Seminar: Geschichte und Theorie der dissidenten Arbeiterbewegung

Es wird dieses Semester ein Seminar zur dissidenten Arbeiterbewegung von der Kritische Uni Tübingen geben:

Das, was man gemeinhin als Arbeiterbewegung kennt, konstituiert sich während der bürgerlichen Revolutionen des 19. Jahrhunderts. Solch unterschiedliche Persönlichkeiten wie Proudhon, Bakunin, Marx und Engels schreiben ihre Revolutionstheorien und verbinden diese mit einer Theorie der bürgerlichen Gesellschaft. Marx und Engels können im Kommunistischen Manifest noch darauf hoffen, dass sich dem Bestreben der Arbeiter ein liberales und aufgeklärtes Bürgertum anschließt, dem es um die Verwirklichung der Ideale der bürgerlichen Revolution geht. Während diese Hoffnung spätestens mit der Niederschlagung der Pariser Commune für die bürgerlichen Staaten Europas an Glaubwürdigkeit verliert, bleibt im Agrarstaat Russland eine Konstellation aus bürgerlichem Materialismus und Marxismus erhalten. Das Resultat dieses Umstandes ist - wie es Rosa Luxemburg in ihrer Besprechung der Russischen Revolution anerkennt - der heroische Versuch die Revolution ohne kapitalistische Grundlagen zu machen.
Durch eine zunehmende Bolschewisierung der kommunistischen Parteien Europas nach der Russischen Revolution geraten diejenigen Stimmen der Arbeiterbewegung im Westen ins Hintertreffen, die grundsätzlich andere politische Organisationsformen anstreben. Diese dissidente Arbeiterbewegung kritisierte in ihren Texten auf unterschiedliche Weise die Russische Revolution, um deren Intention zu bewahren. Wir wollen uns zu Beginn dieser study group einzelnen Protagonist*innen dieser Arbeiterbewegung widmen und insbesondere Texte von Rosa Luxemburg und den Linkskommunisten Paul Mattick und Karl Korsch lesen und uns schließlich auch zeitgenössische linkskommunistische Strömungen anschauen.

Start: 02.11.2018 (danach immer freitags)
Ort: Raum X, Burse, Bursagasse 1
Zeit: 16 bis 18 Uhr