Alternativer Dies - Politische Gruppierungen stellen sich im Clubhaus vor

07.12.2017 15:00

Deine Möglichkeit, die Tübinger Gruppenvielfalt kennenzulernen.
Wo kann ich mich einbringen?
Welche Perspektiven stehen mir offen?

Der Alternative „Dies Universitatis“ (AlDi) wurde als Gegenstück zur universitären Semestereröffnung geschaffen, um auch jenen, die dem oft rückständigen Treiben der Verbindungen kritisch gegenüberstehen, Raum zu bieten. Der diesjährige AlDi findet nun im Dezember statt, mit dem Ziel, das vielfältige studentische Leben in Tübingen vorzustellen und den Studierenden alternative Perspektiven zu eröffnen. Du bist herzlich eingeladen!

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15 bis 18 Uhr Infostände / Vorstellung verschiedener Gruppen

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16 bis 18 Uhr Vortrag:
"Die Identitären – ‚Neue Rechte’ in Bewegung?" von Lucius Teidelbaum (großer Saal)

Lange Zeit unbemerkt von einer breiten Öffentlichkeit hat sich jenseits von Neonazismus eine so genannte „Neue Rechte“ herausgebildet. Nicht in Parteiform, sondern als Bewegung, Strömung und als Organisationsgeflecht im vorpolitischen Raum. Als unterstützender Teil von AfD und PEGIDA hat diese Neue Rechte ihre Diskussionszirkel verlassen und gelangt zunehmend
zu Macht und Einfluss.

Neueste Erscheinungsform der „Neuen Rechten“ sind die „Identitären“, seit 2012 ein Import aus Frankreich. Diese selbsternannte „Bewegung“ tritt unter Parolen wie „Reconquista!“ oder „Defend Europe!“ an, um das Abendland zu verteidigen. Sie inszenieren sich als jung und hip, bleiben dabei aber völkisch und neofaschistisch.

Diese neue Form der extremen Rechten soll kritisch betrachtet und geklärt werden, wie gefährlich die „Identitären“ in Deutschland derzeit sind.

Im Anschluss soll es auch Raum für Diskussion und Fragen geben.

Lucius Teidelbaum ist freier Journalist, Publizist und Rechercheur zum Thema extreme Rechte und anliegende Grauzonen. Von ihm erschienen u.a. im Unrast-Verlag drei Bücher zu den Themen „Braunzone Bundeswehr. `Rechtsum´ in der Männertruppe“ (2012), „Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus“ (2013) und „PEGIDA. Die neue deutschnationale Welle auf der Straße“ (2016).

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18 bis 20 Uhr Vortrag:
"Kritik des Bedingungslosen Grundeinkommens - Befreiung vom Arbeitszwang oder noch eine Alternative staatlicher Armutsverwaltung?
" von Theo Wentzke (Sitzungssaal)
(In Kooperation mit GegenStandpunkt)

Linke Vertreter der Idee meinen, dass die Armut, die in unserer Marktwirtschaft Marke BRD heimisch ist, eigentlich überflüssig wäre. Schließlich gibt es beeindruckende Warenberge und Produktivkräfte, weshalb die Möglichkeit der Überwindung der Armut mit Händen zu greifen sei: Es brauche nur eine passende Dosis „Umfairteilung“ mittels des bedingungslosen Grundeinkommens. Solche wohlmeinenden Ideen werden seit jeher von den wirklichen und den Möchtegern-Zuständigen der ‚herrschenden Verhältnisse‘ zurückgewiesen. Sie verweisen schlicht auf die ‚herrschenden Zustände‘, die ‚nun mal‘ so sind, wie sie sind. Ein Konter, der an Antikritik nichts zu wünschen übrig lässt: Die marktwirtschaftliche Realität gilt nun einmal und blamiert ihre Kritiker als realitätsferne Träumer.
Doch mittlerweile hat das bedingungslose Grundeinkommen neue, mächtige Freunde gewonnen: Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos und anderswo wird der Vorschlag von Industriekapitänen und Konzernvorständen selbstbewusst aufgegriffen: Er gilt als eine Antwort auf die ‚Probleme‘ ihrer schönen neuen ‚Arbeitswelt 4.0‘. Von Problemen also, die Unternehmen in den goldenen Zeiten digitalisierter Weltmarktkonkurrenz mittels Massenentlassungen und Niedriglöhnen auch weiterhin tüchtig herzustellen gedenken. Und auch die Politik denkt über das Grundeinkommen nach; darüber nämlich, ob es nicht ein zeitgemäßer Ersatz für die eine oder andere kompliziert konstruierte Sozialkasse sein könnte. Damit kündigt sie an, sich machtvoll um alle Probleme zu kümmern, die ihr aus Armut und Existenznot erwachsen, mit denen sie auch in Zukunft ganz fest rechnet. Am berechnenden Gequatsche von Unternehmern und Politik über das Grundeinkommen ist also zu lernen, wie verbissen die Macher des Kapitalismus darauf bestehen, dass Armut und Wachstum untrennbar zusammengehören.
In die Debatte, ob die schöne Idee des bedingungslosen Grundeinkommens durch die unverhoffte Schützenhilfe nun endlich möglich oder in den ‚falschen Händen‘ missbraucht wird, mischt der Vortrag sich nicht ein. Der Vorschlag ist weder zu bescheiden, noch unrealistisch – sondern ein einziger, fataler Irrtum über den Charakter von Arbeit und Reichtum in dieser Gesellschaft.

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Im Anschluss ab 21 Uhr:
Clubhausfest der Fachschaft Biologie Uni Tübingen: FS Bio: Nikolyse - Bis die Hirnzellen platzen!

Sollten wir nicht alle politischen Gruppen erreicht haben, könnt Ihr Euch gerne noch anmelden: alternativer-dies@lists.riseup.net