Hinweis zur Grigat Veranstaltung an der Uni Tübingen

Nachdem nachdem über verschiedene linke Verteiler eine Veranstaltung des Jungen Forums der Deutsch Israelischen Gesellschaft, "Exodus der arabischen Juden", beworben wurde, hier einige Anmerkungen zu den Veranstaltenden und dem Inhalt. Veranstalter ist das „Junge Forum“ der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, eine pro-israelische Lobbyorganisation. Der eingeladene Referent ist Stephan Grigat, der sich am rechten Rand der antideutschen Szene bewegt.
Wir entschieden uns dazu, uns als Gruppe zu organisieren, nachdem bei einer anderem vom StuRa finanzierten Veranstaltung der Hochschulgruppe
der DIG im Dezember 2018 mehreren Studierenden, DozentInnen und DoktorandInnen der Universität der Zutritt verweigert wurde. Dies betraf
insbesondere Menschen, von denen kritische Nachfragen befürchtet wurden, wobei offenbar auch ein angeblich „arabisches Aussehen“ ein Kriterium
war.
Wir betonen, dass eine Kritik an israelischer Regierungspolitik und zionistischen Positionen in keinerlei Widerspruch zum Kampf gegen
Antisemitismus steht. Rassismus in jeder Form, ob antijüdisch, anti-muslimisch oder sonstwie, muss bekämpft werden.
In diesem Sinne verurteilen wir alle Aktivitäten und Organisationen, die Jüdinnen und Juden zur Flucht zwangen, ob aus Europa oder Ländern des
Maghreb und Mittleren Ostens. Allerdings zweifeln wir an dem von Grigat vertretenen Rettungsnarrativ, demzufolge die arabischen Jüdinnen und
Juden erst durch den europäischen Zionismus von ihrer Verfolgung in arabischen Ländern gerettet worden seien. Weiter unten findet ihr einen
Text, in dem wir diese Zweifel anhand historischer Quellen ausführlich belegen.
Selbstverständlich sind wir der Ansicht das, sollte dieses Recht gefordert werden, ein Recht auf Rückkehr für alle jüdischen Geflüchteten
Gültigkeit besitzt. Genauso wie das Recht auf Rückkehr der nach Angaben der UN mehr als 5 Millionen PalästinenserInnen die in Folge der
Staatsgründung Israels bis heute als Flüchtlinge leben.
Krieg und Besatzung sind Verbrechen, gegen die wir gemeinsam aufstehen und uns zur Wehr setzten müssen.

Misrachim als jüdische Opfer des Zionismus
Ansätze zur Gegendarstellung des Rettungsnarrativs

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die arabischen Juden waren keine aktiven Subjekte des Zionismus, sondern Opfer zionistischer Aktivitäten und arabischer Reaktion. [...] Sie waren Opfer des Zionismus, der nicht wählerisch war in seinen Mitteln, die jüdischen Gemeinden aus den arabischen Ländern zu vertreiben oder zur Flucht zu veranlassen (Kamil 2008, S. 170).

Write down! Me too, I ́m an Arab. But unlike
Mahmoud Darwish, I ́m an Arab from the Jews.
Write down! I too, am an Arab. A cursed Arab.
Destroyed. Confused. And I have passed through
many identities before deciding which I shall be.
Write down! We are Arabs“ (Nafar und Zabari
2016).

Leugnung misrachischer Geschichte
in zionistischen Narrativen

In Vermeidung des Wortes Palästina werden die palästinensischen Staatsbürger*innen Israels meist nur als „Araber*innen“ bezeichnet. Das übergeht nicht nur die Selbstdefinition von Palästinenser*innen, sondern auch die vielfältigen Identitäten arabischer, persischer und tür-
kischer Jüdinnen und Juden, die häufig mit dem Begriff der „Misrachim“ umschrieben werden. Damit sind in Abgrenzung zu den aus Europa kommenden Aschkenasim die Jüdinnen* gemeint, die aus Ländern des Nahen und Mittleren Ostens nach Israel einwanderten. Es ist eine Identität, die erst in Israel entstand. Die Menschen kamen etwa als jüdische Iraker*innen oder irakische Jüdinnen*, erst in Israel entwickelten sich insbesondere durch vielschichtige Erfahrungen von Ausgrenzung und Unterdrückung durch zionistische Organisationen und den israelischen Staat so etwas wie verschiedene misrachische Identitäten. Diese Unterdrückung zeigt sich besonders in etwas was die israelisch-misrachische Historikerin Ella Shohat als „Diebstahl der Geschichte“ bezeichnet: „Ein zentrales Kennzeichen des Kolonialismus ist die Verzerrung und Leugnung der Geschichte der Kolonisierten“ (Shohat 1988, S. 7). Ein Vortrag wie der von Stephan Grigat setzt diese Leugnung fort. Es wird versucht die komplexen Zusammenhänge und Prozesse jüdischen Lebens im Maghreb und dem Mittleren Osten in ein einfaches Narrativ aufzulösen, in dem die europäische Bewegung des Zionismus als Befreier der unterdrückten Jüdinnen und Juden im Nahen und Mittleren Osten erscheint. Dabei werden alle Stimmen systematisch übergangen, die diese Erzählung in Frage stellen. Einige
dieser Stimmen soll in diesem Text Raum gegeben werden.

Rassismus und Zionismus
Zionismus entstand als eine Bewegung in Europa, in von kolonialem und rassistischem Denken geprägten Diskursen und setzte diese fort. Israel wurde als eine Art „besseres Europa“ imaginiert oder in den Worten Theodor Herzls als „ein Stück des Walles gegen Asien [...]. Wir würden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen“. Ein Beispiel dafür wie verankert Rassismen in Israel seit Gründung waren und wie sehr sich diese auch gegen jüdische Einwanderer*innen aus nicht-europäischen Ländern richteten, ist eine Stellungnahme von Arye Gelblum in der Zeitung Haaretz vom 22. April 1949.
Er schreibt zur Frage, ob marokkanische Kinder jüdischer Herkunft aufgenommen werden sollten, die im Zuge der Ausschreitungen nach dem Krieg 1948 geflohen waren.

Einwanderung zwischen Rettungsnarrativ & dem Aufbau des Staates
Diese Bedrohungen waren für die Einwanderungsbestimmungen Israels jedoch wenn überhaupt nachrangig. So hielt etwa der in Israel aufgrund erfolgreicher militärischer Operationen als Held verehrte Itzhak Ben-Menachem fest: „Masseneinwanderung kann es nur als Ergebnis von Leiden geben. Dies ist eine bittere Wahrheit, ob sie uns gefällt oder nicht. Wir müssen die Möglichkeit in Erwägung ziehen, Leiden zu verursachen, Leid in der Diaspora herbeizuführen“ (Śegev et al. 2010, S. 148). Entscheidend für die Zeiträume, in denen Einwanderung aus nicht-europäischen Ländern zugelassen wurde und für das Ausmaß dieser Einwanderung waren immer ökonomische, militärische und demographische Erwägungen: „Die europäisch-zionistische Rettungsphantasie bezüglich der Juden* aus dem Orient verschleiert, zusammengefasst, die Notwendigkeit sich selbst vor einem möglichen ökonomischen und politischen Kollaps zu retten“ (Shohat 1988, S. 16).
„Dies ist eine Rasse, wie wir noch keine gesehen haben. [...] Die Primitivität dieser Leute ist unübertrefflich. Sie haben fast überhaupt keine Bildung, und noch schlimmer ist ihre Unfähigkeit, irgendetwas Intellektuelles zu verstehen. In der Regel sind sie nur ein kleines bisschen fortgeschrittener als die Araber, N[-Wort] und Berber in ihren Ländern [Sie sind] völlig von wilden und primitiven Instinkten beherrscht [...] Nichts ist sicher vor diesem antisozialen Element, kein Schloss ist stark genug. [...] Die besondere Tragödie bei diesen Einwanderern besteht darin, dass im Gegensatz zu dem schlechten Menschenmaterial aus Europa bei ihnen auch von den Kindern nichts zu erhoffen ist“ (zitiert in Śegev et al. 2010, S. 199–201).

Bedrohung jüdischen Lebens im Maghreb und dem Nahen Osten
Es gab Bedrohungen für jüdisches Leben in den Ländern des Maghreb und des Nahen Ostens. In der französischen Kolonie und dem späteren Protektorat Marokko etwa wurden sie einerseits durch das Kolonialregime tendenziell bevorzugt behandelt (was zu Spannungen mit anderen Bevölkerungsgruppen beitrug), andererseits versuchte Frankreich unter dem Vichy Regime antijüdische Gesetze einzuführen, was König Mohammad V allerdings ablehnte: „Wie in der Vergangenheit stehen die Israeliten auch künftig unter meinem Schutz. Ich lehne es ab, zwischen meinen Untertanen zu unterscheiden“ (zitiert in Satloff 2007, S. 111). Mit dem Erstarken antikolonialer Befreiungsbewegungen und des Zionismus, der einerseits be-
hauptete alle Jüdinnen* zu vertreten und andererseits vor allem als koloniale, europäische Bewegung wahrgenommen wurde, waren Jüdinnen* in diesen Ländern zunehmend bedroht und es kam zu Spannungen und Übergriffen. Im Kontext arabisch-nationalistischer antikolonialer Bewegungen wurden unter Verwendung antisemitischer Stereotype aus Europa auch Jüdinnen* im Allgemeinen zur Zielscheibe von Propaganda (vgl. Kamil 2008, S. 169). Als Ansatz für den Versuch, palästinensische Arbeiter*innen im Zuge der Ideologie der „hebräischen Arbeit“ zu boykottieren und die Lohnkosten dennoch gleichbleibend gering zu halten, schrieb etwa die Zeitung HaPoel HaTzair als offizielles Organ der Zionistischen Arbeiter-
partei: „Das ist der einfache, natürliche Arbeiter fähig jede Art von Arbeit zu verrichten, ohne Scham, ohne
Philosophie und auch ohne Poesie. Und Herr Marx ist natürlich sowohl in seiner Tasche also auch in seinem
Verstand abwesend” (zitiert in Shohat 1988, S. 14). Noch während des Osmanischen Reiches wurde „die sephardische Option“ Praxis. Es liegen detaillierte Beschreibungen physischer Merkmale vor (etwa „starke Beine“, „kleine Gesichter und schmale Hände“) welche im Zuge der Auswahlprozesse gesammelt wurden, um nur die gesündesten und geeignetsten Personen zu finden.

Selektive Einwanderungspolitik und der Begriff des „Menschenmaterials“
Erst als deutlich wurde, dass die Einwanderung europäischer Juden* nicht ausreichen würde, um eine demographische Mehrheit zu bilden, gerieten auch nicht-europäische Juden* in den Fokus des Zionismus. So formulierte etwa Berl Locker, Leiter der Exekutive der Jewish Agency in einem als geheim gekennzeichneten Bericht 1948 (zitiert in Kamil 2008, S. 167): „Aus unserer Sicht werden die sephardischen und jemenitsischen Juden eine entscheidende Rolle beim Aufbau des Staates spielen. Wir müssen sie zwar hierher bringen, um sie zu retten, aber auch um das für den Aufbau des Staates notwendige menschliche Material zu haben.“ Der israelische Außenminister Mosche Sharett formulierte: „Es gibt Staaten – und ich nahm Bezug auf Nordafrika – aus denen nicht alle Juden einwandern brauchen. Denn es ist nicht nur eine Frage der Quantität, vielmehr der Qualität“ (zitiert in Kamil 2008, S. 163). Der Begriff des „Menschenmaterials“ findet sich in diversen Berichten und Schreiben. So heißt es etwa in einem Schreiben von Yitzchak Rafael, dem Leiter der Einwanderungsabteilung der Jewish Agency und Politiker der Mapai, nach dem Besuch eines Transitlagersnordafrikanischer Juden* in Marseille: „Das nordafrikanische Menschenmaterial ist nicht besonders gut“ (zitiert in Śegev et al. 2010, S. 195). Entsprechend wurde auch
die Einwanderung nach Israel reguliert. Entscheidend war nicht die Bedürftigkeit (die dann etwa Kindern, Älteren, Kranken,... Vorrang gegeben hätte), sondern die erwartete ökonomischen und militärische Nützlichkeit. Rund einem Drittel der Bewerber*innen aus Marokko wurde das für das zionistische Selbstverständnis so zentrale „Recht auf Rückkehr“ verweigert (vgl. Picard 2017, S. 8). In einem
Artikel der Haaretz aus dem Jahr 1948 werden die angewendeten Auswahlverfahren detailliert geschildert: „In David Daninos Identifikationskarte ist vermerkt, dass er nicht zu physischer Arbeit fähig ist. Dem Arzt war gesagt worden, dass er etwas hinkt. Der Arzt fordert Danino auf einige Schritte zu rennen. Danino versteht, dass das ein schicksalhafter Test ist. Er rennt vorwärts, mit mehr Energie als notwendig in dem Versuch zu zeigen, dass er mit Leichtigkeit Rennen und Laufen kann. Er kehrt zurück und steht vor dem Arzt, in den Augen ein stummes Flehen.“

Die fortgesetzte Diskriminierung der Misrachim in Israel
Für die Juden* die nach Verfahren wie diesem nach Israel kamen, setzten sich die Diskriminierungen hier fort. Zeitzeugen berichten die Menschen seien „wie Vieh, das zum Markt gebracht wird“ (Shabi 2009, S. 66) in sogenannte „Entwicklungsstädte“ oder „Übergangslager“ transportiert worden, der Leiter eines solchen Lagers erinnert sich: „Die Leute von der Jewish Agency riefen mich an und sagten: „Du wirst Leiter des Übergangslagers. Und was wollen wir von dir? Ganz einfach: Wir schicken dir nur nachts Einwanderer. Nicht am Tag, damit sie nicht sehen, wie es im Lager aussieht. Überrede sie – auf Französisch, auf Marokkanisch, in irgendeiner Sprache die du kannst, Yitzhak-, aus den Lastwagen auszusteigen [...] Wenn sie alle draußen sind, schickst du den Lkw sofort weg, bevor die Leute womöglich wieder reinklettern und versuchen abzuhauen“ (zitiert in Shabi 2009, S. 66). Nachdem die verheerenden Zustände in den Transitlagern bekannt wurden, nahm die Zahl der Immigrationswilligen aus Nordafrika zunächst ab. Teilweise versuchten Menschen, die Transitlager zu verlassen, um nach Marokko zurück zu kehren und in einem Bericht der Jewish Agency aus dem Jahr 1949 heißt es: „Die Leute müssen praktisch mit Gewalt auf die Schiffe gebracht werden“ (zitiert in Śegev et al. 2010, S. 211). Die Unterdrückung und Diskriminierung von Misrachim setzte sich in Umerziehungsprogrammen, zu denen auch die Armee gezählt wurde (so erklärte Ben Gurion in einem Interview 1957, die israelische Armee rekrutiere „arabische Wilde“, welche die Armee als „Israelis“ verließen (zitiert in Benite 2016, S. 1)) fort und in einer ökonomischen Ungleichheit, die bis heute anhält.

Widerstand
Doch solange es diese Diskriminierung von Juden* nordafrikanischer und asiatischer Herkunft in Israel gab, solange gab es auch Proteste und Widerstand gegen sie. Es wurden und werden jüdische Positionen entwickelt, die sich gegen den Zionismus als koloniales Projekt wandten.
Beginnend bereits in den Transitlagern entstand in den 70er Jahren eine Black Panther Bewegung in Israel, welche explizit auf die gleichnamige Bewegung in den USA Bezug nahm (vgl. Shohat 1988, S. 29–30; Wurmser 2005, S. 6). Wie in der anfangs zitierten Performance von Tamer Nafar und Zabari werden dabei palästinensische und misrachische Positionen immer wieder zusammen gedacht.
Ein aktuelles Beispiel hierfür ist etwa die „Mizrachi-Palästinensische Partnerschaft“. In ihrem Manifest formuliert das Kollektiv von Mizrachi-Aktivist*innen im März 2016 „Angesichts eines Klimas, das durch Angst, Diskriminierung, Segregation und Hetze geprägt ist, haben wir uns zusammengeschlossen, um Bündnisse zu schmieden, Partnerschaften aufzubauen, die Grenzen von Gruppenzugehörigkeit, Ethnie, Gender und Staatsangehörigkeit zu überwinden und um Hoffnung zu spenden“ (Gemeinsame Initiative “Mizrahi Palestinian Partnership” 2016, S. 1).

Quellen
Benite, Zvi Ben-Dor (2016): Zwischen Ost und West - Die
Mizrachim. Hg. v. Rosa Luxemburg Stiftung Israel. Online
verfügbar unter http://www.rosalux.org.il/die-mizra-
chim/, zuletzt geprüft am 29.06.2019.
Gemeinsame Initiative „Mizrahi Palestinian Partnership“
(2016): Dokumentiert: Die Mizrachi-Palästinensische
Partnerschaft. Online verfügbar unter http://www.
rosalux.org.il/dokumentiert-die-mizrachi-palastinensi-
sche-partnerschaft/, zuletzt aktualisiert am 2016, zuletzt
geprüft am 29.06.2019.
Kamil, Omar (2008): Arabische Juden in Israel. Geschich-
te und Ideologie von Ben Gurion bis Ovadia Yosef. Zugl.:
Leipzig, Univ., Diss., 2003 u.d.T.: Kamil, Omar: Von Ben
Gurion zu Ovadia Yosef: der aschkenasische Staat und die
Funktion der arabischen Juden. Würzburg: Ergon-Verl.
(Ex oriente lux, 9).
Nafar, Tamer; Zabari, Yossi (2016): Ana Mish Politi - I ́m
not political. Online verfügbar unter https://www.you-
tube.com/watch?v=aIYbJ2NYaQI, zuletzt geprüft am
29.06.2019.
Picard, Avi (2017): Building the country or rescuing the
people: Ben-Gurion ́s attitude towards mass Jewish im-
migration to Israel in the mid-1950s. Bar-Ilan University
(Middle Eastern Studies). Online verfügbar unter https://
doi.org/10.1080/00263206.2017.1414698, zuletzt ge-
prüft am 29.06.2019.
Satloff, Robert Barry (2007): Among the righteous. Lost
stories from the Holocaust’s long reach into Arab lands.
New York: PublicAffairs.
Śegev, Tom; Dierlamm, Helmut; Freundl, Hans (2010): Die
ersten Israelis. Die Anfänge des jüdischen Staates. Mün-
chen: Pantheon.
Shabi, Rachel (2009): Wir sehen aus wie der Feind. Arabi-
sche Juden in Israel. Berlin: Berlin-Verl.
Shohat, Ella (1988): Sephardim in Israel: Zionism from
the Standpoint of Its Jewish Victims. In: Social Text
(19/20), S. 1. DOI: 10.2307/466176.
Wurmser, Meyrav (2005): Post-Zionism and the Sephar-
di Question. In: Middle East Quaterly. Online verfügbar
unter https://www.hudson.org/content/researchattach-
ments/attachment/437/wurmser_post_zionism.pdf, zu-
letzt geprüft am 29.06.2019.

Stephan Grigat - Keinen Raum für Kriegstreiber!

Stephan Grigat bewegt sich am rechten Rand der antideutschen Szene. Der Islam wird hier immer wieder als
lleiniger Ursprung eines ‚neuen Faschismus‘ stilisiert. Der linke Deckmantel der Antideutschen ist längst abgestreift – Grigat hat an neurechten Ufern angelegt, verteidigt imperialistische Politik und tritt offen als Kriegstreiber auf. Er schreibt dabei auch für die Bahamas – eine Zeitschrift, die rechtsextremen Positionen offen gegenübersteht. So lobt Bahamas-Autor Thomas Maul die AfD als „einzige Stimme der Restvernunft im Deutschen Bundestag“ und die Islamfeindlichkeit Marine Le Pens, sowie Positionen der National Defense League werden nicht nur gebilligt, sondern gar gewürdigt.

„Würde sich tatsächlich eine dezidiert anti-anti-
semitische Rechte herausbilden, könnte das nicht
nur den jüdischen Gemeinden in Deutschland
und Österreich - oder allgemeiner: in Europa -
eine gewisse Erleichterung verschaffen, sondern
es würde Israel auch einen grösseren Handlungs-
spielraum bei seiner europäischen Bündnispolitik
ermöglichen.“
- Stephan Grigat in: „FPÖ und AfD -
Antisemitismus, völkischer Nationalismus
und Geschlechterbilder“, 2017

Grigat & Iran

Grigat ist Mitinitiator bei „Stop the Bomb“ – klingt gut, ist es aber nicht. Die Initiative fordert explizit die Anwendung
gezielter Militärschläge gegen den Iran. Grigats Kritik am iranischen Regime ist dabei hauptsächlich seiner rassistischen Einstellung gegenüber dem Islam geschuldet: Alle dominanten Strömungen des Islam, schreibt er, sind strukturell antisemitisch und sammeln „unter dem Banner Allahs die Kräfte der Gegenaufklärung und die Todfeinde der Freiheit“. Grigat tritt offen als konservativer Kriegstreiber auf, der unter dem Banner des Antisemitismus paradoxer Weise seine rechte Ideologie verbreitet.

Grigat & Palästina

Grigat fordert uneingeschränkte Solidarität mit dem Staat Israel, weder die Einstaaten- noch die Zwei-Staaten-Lösung sind folglich eine Option für ihn. Kritik an der israelischen Regierungspolitik wird per se zu Antisemitismus verklärt. Die brutale und völkerrechtswidrige Unterdrückung
der Palästinenser*innen werden weder erwähnt noch verurteilt. Im Gegenteil Die ‚Gefahr des islamischen Faschismus‘ veranlasste Grigat dazu, der israelischen Regierung zu empfehlen, noch repressiver gegen Palästinenser*innen vorzugehen und ein Knesset-Verbot für ‚islamistische
arabische Israelis‘ zu verhängen. Das rassistische Nationalstaatsgesetz, das die kolonialistische Besatzung Palästinas einmal mehr verdeutlicht, ist bekanntlich seit einem Jahr verabschiedet. Man müsse, so Grigat, „alles tun, um die Möglichkeiten reagierender oder präventiver Selbstverteidigung“ Israels zu gewährleisten. Nicht nur in Bezug auf den Iran, auch in Bezug auf den Israel-Palästina-Konflikt
tritt Grigat offen als Militarist und Kriegsbefürworter auf.

Der aggressive Imperialismus der israelischen Regierung und aller daran beteiligten Staaten muss als solcher anerkannt werden. Siedlungskolonialismus, Ghettoisierung und die wirtschaftliche Erdrosselung der Palästinenser*innen dürfen nicht länger gebilligt werden. Die orientalistische Konstruktion des Feindbilds ‚Islam‘ ist die ideologische Rechtfertigung für militärische Interventionen.
Statt rechten Kriegstreibern hier einen Raum zu bieten, die sich für Bomben und koloniale Praktiken stark machen, sollte das StuRa Veranstaltungen unterstützen, die Wege aufzeigen, die wir beschreiten können, um gegen Rassismus vorzugehen und um gegen den Militarismus der Bundesregierung und ihrer Partnerstaaten zu kämpfen.
Wir sagen:
Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!