Tagblatt: Nach dem Theater zur Demo gegen Abschiebung auf dem Holzmarkt

LTT-Schauspieler riefen am Samstag zur Demo gegen die Abschiebepraxis auf: Mehr als 400 Menschen kamen zur nächtlichen Kundgebung auf den Tübinger Holzmarkt.
12.01.2020

Von slo/hz

Nächtliche Kundgebung auf dem Tübinger Holzmarkt gegen die Abschiebepraxis der Landesregierung.
Seit zehn Jahren lebt der pakistanische Staatsbürger Bilal Waquas in Deutschland, er ist verheiratet mit einer Mitarbeiterin am LTT und Schwager des Tübinger Autoren Joachim Zelter.

Am Montagabend sei, so Zelter, die Polizei bei Waquas aufgetaucht und habe ihm wenige Minuten Zeit gegeben, um ein paar Sachen zu packen. Seine Frau habe er noch anrufen dürfen, nicht aber seinen Anwalt. Dann sei er zum Frankfurter Flughafen gefahren und nach Pakistan ausgeflogen worden. Dabei sei das juristische Verfahren um die Duldung oder ein Bleiberecht noch gar nicht abgeschlossen.

Waquas, so Zelter, sei Diabetiker und besitze Insulin für wenige Tage. Wie er sich in Pakistan mit Insulin versorgen könne, sei ungewiss. Einige Mitarbeiter des LTT riefen deshalb zu einer Kundgebung am Samstagabend um 21.45 Uhr auf dem Holzmarkt auf. „Wir werden dieses staatliche Vorgehen niemals als Teil unseres gesellschaftlichen Normalzustands akzeptieren“, hieß es.

Nach der Vorstellung der „Komödie im Dunkeln“ zogen am Samstagabend Schauspieler und viele Theaterzuschauer in einem Demonstrationszug vom Landestheater in der Eberhardstraße zum Holzmarkt vor der Tübinger Stiftskirche, wo Redner die Abschiebepraxis der Landesregierung kritisierten. Mehrere hundert Menschen füllten den Holzmarkt und beleuchteten die Szenerie mit Kerzen.