Workshop am 04. Mai: Gerechtigkeit jenseits von Justiz, Polizei und Gefägnis

[English below]

Warum reden wir in unseren Zusammenhängen eigentlich so viel davon, dass wir die Polizei ablehnen und rufen sie dann doch immer wieder an? Oder sind komplett ratlos, wie wir ohne sie agieren sollen? Und warum haben wir auch nach all den Jahren feministischer Kämpfe immer noch keine etablierten Konzepte zum Umgang mit zwischenmenschlicher und sexualisierter Gewalt?

Wir halten es für unabdinglich unsere theoretische Ablehnung von Polizei und Patriarchat nicht nur als Stickermotive zu verwenden, sondern auch eine Praxis zu entwickeln, die Alternativen sucht und erarbeitet. Wir wollen sowohl einen Umgang mit Gewalt in unseren Zusammenhängen finden, der nicht auf den Prinzipien von Straflogik und staatlicher Gewalt beruht, als auch Verantwortung übernehmen für die Umstände, die auch in emanzipatorischen Gemeinschaften zwischenmenschliche Gewalt ermöglichen.

Wir sehen zwischenmenschliche Gewalt nicht als Ausdruck von Krankheit oder Bösartigkeit, sondern als sozial, soll heißen gesellschaftlich gemacht. Die Gesellschaft in der wir leben ist zutiefst durchzogen von Herschaft, Strafe und Gewalt. Wenn wir (sexualisierte) Gewalt in unseren Räumen, Gruppen und Beziehungen beenden wollen, kommen wir nicht an diesen Herrschaftsverhältnissen vorbei.
Daher wollen wir in diesem Workshop mit einigen Überlegungen zu den Zusammenhängen von Patriarchat (geschlechterbezogener Unterdrückung), Staat und Gewalt beginnen, die Logik des Strafens zu hinterfragen und schließlich alternative Konzepte zum Umgang mit Gewalt in unseren Gemeinschaften vorstellen.

Dabei wollen wir keinen Masterplan erklären, sondern mit Euch zusammen vorhandene Konzepte kennen lernen, Ideen und Erfahrungen austauschen und euch anregen, sich selbst Gedanken zum Thema zu machen. Wir wollen mit Euch beginnen, in unseren eigenen Umfeldern daran zu arbeiten, zwischenmenschlicher Gewalt ohne den strafenden Staat begegnen zu können und auf Dauer nicht nur Feuerwehr mäßig, nachdem es zu Übergriffen kam, zu reagieren, sondern den Umständen, die diese gewaltvollen Verhältnisse erst ermöglichen, ein Ende zu setzen.

Wir versuchen in dem Workshop möglichst allgemein verständliche Worte zu benutzen oder Fach und Szenebegriffe sonst zu erklären. Sodass ihr auch ohne Vorwissen herzlich willkommen seid.

Schelling | Samstag 04.05.2019 | Beginn 18:00 Uhr

[The workshop is held in German, but we can translate into English]