"sMAIL-Nazi" bedroht Passanten

Am Mittwoch, den 15. Mai 2019 gegen 12:40 Uhr beschimpfte in der Tübinger Innenstadt ein offenbar rechter sMAIL-Bote zwei Passanten. In der Langen Gasse, kurz vor dem Holzmarkt, stieg dieser von seinem Fahrrad und drohte den Fußgängern ohne erkennbaren Grund: „Ich schlitz euch auf ihr scheiß Zecken“. Eine vorhergehende Auseinandersetzung gab es nicht, die Bedrohten setzten ihren Weg nach kurzem Innehalten fort, ebenso der sMAIL-Bote.

Dieser Bote ist in großen Teilen Tübingens als „sMAIL-Nazi“ bekannt. Er ist ca. 1,80 m groß, normale Statur, kein Bart, trägt stets schwarze Kleidung inklusive Basecap und hat meistens die Hosenbeine hoch gekrempelt. Dort und an seinen Unterarmen sind viele Tätowierungen zu erkennen, teilweise zeigen diese bei Rechten beliebte Symbole wie einen Thorshammer oder eine (verfremdete) Wolfsangel. Beide Motive sind großflächig auf den Unterschenkeln tätowiert. Er ist immer auf einem Fahrrad unterwegs, das i.d.R. mit einem sMAIL-Korb o.ä. ausgestattet ist. Der „sMAIL-Nazi“ stellt zumindest im Altstadt-Gebiet und in der Südstadt zu, wo auch viele linke und selbstverwaltete Wohnprojekte, Häuser und WGs ansässig sind.
Die sMAIL-Hauptverwaltung in Reutlingen teilte auf Nachfrage mit, dass besagter Bote die beobachtete Bedrohung zugegeben hat. Die zwei Personen die er bedroht hat, seien ihm schon öfter „aufgelauert“, er bedauere seinen „Gefühlsausbruch“ und es käme nicht wieder vor. Außerdem sei er als Mitarbeiter zuverlässig und höflich sowie schon lange aus der rechten Szene ausgestiegen. Er soll von sMAIL eine Verwarnung wegen des Vorfalls erhalten haben.
Für einen glaubwürdigen Ausstieg aus rechten Szenen gibt es aus guten Gründen Kriterien, oftmals wird ein vermeintlicher Ausstieg von Neonazis und anderen Rechten als Schutzbehauptung vorgeschoben, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Die Kriterien umfassen neben einem Verbauen aller Rückwege in die Szene auch das Preisgeben szeneinternen Wissens und eine öffentliche Distanzierung. Nichts davon ist von dem „sMAIL-Nazi“ bekannt, daher scheint ein Ausstieg höchst unwahrscheinlich. Auch die offensichtliche Morddrohung gegen (vermeintlich) politisch unliebsame Personen spricht für ein nach wie vor bestehendes rechtes bzw. neonazistisches Weltbild. In diesem wird allen Menschen, die nicht zur sog. „Volksgemeinschaft“ gehören und/ oder anders Denken, das Lebensrecht abgesprochen. Gewalt zur Durchsetzung der eigenen Ziele ist kein Betriebsunfall von Rechts, vielmehr ist diese fest in der menschenverachtenden rechten und neonazistischen Ideologie verankert und deren zentraler Bestandteil.

Aufgerufen sind an dieser Stelle
- alle Menschen, die kein Bock auf Nazis haben: beobachtet, ob ihr auch vom „sMAIL-Nazi“ beliefert werdet, sprecht ihn an NUR wenn ihr euch das zutraut, wer weiß wie gefährlich er tatsächlich ist (wirklich, passt dabei auf euch auf und lasst die Situation gegenüber dem besagten Boten nicht eskalieren); beschwert euch ggf. bei sMAIL über diesen Mitarbeiter.
- der besagte sMAIL-Bote: sollte er tatsächlich aus einer/ „der“ Rechten Szene ausgestiegen sein, muss er das glaubwürdig rüber bringen; dazu gehören auch o.g. Kriterien und ein wirkliches Ablegen der rechten, menschenverachtenden Überzeugungen.
- das Unternehmen sMAIL: sollte sich überlegen, ob sie die fragwürdigen Aussagen dieses Mitarbeiters ungeprüft anerkennt und sich ggf. von ihm trennen.