Griff daneben – Bassam Tibi soll über islamisierten Antisemitismus aufklären

Sich mit islamisierten Antisemitismus und Israelhass auseinander zu setzen, ist immens wichtig. Neben dem Neonazi-Antisemitismus und dem Verschwörungs-Antisemitismus der Aluhut-Fraktion geht vom islamisierten Antisemitismus eine starke Gewaltbereitschaft und -tätigkeit aus, die zu leugnen fatal wäre.
Leider wird mit diesem wichtigen Thema auch Politik gern von Seiten der AfD Politik betrieben.

*** Wer ist Bassam Tibi? ***
Einer der sich inhaltlich inzwischen zwischen Union und AfD bewegt, ist der aus Syrien stammende und in Göttingen beheimatete Professor Dr. Bassam Tibi (* 1944).
Er war 1973 bis 2009 Professor in Göttingen, leitete dort die Abteilung für internationale Beziehungen und galt als Adorno- und Horkheimer-Schüler.
Tibi ist eigentlich ein CDU-Mitglied und wurde als solches auch in die Wertekommission seiner Partei berufen.

Bereits 1998 prägte er den Begriff „Leitkultur“, worunter er die (parlamentarische) Demokratie, die Trennung von Kirche und Staat, die Aufklärung, Menschenrechte und die Zivilgesellschaft verstand. Den Begriff einer „deutschen Leitkultur“ lehnte er damals freilich noch ab („Ich habe immer betont, dass es gefährlich ist, von einer deutschen Leitkultur zu sprechen.“).
Obwohl es sich bei einem Teil dieser Dinge (Aufklärung, Menschenrechte, Zivilgesellschaft) eher um universelle humanistische Werte handelt, sah Tibi sie als Teil der deutschen oder westlichen Kultur.
Besonders bedroht sieht er sie durch einen islamischen Fundamentalismus. Das ist nicht ganz falsch, da der islamische Fundamentalismus tatsächlich zum Beispiel die Menschenrechte ablehnt und bekämpft.

Wie andere migrantische und nicht-migrantische Deutsche hat Tibi sich besonders seit 2015 nach rechts bewegt. Seit 2015 plädiert Tibi dafür MigrantInnen, die sich nicht an diese „Leitkultur“ halten würden aus Deutschland rauszuhalten oder abzuschieben. Er plädierte also ähnlich wie Boris Palmer dafür ein inhaltliches Problem durch ein verschärftes Migrationsregime 'lösen'.
In dieser Diskussion wird aber einseitig und pauschalisierend nur auf Migrant*innen, Muslime oder Flüchtlinge fokussiert. Statt alle religiöse Fundamentalismen zu kritisieren, wird nur die islamische Variante thematisiert.
Zudem pauschalisiert Tibi in Art und Weise eines Uwe Tellkamp, wenn er meint: „Die Gesellschaft ist schon gespalten. Zehn Prozent der Muslime in Deutschland sind beruflich und gesellschaftlich eingegliedert. Neunzig Prozent leben in Parallelgesellschaften. Die meisten möchten auch gar nicht dazugehören.“
Seriöse Studien sprechen eher von 25 bis 40% der Muslime in Deutschland, die den religiösen Gesetzen Vorrang vor den säkularen geben würden.

Damit erweist Bassam Tibi denjenigen einen Bärendienst, die versuchen differenzierter zu argumentieren und auch andere Faktoren wie z.B. die rassistisch geprägte deutsche Mehrheitsgesellschaft in ihre Analyse mit einzubeziehen.
Die starken reaktionär-konservativ bis fundamentalistischen Tendenzen unter Muslimen in Deutschland zu kritisieren, wird so schwieriger. Die antimuslimischen RassistInnen von AfD, PEGIDA und Co. einerseits, so wie die Islamismus-Ignorant*innen und Kulturrelativist*innen andererseits machen es nicht gerade leicht differenziert zu argumentieren und angehört zu werden.

*** Referent in rechten Kreisen ***
Tibis inhaltlicher Rechtsruck zeigte auch Folgen, was seine Referenten-Tätigkeit angeht. Bereits vor 2015 war Tibi mindestens zweimal bei Rechten als Referent aufgetreten. Einmal beim rechten „Akademiekreis“ (11.02.2006) und einmal beim FPÖ-nahen „Cajetan-Felder-Institut“ (25.02.03, Thema: „Europäisierung des Islam oder Islamisierung Europas?“).
Ab 2016 häuften sich augenfällig solche Auftritte. Tibi trat beim Opus-Dei-nahen „Lindenthal-Institut“ (05.11.16, Thema „Bedeutung und heutige Chancen für einen „Euro-Islam“), bei der neurechten „Bibliothek des Konservatismus“ (24.11.16, Berlin), bei der „Burschenschaft Arminia Marburg“ (30.04.17), bei der „Alten Darmstädter Burschenschaft Germania“ (27.01.18) und beim FPÖ-Bildungsinstitut (12.03.18, Wien, Thema: „Islamische Zuwanderung und ihre Folgen“), dort mit den FPÖ-Granden Johann Herzog, Johann Gudenus, Maximilian Krauss auf.
Letzte Zweifel beseitigte Tibi mit seiner Unterschrift unter die aus neurechten Kreisen initiierten „Gemeinsame Erklärung 2018“, die im rechten Bürgertum zum Unterschriften-Erfolg wurde.

Am 28. Juni 2018 ist nun in Tübingen ein Vortrag mit Bassam Tibi an der Universität Tübingen zum Thema „Wie kann islamische Theologie den Hass auf Juden und Israel entgegenwirken“ angekündigt.
Veranstalterinnen sind die DIG Region Stuttgart e.V., das Haus Abraham e.V., die Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg und die Kritische Uni Tübingen.

Es wäre zu begrüßen, wenn sich die in der Veranstaltungsankündigung aufgeführten mitveranstaltenden Gruppen sich nochmal überlegen eine Veranstaltung mit einem Referenten zu unterstützen, der eine Abgrenzung zur extremen Rechten (z.B. der FPÖ) vermissen lässt, was durchaus auch an den von ihm vertretenen Inhalten liegt.