Sternplatz: Kein kleines linkes Fest mehr? - Tagblattartikel zu Platz für Rabatz

Seit zehn Jahren feiert ein Kollektiv rund um die Lu 15 auf dem Tübinger Sternplatz ein Fest. Stets ohne Anmeldung. Das will die Stadt nicht länger dulden.

Darf man, ohne zu fragen, auf einem öffentlichen Platz einfach ein Fest veranstalten? Mit lauter Musik aus Verstärkern? Ja, finden die Veranstalter des jährlichen Hip Hop Open Air auf dem Tübinger Sternplatz. Am Samstag hatten sie zum zehnten Mal den ehemaligen Kreisverkehr in der Südstadt zum „Platz für Rabatz“ erklärt. Es spielten Bands wie Krav Boca oder Chezz&DAM, etwa 200 Leute feierten bis kurz vor elf Uhr. Die Stimmung war gut, alles verlief friedlich, die Wüste Welle übertrug live.
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Prinzipiell fragen die Veranstalter bei der Stadt vorher nicht um Erlaubnis. Jeder solle das Recht haben, den Platz zu „beleben“, findet „Lukas“, der (lieber ohne Nachnamen) für das Veranstalterkollektiv spricht. Lukas wohnt in dem einstmals besetzen Haus in der Ludwigstraße 15. Die „Lu 15“, sagt er, stelle zwar die Infrastruktur für das Fest, doch organisiert werde die Veranstaltung von einer größeren Gruppe rund um das Wohnprojekt.

Der tote Platz sei wiederbelebt worden

„Wir brauchen keine Stadt, die uns so ein Fest genehmigt“, sagt auch „Udo“, ebenfalls Nachnamen-los und Lu 15-Bewohner. Der Platz sei das ganze Jahr über tot, es sei legitim, ihn einmal im Jahr für „die gesamte Bevölkerung nutzbar zu machen“. Zum Event gehöre schließlich auch ein Familienfest, das gut ankomme. Die Lärmbelästigung für die Nachbarn halte sich in Grenzen. Und Getränke würden nicht verkauft, sondern gegen Spenden abgegeben.

Die „Platz für Rabatz“-Leute sehen sich als Kollektiv. Es widerstrebt ihnen, gegenüber der Stadt eine einzige Person als verantwortlichen Ansprechpartner anzugeben. „Wir sind alle sehr verantwortungsbewusst“, sagt Udo. Es brauche deshalb keinen besonderen Verantwortlichen.
Das sieht man bei der Stadt etwas anders. Zwar haben weder Daniela Harsch, die Kulturbürgermeisterin, noch Rainer Kaltenmark, Leiter der Fachabteilung Ordnung und Gewerbe, grundsätzlich etwas gegen das Fest. Aber sie möchten, dass die Veranstalter in Zukunft ihr Open Air-Event rechtzeitig und mit vollem Namen bei der Stadt zur Genehmigung anmelden, so wie andere Veranstalter auch. Dies teilte die Stadt gestern sogar per Pressemitteilung mit.

Harsch: Fest ist zu groß

Das Fest sei zu groß und professionell geworden, begründete Daniela Harsch das ungewöhnliche Vorgehen der Verwaltung. Man könne es nicht mehr als „kleines linkes Fest“ durchgehen lassen. Mit der Pressemitteilung versuche die Stadt, „an die Organisatoren zu kommen“. Tatsächlich kennt Rainer Kaltenmark die Veranstalter nicht namentlich. „Die kennen mich zwar alle, aber ich kenne nur ihre Gesichter.“ Der Abteilungsleiter verweist auf Anwohner, die sich über Lärm beschwert hätten. Zudem sei das Event mit „mindestens hundert Plakaten“ beworben worden, die sogar entgegen den Regeln „nass geklebt“ worden seien. Auch habe die Stadt hinterher Müll wegräumen müssen. Und die Musik habe länger gespielt als vereinbart.

Kaltenmark hatte vor dem Fest persönlich mit den Veranstaltern gesprochen. „Die Gespräche waren gut“, sagt er, die Leute seien in Ordnung. Nur leider seien sie nicht bereit, sich zu irgendetwas zu verpflichten: „Die sagen dann, das nehmen sie als Anregung mit ins Orga-Team.“ Das aber könne die Stadt nicht länger akzeptieren. „Die machen ständig Unrecht zum selbstdefinierten Recht.“ Sollten die Veranstalter weiterhin keine Genehmigung beantragten, hält Kaltenmark es für möglich, dass die Stadt im nächsten Jahr schon beim Aufbau eingreift.
Darauf läuft es wohl hinaus, denn eine Genehmigung will das Kollektiv auf keinen Fall beantragen: „Dann wäre das Fest tot.“ Kaltenmark, sagen Udo und Lukas, habe einfach „das Prinzip nicht verstanden.“