Zusammenfassung zu Bassam Tibi: „Wie kann islamische Theologie den Hass auf Juden und Israel entgegenwirken“

Ein sehr interessanter Vortrag von Professor Bassam Tibi fand am 28. Juni im Kupferbau an der Universität Tübingen statt. Ca. 100-150 Zuhörer, darunter viele Mitglieder der israelitischen Gemeinde Württemberg, waren gekommen, um den gemeinsam von der Deutsch-Israelische-Gesellschaft, dem Haus Abraham, der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg und der Kritische Uni Tübingen organisierten Vortrag unter dem Titel

„wie kann islamische Theologie dem Hass auf Juden und Israel entgegenwirken? “

zu besuchen.

Wobei Professor Tibi den Titel des Vortrags zum Anlass nahm, auf einen wichtigen Punkt seines Vortrags zu kommen: „es müsste eigentlich heißen: wie kann islamische Politik dem Hass auf Juden und Israel entgegenwirken?“ Denn in der islamischen Welt gäben jene Stimmen den Ton an, die den Koran und die Scharia als ausschließliches Fundament für die Ausrichtung der Gesellschaft betrachten. Christen und Juden, die Anhänger der beiden anderen prophetischen Religionen, würden als Menschen zweiter Klasse betrachtet, auch von den gemäßigten Kräften. Als Menschen zweiter Klasse betrachtet zu werden war zwar in der Vergangenheit bedeutend besser, als von den Christen des Mittelalters ermordet zu werden. Aber heute reiche es eben nicht mehr aus, um ein friedliches Miteinander der Menschen zu ermöglichen. In Deutschland sei er schon immer ein großer Gegner des Dialogs mit den islamischen Verbänden gewesen. Kein Funktionär aus deren Reihen habe sich jemals ausgesprochen für die Anerkennung von Nichtmoslems als gleichwertige Bürger.
Professor Tibi unterscheidet zwischen Rassismus und Antijudaismus auf der einen und Antisemitismus auf der anderen Seite. Nur der Antisemitismus sei eine genozidale Ideologie: die Juden müssen vernichtet werden, denn von ihnen geht eine große Gefahr aus.

Professor Tibi, ein aus einer alten syrischen Notablen Familie stammender Moslem, wird selbst von islamischen Gegnern als Jude bezeichnet, oder wahlweise als Moslem, der vom Weltjudentum gekauft wurde. Und auch er selbst sei 1959 als Antisemit aus Damaskus nach Frankfurt gekommen. So betont er, dass die Menschen, die diese Weltanschauung anhängen, nichts dafür können. Wer in Syrien aufgewachsen ist, werde als Antisemit erzogen. Im Jahr 2050 würden ca. 20 % der Bevölkerung in Deutschland Moslems sein. Das sei an sich kein Problem, aber wenn diese 20 % Antisemiten seien, dann wäre es eine große Gefahr. Darum plädiert Professor Tibi dafür, das Thema in die Integrationskurse aufzunehmen. Und wer Antisemit bleibe, der solle abgeschoben werden.

In der anschließenden Diskussion kam ein tunesischer Jurist, der über westliche Rechtsordnung und Scharia forscht, zu Wort. Er betonte, dass die Scharia keineswegs vereinbar ist, und warnte vor der Aufnahme von Schariagesetzgebung in die Rechtsprechung, so wie es beispielsweise in Großbritannien bereits üblich sei.
Desweiteren noch interessant ein Beitrag des Tübinger Politologen Professor Pawelka. Professor Tibi sprach seinen alten Bekannten direkt an: „Glauben Sie nicht auch, dass die Anerkennung Israels durch die arabische Welt Voraussetzung für einen umfangreichen Frieden ist?“. Pawelka führte aus, dass die Zeit für einen Friedensschluss seiner Meinung nach abgelaufen sei.
Sehr ergreifend war außerdem das Plädoyer einer älteren Dame für die Existenz Israels: Israel sei eine Schutzgarantie für die Juden, nur dort würden sie niemals als Menschen zweiter Klasse behandelt werden.
Kritische Stimmen zu Tibis Ansichten zum Islam, zu den islamischen Verbänden im speziellen, und zu seiner Unterstützung Israels, gab es keine.

Professor Tibi ist pessimistisch, was die Reformfreudigkeit im Islam angeht. Interessant fand ich hier die Einschränkung, dass seiner Meinung nach vom schiitischen Islam des Iran noch eher eine progressive Entwicklung zu erwarten sei im Vergleich zum von Saudi-Arabien und Ägypten dominierten sunnitischen Islam.

Alles in allem bin ich froh, dass ich mich dazu entschieden hatte, den Vortrag anzuhören. Auch wenn ich persönlich nicht allem Gesagten zustimmen würde, so bin ich selbst nicht für Abschiebungen, auch nicht von „kriminellen Ausländern“, fand ich es doch einen sehr spannenden Beitrag. Nicht zuletzt ist Professor Tibi ein unterhaltsamer Redner, der Vortrag war vollständig freigesprochen.