Andere Waffen haben wir nicht – Tübinger Gruppen starten mit alternativer Veranstaltungswoche ins Wintersemester

Vom 21.10. bis 31.10. organisieren zahlreiche Tübinger Gruppen wieder gemeinsam die Ernst-und-Karola-Bloch-Woche. Im Rahmen dieser alternativen und kritischen Semestereinführung werden Dozierende, Referent*innen und verschiedene Initiativen, kritische oder frisch empörte Tübinger*innen (und solchen die es werden wollen), einerseits zu Kritik anregen, zugleich jedoch zeigen wo diese Kritik praktisch werden kann.

Unterschiedliche Motivationen, gemeinsame Ziele

„Die Veranstaltungen stehen dieses Jahre im Geiste der vor 25 Jahren verstorbenen Karola Blochs.“ erklärt Alix vom die Woche organisierenden Arbeitskreis. Diese stellte fest: „Unmündigkeit ist trotz größter zivilisatorischer und kultureller Entfaltung nach wie vor geblieben. Unsere Aufgabe ist es, unaufhaltsam aufzuklären, das Bewußtsein des Menschen wachzurütteln. Andere Waffen haben wir nicht.“ – „Das ist heute noch so!“ beschreibt Ella ihre Motivation, an der Blochwoche teilzunehmen. „Im Mittelmeer ertrinken weiter Menschen, Presseberichte über Misshandlungen in Lagern in Libyen findet man überall, doch die EU schaut weg. Parlamente rücken nach rechts, und europäische Regierungen verfolgen die Seenotretter*innen.“ „Im Cybervalley sollen die Früchte jahrelanger Reflexion und Forschung weiterentwickelt werden. Unsere Universität wird zur unternehmerischen Hochschule umgebaut und verspricht uns Technologien, die zur gleichen Zeit eine Großmacht dazu befähigen ihre Bevölkerung lückenlos zu überwachen und effektiv zu unterdrücken.“ sagt Moritz, der in einer Fachschaft aktiv ist. Sebastian, aktiv bei einer der teilnehmenden Gruppen, ergänzt: „Der Klimawandel hängt wie ein Damoklesschwert über uns, während unsere Regierungen die zu geringen Pläne noch zurückschrauben. Auch hier müssen wir unsere Unmündigkeit überwinden.“ Und was bleibt denen, die diese Zustände nicht akzeptieren wollen? „Uns bleibt die Kritik. Andere Waffen haben wir nicht.“ so Lukas für den Arbeitskreis.

Vielfältiges Programm für alle

In diesem Sinne wird die Blochwoche dieses Jahr auch von Prof. Dr. theol. Möhring-Hesse mit einem Vortrag rund um die Frage „Was ist »Kritische Theorie« – und wie betreibt man sie?“ eröffnet (Montag, 21.10., 18h c.t. Kupferbau HS 24). Auch Tübinger Initiativen wie die Besetzer*innen der Gartensia, die Junge Geschichtswerkstatt Tübingen, Act for Animals oder das Widerstandsnest im Löwen-Theater werden einen Teil des bunten Programms stellen und zeigen wie und wo Kritik praktisch werden kann. „Die Geschichte unserer Universität gerade im Nationalsozialismus muss uns mahnendes Beispiel sein.“ so AK-Aktiver Jonathan. „Auch darauf werden einige Veranstaltungen eingehen.“

Herzstück der Blochwoche bleibt auch dieses Jahr der Alternativen Dies am 24. Oktober ab 15 Uhr im Klubhaus. Dieser ist bewusst auch als Ergänzung zum durch Verbindungsstudenten und Klerikale geprägte Dies Universitatis eine Woche zuvor gedacht „und damit ein solches praktisches Rütteln.“ so Lukas für den Arbeitskreis. Auf dessen selbstorganisierten Markt der Möglichen Alternativen zeigen Gruppen an der Uni auf, wie wir diese Unmündigkeit gemeinschaftlich überwinden können. Unser Bewusstwerden ist notwendiger den je.

Ein ausführliches Programmheft liegt an vielen Orten in Tübingen aus. Außerdem gibt es aktuelle Infos auf der Webseite www.blochwoche.org

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