4 ½ Jahre Syriza-Regierung in Griechenland: eine Bilanz

09.07.2019 20:00

Diskussion mit Prof. Athanasios Marvakis, Thessaloniki

Club Voltaire, Tübingen, Haaggasse 26b

Veranstalter: Gruppe ZAK³ Tübingen, Rosa-Luxemburg-Stiftung Ba-Wü

Am 7. Juli 2019 wird das griechische Parlament neu gewählt. Damit endet möglicherweise die Regierungszeit der linken Syriza-Partei. Ihr Amtsantritt Anfang 2015 war von großer Euphorie und hohen Erwartungen begleitet, auch bei linken Strömungen in Westeuropa. Im Widerstand gegen die neoliberalen „Memoranden“ der EU-Troika gestartet, schwenkte sie jedoch bald um und exekutierte strenge Sparprogramme und Privatisierungen. Die Einschätzungen über diese Politik gehen auseinander. Die einen sagen: Angesichts der Kräfteverhältnisse in der EU gab es keine praktikable Alternative zum eingeschlagenen Kurs. Und immerhin ist es mittlerweile gelungen, die EU-"Programme" zu verlassen und so eine etwas sozialere Politik umzusetzen. Die anderen sagen: Syriza ist gegenüber Brüssel und Berlin eingeknickt und hat dadurch für eine allgemeine politische Demoralisierung gesorgt. Sie verweisen auf "sozialen Verheerungen" dieser Politik in der griechischen Gesellschaft.

Am 9. Juli wollen wir gemeinsam mit Athanasios Marvakis eine Bilanz dieser 4 ½ Jahre ziehen und ausloten, wie es nach den Neuwahlen weiter gehen könnte. Themen sind: die Finanzkrise, die Spar- und Privatisierungsprogramme, Migration/Flucht, Nationalismus (Mazedonien-Frage), gesellschaftliche Reformen, das Verhältnis zwischen Griechenland und EU/Deutschland, griechische Reparationsansprüche gegenüber Deutschland, linke Perspektiven in Griechenland und in Europa.

Prof. Athanasios Marvakis ist Sozialwissenschaftler an der Aristoteles-Universität in Thessaloniki. Er hat vor 25 Jahren in Tübingen promoviert und hat in den vergangenen Jahren schon mehrfach in Tübingen über die politische Lage in Griechenland gesprochen. Sein Vortrag erfolgt auf Deutsch.