Ausstellung „Warum bist du hier?“ im Landratsamt Tübingen

Am 13. September 2018 fand mit einer Vernissage die Eröffnung der Ausstellung „Warum bist du hier?“ in der Glashalle des Landtratsamts Tübingen statt.
Zu sehen sind ausdrucksstarke Fotos von unterschiedlichen Format zum Thema „Kindheit zwischen Trümmern. Fotografien zum Alltag im syrischen Krieg“.
Die Ausstellung wurde von Ahmad Salah kuratiert und die Bilder kommen von dem Fotografen Firas Abdulla. Die meisten Bilder stammen aus der Stadt Douma in Ost-Ghouta nahe Damaskus. Aus Douma stammen auch Salah und Firas. Die Stadt wird seit Ende 2012 von Regierungstruppen belagert wird. Die Stadt wird von drei Milizen kontrolliert, davon sind zwei islamistisch. An diesen Milizen wird im Begleittext zu den Bildern auch deutliche Kritik geübt. Vor allem aber wird das Assad-Regime und das mit ihm verbündete Russland kritisiert. Für ihren Krieg allgemein, aber auch für die Chemie-Angriffe. Die Ausstellung stellt sich konsequent auf die Seite der betroffenen Zivilisten und rückt besonders die Kinder in den Fokus.
Naturgemäß sind viele der Bilder Trümmer-Fotos. Aber nicht nur. Einige zeigen Momentaufnahmen und Splitter von Normalität, etwa wenn ein Kind in einer Gefechtspause auf der Straße spielt.
Es ist ein Alltag, der keiner ist und der ständig von Tod und Zerstörung bedroht wird.

Auf dem Podium der Eröffnungsveranstaltung waren mehrere Geflüchtete und Mitglieder der zivilen Opposition. Diese erzählten ihrem Publikum von ihren Erfahrungen. Über den langen bewaffneten Bürgerkrieg in Syrien ist bei vielen wieder in Vergessenheit geraten dass der Beginn des Konflikts 2011 eine friedliche Demokratiebewegung gegen das Assad-Regime war. Dieser schlug aber durch äußere Einmischung und brutale Repression in einen bewaffneten Konflikt um. Die Stadt Douma wurde bis Ende 2012 von Assad-Truppen befreit und steht seitdem unter permanenter Belagerung.
Ein Chirurg berichtete von der tödlichen Folterung eines 11-Jährigen durch den Geheimdienst Assads, ein anderer Podiumsgast berichtete, wie er als 16-Jähriger mit der Peitsche gefoltert wurde.
Kritisiert wurde durch die Podiumsgäste die unkritischen Berichte über das Assad-Regime und die Übernahme der Assad-versus-Terroristen-Erzählung.
Kritisiert wurde auch die deutsche Friedensbewegung in Tübingen, die erst nach den US-Bombenangriffen unter Trump demonstrierte, den Konflikt vorher aber eher ignoriert hätte.
Das Podium und die Ausstellung sollen dazu dienen „Brücken [zu] bauen“, wie ein Podiumsgast betonte. Er hoffe auf mehr Verständnis, denn: „Niemand will seine Heimat verlassen.“
Die Geflüchteten erzählten auch von ihren Problemen mit den Regeln in Deutschland.

Die Foto-Ausstellung ist sehenswert und lohnt einen Besuch. Ob sie aber Menschen mit Vorurteilen erreicht, ist fraglich. Dazu müssten sich diese auf die Ausstellung einlassen und sie freiwillig anschauen. Mit dem Format einer öffentlichen Ausstellung werden eher die ohnehin Gutwilligen erreicht.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Oktober 2018. Sie wurde auch in einer Sonderausgabe des Magazins „TÜnews International“ (www.tunews.de) dokumentiert.
Die Texte der Ausstellung sind zweisprachig: Deutsch und Arabisch.

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