Cyberleak: Wie Uni und MPI in Sachen Amazon Druck auf den Gemeinderat ausübten

Am 19. Dezember noch beschwörten die Unileitung und weitere Cyber-Valley-Insider vor vollbesetztem Hörsaal wieder und wieder ihre Unabhängigkeit von der Industrie. Nur einen Tag nach der öffentlichen Diskussion richteten MPI und Universität Tübingen hingegen einen eilig verfassten Brief an Stadtverwaltung und Gemeinderat. Dieser sollte noch am selben Tag der Verlängerung der Verkaufsoption für ein städtisches Grundstück an die Reisch GmbH für den Bau des Amazon Entwicklungszentrums zustimmen. Unter den offiziellen Vorlagen der Sitzung findet sich der Brief zwar nicht, er lag jedoch allen Abstimmungsberechtigten vor. Darin wird der Gemeinderat dringend aufgefordert, dem Bau des Amazon-Entwicklungszentrums unbedingt und am vorgesehenen Ort zuzustimmen, da sonst das von Landesregierung, MPI und Universität auf den Weg gebrachte Projekt Cyber Valley zum Scheitern verurteilt wäre. Deshalb müsse der Tübinger Gemeinderat nun parieren: U.a. heißt es in dem Schreiben, dessen erste Seite nun aufgetaucht ist:

"Das Cyber Valley wurde als eine der größten Forschungskooperationen Europas durch den gemeinsamen Entschluss von Max-Planck-Gesellschaft, den Universitäten Stuttgart und Tübingen und des Landes Baden-Württemberg in Angriff genommen. NUR IN ZUSAMMENARBEIT MIT WEITEREN PARTNERN AUS DER WIRTSCHAFT KANN DIESE INITIATIVE DIE NOTWENDIGE STRAHLKRAFT ENTFALTEN UND DEN TECHNOLOGIETRANSFER IN DIESEM ZUKUNFTSGEBIET STÄRKEN... Die im Oktober 2017 angekündigte und seit Anfang 2018 umgesetzte Ansiedlung eines Forschungszentrums vin Amazon in Tübingen war aus Sich von Amazon die Grundvoraussetzung für den Eintritt von Amazon in das Cyber Valley, siehe auch die Pressemitteilung der MPG und von Amazon vom 23.10.2017*. Die örtliche Präsenz und unmittelbare räumliche Nähe von KI-Forschungsaktivitäten der Cyber Valley Partner IST VON GROßER BEDEUTUNG FÜR DAS GELINGEN DER FORSCHUNGSKOOPERATION CYBER VALLEY."

Schreiben des MPI und der Universität Tübingen an Stadtverwaltung und Gemeinderat vom 20.12.2018