Demonstration gegen das Cyber Valley und das geplante Amazon Forschungszentrum in Tübingen

Für vergangenen Donnerstag, zur geplanten Entscheidung des Gemeinderats über die Vergabe städtischen Bauplatzes an Amazon, wurde zu einer Demonstration gegen Amazon und das Projekt Cyber Valley angemeldet. Obwohl die Entscheidung des Gemeinderates um einen Monat verschoben wurde, über Amazon wird jetzt erst am 14. November entschieden, fand die Demonstration statt, schließlich entschied der Gemeinderat an diesem Tag stattdessen über den Bau eines Forschungszentrums von Bosch.

Dem sehr kurzfristigen Aufruf folgten trotzdem um 15 Uhr etwa 70 Menschen, und begleiteten den Lautsprecherwagen mit Transparenten und Schildern von der Karlsstraße, gegenüber dem Epplehaus, bis auf den Marktplatz vor das Rathaus, wo fünf Stunden lang, bis 20 Uhr, ausgeharrt, Redebeiträge vorgebracht, thematisch passende Lieder teilweise im Kanon gesungen, Leserbriefe zum Thema vorgelesen, ein Theaterstück zum besten gegeben und lautstark protestiert wurde. Einzelne Gemeinderatmitlgieder schauten immer wieder aus dem Fenster zum Protest, so lautstark wurden Parolen gegen Amazon und Cyber Valley gerufen.

Bei der mehr bürgerlichen Seite des Protestes steht die Stimmung zwar gegen Amazon, aber nicht gegen Bosch. Dass auch Bosch abzulehnen ist, wurde aber in einigen Redebeiträgen verdeutlicht.

Bosch forscht im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) vordergründig vor allem zu Sensoren für das autonome Fahren. Dies alleine steht aus ökologischer Schicht für die verstärkte Nutzung von PKWs anstatt mehr auf öffentlichen Verkehr zu setzen. Aus militarismus- und rassismusmuskritischer und anarchistischer Sicht, steht fest dass diesselben Sensoren und die KI-Software zur Erkennung von Personen und Verkehr nicht zuletzt für militärische Zwecke, z.B. vollautomatische Waffen und die Abschottung von Grenzen und Kontrolle des öffentlichen Raum genutzt werden.

Redebeiträge der Informationsstelle Militarisierung, der Kultur des Friedens, der Partei Die Linke, der Bürgerplattform Tübingen Neu Denken, der Antispeziesistischen Aktion, der MLPD und vieler mehr, befassten sich mit weitreichenden Aspekten von Amazon und der KI Forschung.

Vergangenes Jahren nahmen 150 Menschen an der Demonstration gegen das Cyber Valley und Amazon teil. Es ist damit zu rechnen, dass bei der entgültigen Entscheidung einige mehr kommen werden. Da das Amazon Hauptquartier in New York anfang diesen Jahres von der wütenden Bevölkerung verhindert wurde (siehe frei verfügbare Doku "Not in our hood"), dort hauptsächlich mit dem Wissen, dass Amazon eine Hypergentrifizierung auslösen würde, gibt es berechtigte Hoffnung auch hier Amazon verhindern zu können. Da in Berlin ebenfalls durch eine wütende Nachbarschaft der "Google Campus" in Neukölln verhindert wurde, sendeten die Aktivist*innen vor dort ein Grußwort an Tübingen, welches auf dem Markplatz verlesen wurde.

Vor 17 und um 18 Uhr wurde auf die parallel laufenden Kundgebungen in Gedenken an den antisemitischen Amoklauf in Halle und gegen den türkischen Einmarsch in die selbstverwalteten Gebiete in Nordsyrien (Rojava) hingewiesen. Dass viele der Teilnehmenden dem Hinweis folgten ist als positiv zu bewerten, in der Vermeidung einer Konkurrenz der Kämpfe und der Erschaffung einen solidarische gegenseitige Unterstützung.

Einige ausgewählte Redebeiträge, ein gesungener Kanon und ein paar Parolen: https://archive.org/details/amazon_fluechtlingsbekaempfung

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