[Kandel] "Der Tag ist eher suboptimal gelaufen" - Stellungnahme lokaler Antifas

Nach der Demonstration von ca. 1.500 bis 2.000 Menschen gegen einen als "Riesenparty" angekündigten Wanderzirkus von 900 - 1.000 Rassist*innen äußert sich die lokale "Kurfürstlich Kurpfälzische Antifa" zum Geschehen am 24.03. Die KKA spricht sich in ihrer Stellungnahme klar gegen das Heranziehen von extremismustheoretischen Nebelgranaten durch Redner*innen des bürgerlichen Lagers aus und kritisiert eindeutig das Vorgehen der Polizei. Diese verweigerte einem Teil des Demonstrationszugs den Zugang zu einer angemeldeten Kundgebung in Hör- und Sichtweite zum Marsch von "Kandel ist überall".

Gleichzeitig bezieht sie Stellung gegen höchst unnötige Aktionen aus dem Antifaspektrum wie etwa den Wurf von Böllern, die den Ordnungsbehörden nachträglich eine Leitimationsgrundlage für die Grundrechtseinschränkung bot. Die Konfrontation zwischen Polizei und Teilen des Antifaspektrums haben das Bündnis vor Ort nachhaltig beschädigt. Die Bedingungen in einer ländlichen Region sind nunmal andere, wie sie bereits im Vorfeld der Demonstration betonte.

Dem Ziel, den Rassist*innen den Raum Kandel streitig zu machen, sei man am Samstag so nicht näher gekommen. Weder durch Reden von der Bühne noch durch Krawall werde dies gelingen. Ziel müsse es sein, mit kreativen Aktionen den Ablauf der rechten Demos zu stören, sodass diese sich in Kandel nicht mehr wohlfühlen.

Das Ziel der Einwohner*innen Kandels und aller Antifaschist*innen bleibe, solidarisch den Rassist*innen den Boden zu entziehen. Am 7.4. gehts weiter. Für eine solidarische und gerechtere Gesellschaft - gegen Rassismus und Hetze.

Die Stellungnahme der Kurfürstlich Kurpfälzischen Antifa:

"Der gestrigen Tag ist aus unserer Sicht -um es euphemistisch zu umschreiben- suboptimal abgelaufen.

Wenn das Ziel ist und bleibt, die Nazis und Faschos aus Kandel wieder rauszubekommen, sind wir gestern diesem Ziel kein Stück näher gekommen.

Die Kundgebung von "Wir sind Kandel" an sich war ja nicht verkehrt, wenn dessen Ziel war, dass DemokratInnen anderen DemokratInnen damit signalisieren wollten, dass man gegen Rechts ist.
Aber das weichgespülte Programm dieser Kundgebung entfaltet keinerlei Nachhaltigkeit - im Gegenteil: es fördert den Trotz der Rechten. Und manche Reden waren höchstens dazu geeignet, den Protest und den Widerstand gegen Rassismus und Nationalismus zu spalten.

Angesichts von 4.000 Rechtsradikalen, Faschisten und dem Rechtsextremismus zugeneigten Menschen die durch Kandel marschieren, sich darüber auszulassen, dass man "aber auch gegen die politische Instrumentalisierung durch Linksextremisten" sei, offenbart eine sehr ideologisch geprägte Einstellung, die die wahren gesellschaftlichen Relationen, wenn nicht leugnet, so zumindest ignoriert und die Straftaten von Rechts in unzulässiger Weise relativiert. Das werden wir den Konservativen nicht durchgehen lassen!

Es muss Schluss sein, mit Polizeirepression und übertriebenem niederschwelligen Gewalteinsatz gegen Menschen, die so aussehen, wie sich Konservative, Ordnungsbehörden, Polizei und PolizistInnen "Linke Randalierer" vorstellen, die aber letztlich nur das gleiche Ziel verfolgen, wie die EinwohnerInnen Kandels: solidarisch den Faschos den Boden entziehen!

Wie gestern Teilnehmer einer angemeldeten Demonstration daran gehindert wurden zu dieser Demonstration zu gelangen, ist ein Skandal.

Nur durch unsinniges Handeln einiger weniger haben Polizei und Ordnungsbehörde sowie interessierte Politiker die Möglichkeit erhalten, von diesem skandalösen Umgang mit dem grundgesetzlich garantierten Recht auf Versammlungsfreiheit und der de facto Einschränkung eines Grundrechtes abzulenken.Es kann nicht ernsthaft das Interesse engagierter AntifaschistInnen sein, den Ordnungsbehörden nachträglich die Legitimation für solche Grundrechtseinschränkungen zu liefern.
Das darf nicht mehr passieren.

Eine direkte Auswirkung auf die Rechten und irgendwelche Folgen für die kommenden Demos der Rechten hat diese Veranstaltung nicht. Die Rechten konnten ungestört ihr Ding machen und werden sich sicher nicht beeindrucken lassen, solange es man ihnen nicht "ungemütlich" macht.

Da muss über Aktionen nachgedacht werden, die den Ablauf der Demos der Rechten durcheinanderbringen.
Da muss der direkte Protest artikuliert werden.
Da muss quasi Auge in Auge eine demokratische, weltoffene und antifaschistische Mehrheit gegen die Rechten organisiert werden. Und wir meinen damit keinen Krawall!
Aber kreative Aktionen, die die Rechten beeindrucken und behindern in der Artikulation ihrer menschenverachtenden Forderungen und ihrer nationalistisch-autoritären Ideologie.

Die Rechten müssen mit einem schlechten Gefühl aus Kandel abreisen!

Solange wir das nicht erreichen, kommen die immer wieder.

Wir werden versuchen, das was gestern an Vertrauen in uns -von einer kleinen Gruppe auswärtiger Personen- zerstört wurde, wieder zu erarbeiten. Wir sind (noch) nicht weg!

Mit solidarischen Grüßen
Kurfürstlich Kurpfälzische Antifa"