug dar, gegen die Gipfel-Teilnehmer_innen in Hamburg und das, wofür diese stehen, wütenden und lautstarken Protest zu artikulieren. Dass unter diesen Teilnehmer_innen autoritäre Neoliberale wie Merkel und Macron, Diktatoren wie Erdogan und Putin oder Chauvinisten wie Donald Trump anwesend sein werden, macht viele von uns zu Recht noch wütender
Allerdings möchten wir uns in unserer Kritik an dieser Stelle nicht an einzelnen Vertreter_innen abarbeiten. Denn mit unserem Protest gegen den G20 Gipfel lehnen wir uns ganz grundsätzlich gegen das menschenverachtende weltweite Wirtschaftssystem auf, für dessen Erhalt jede_r der Teilnehmer_innen des G20-Gipfels steht.

Wie wollen wir unserem Protest Ausdruck verleihen?

Grundsätzlich soll natürlich jede_r die Form des Protests und des Widerstands wählen, welchen er_sie für am sinnvollsten hält.
Wir möchten allerdings im Besonderen zu der Aktion am 7. Juli im Hamburger Hafen aufrufen. Mobilisiert wird zu dieser Aktion u. A. Von dem antiautoritären, kommunistischen Bündnis ...umsGanze!, Beyond Europe und der Gruppe für den organisierten Widerspruch (GROW) aus Hamburg. Ziel dieser Aktion ist es, im Hamburger Hafen die Logistik des Kapitals anzugreifen.

Was bedeutet nun die Logistik des Kapitals und warum erachten wir es als sinnvoll diese zu unterbrechen?

Mit dem Beginn der Industrialisierung im 18. Jahrhundert setzt auch die Notwendigkeit einer organisierten Logistik ein. Für die Produktion von Waren werden Rohstoffe aus andern Regionen und Ländern genauso wie auch „kostengünstigere“ Arbeitskräfte benötigt. Bis zur heutigen Zeit wurde die Logistik, also Transportmöglichkeiten von Rohstoffen, Waren und Menschen die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, gerade auch durch technische Weiterentwicklungen immer weiter ausgebaut und perfektioniert. Dabei stellte die Erfindung von Containersystemen einen wichtigen Schritt dar, um für die Produktion benötigte Dinge in großer Zahl und relativ zeitsparend zwischen verschiedenen Standorten zu bewegen. Dies hatte zur Folge, dass die unterschiedlichen Produktionsschritte, welche früher noch alle innerhalb einer Fabrik an einem bestimmten Ort stattfanden, zergliedert und in unterschiedliche Regionen bzw. Ländern verlegt werden konnten.
Durch die zunehmende Digitalisierung seit den 1970er Jahren und den damit verbundenen Potentialen kommt dieser Möglichkeit eine immer stärkere Bedeutung zu.
Um die Kosten der Produktion zu senken werden bis heute Standorte in Länder verlegt, in denen niedrigere Löhne gezahlt werden oder Rohstoffe günstiger importiert werden können. Hierbei wird sichtbar wie sich das kapitalistische Wirtschaften, globale Ungleichheiten und auch gesellschaftliche Diskriminierungen zu nutze macht. Die soziale Lage ärmerer Gesellschaften wird dazu benutzt, billiger zu produzieren. Haben Menschen aufgrund sexistischer oder rassistischer Diskriminierung keine soziale Macht, so wird auch diese Grundlage gerne dazu verwendet, um die Löhne zu drücken. Es ist also deutlich: Das kapitalistische System hat kein Interesse an gerechten Zuständen auf der Welt. Ungerechte Verhältnisse und Diskriminierung kommen den einzelnen im Konkurrenzkampf zueinander stehenden Konzernen und Staaten zugute.
Zusätzlich schwächt die durch die Logistik begünstigte Zergliederung der Produktionsketten die Widerstandsmöglichkeiten für Menschen, welche gezwungen sind ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Wird in einem Betrieb gestreikt holt man sich einfach Arbeitskräfte von wo anders oder droht mit Standortverlegung.
Logistik funktioniert heute, wie bisher deutlich geworden ist, über Ländergrenzen hinweg und stellt das Bindeglied einzelner Produktionsschritte dar.
Diese Eigenschaft bietet jedoch auch Potential für Widerstand!
Der Angriff auf die Logistik, das Stören des Reibungslosen Ablaufs des Transportierens von Waren und Rohstoffen, bietet die Möglichkeit das kapitalistische Uhrwerk zu stören. Eine Solche Perspektive ermöglicht auch wieder eine solidarische Vernetzung von (Lohn)Arbeiter_innen. Der Angriff auf die Logistik in Deutschland hat Auswirkungen über die Ländergrenzen hinweg. Menschen können an den verschiedensten Punkten in verschiedenen Ländern den logistischen Ablauf unterbrechen und dabei trotz der räumlichen Entfernung die Auswirkungen dieses Protests spüren und so gemeinsam Widerstand leisten und sich solidarisch aufeinander zu beziehen.

Dazu muss die Gegenwehr jedoch über den G20-Gipfel hinaus weiter gehen!

Ob das so ein wird und ob es realistisch ist, dass genügend Menschen sich der herrschenden Logik des Kapitalismus widersetzen wollen, wissen wir nicht. Wir wollen trotzdem dem weit verbreitenden Märchen von der Alternativlosigkeit des bestehenden Wirtschaftssystems widersprechen. Denn ohne Träume und ohne den Versuch etwas zu verändern wird alles so bleiben wie es ist.
Außerdem sehen wir das G20-Treffen als ein Ereignis, dass die Chance bietet unserer Wut Ausdruck zu verleihen und zu zeigen, dass es Menschen gibt, die nicht mit der ungerechten Einrichtung unserer Welt einverstanden sind. Denn manchmal erscheint es so, als ob diese berechtigte Wut im alltäglichen Leben untergeht. Wir schreiben Texte, in denen wir die Ausbeutung im Kapitalismus anprangern und das Sterben von Menschen auf dem Mittelmeer verurteilen. Wir sprechen von menschenverachtenden Meinungen und einem menschenverachtenden Wirtschaftssystem. Aber wo sind die Menschen auf der Straße, die sich aufgrund dieser schreienden Ungerechtigkeiten auflehnen, eben ihre Wut wirklich spüren und sie als Antrieb zum Widerstand nutzen?

Wir hoffen, dass die Proteste in Hamburg zum Anlass neuer Solidarität und gemeinsamen Widersetzens werden. Auch wenn manche Protestformen vielleicht nicht immer mit den geltenden Gesetzten konform gehen, so ist der Protest ist nicht nur legitim, sondern auch notwendig, wenn wir nicht die Augen vor weltweiter Ausbeutung und Ausgrenzung verschließen wollen. Denn gerade die politischen anerkannten Entscheidungen der G20 Staaten sind es doch, die Armut, Krieg, Hunger und Flucht zur Folge haben, obwohl diese scheinbar demokratisch legitimiert sind.

Deshalb rufen wir euch auf: Kommt nach Hamburg und äußert euren Protest gegen die Erhaltung der bestehenden ungerechten Verhältnissen!

Laut, wütend und solidarisch!
Shut down the logistic of capital!

*[ART]* Antifa Reutlingen Tübingen & LevelUP [kommunistische Gruppe]

Für weitere Infos (auch zu anderen Aktionen in Hamburg) schaut mal hier vorbei: g20hamburg.org