Ausschreibung: Patenschaften für die drei Bäume vom Baufeld 13

Im Dezember des vorvergangenen Jahres – während der Besetzung des Kupferbaus – wurden auf dem Baufeld 13 unter dem Motto „Streuobstwiesen statt Amazon“ drei Apfelbäumchen gepflanzt. Gewidmet wurden sie der „Entscheidungsfreiheit“, der „Menschlichen Vernunft“ und der „Vielfalt“. Sie sollten ein Zeichen setzen gegen den Verkauf kommunaler Flächen an die Reisch GmbH, die hier ein Entwicklungszentrum für das maschinelle Lernen des Amazon-Konzerns errichten will (s. https://nocybervalley.de/?page_id=90).

Amazon steht für ein ökologisch verheerendes Geschäftsmodell, die Bekämpfung von Gewerkschaften und Arbeitnehmer*innenrechten, die Vernichtung des Einzelhandels, Steuervermeidung und die Kooperation mit Militär, Geheimdiensten und Polizei bei gleichzeitiger, systematischer Unterwanderung des Datenschutzes. Selbst wer grundsätzlich nichts gegen die schnelle Kommerzialisierung und den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Wirtschaft einzuwenden hat, sollte erkennen, dass dies im Falle von Amazon umso problematischer ist und Amazon keinen privilegierten Zugang hierzu erhalten sollte. Nicht hier und auch nicht anderswo.

Deshalb wollen wir weiterhin die Entscheidungsfreiheit, die menschliche Vernunft und die Vielfalt gegen die Reisch GmbH und Amazon verteidigen. Sie dürfen nicht den Profitinteressen und der Profilierungssucht einiger Wissenschaftler*innen, Lokalpolitiker*innen und Immobilien-entwicklungsgesellschaften zum Opfer fallen. Leider konnte im Gemeinderat angesichts standortpolitischer Sachzwänge von Entscheidungsfreiheit keine Rede sein, auch die menschliche Vernunft und die Vielfalt blieben in der Diskussion ganz offensichtlich auf der Strecke. Nach einem Polizeieinsatz im Rathaus sagte eine Mehrheit im Gemeinderat „Ja“ zu Amazon.

Deshalb ist es nun an der Tübinger Öffentlichkeit, die drei Bäume und die viel gepriesenen Werte, für die sie stehen, zu schützen und zu verteidigen. Wir schreiben deshalb deshalb hiermit drei Patenschaften für die drei Apfelbäumchen auf der Oberen Viehweide aus.

Um eine Patenschaft bewerben können sich bis zum 25. Februar 2020 grundsätzlich alle Einzelpersonen und formellen oder informellen Zusammenhänge. Besondere Berücksichtigung werden jedoch Projekte und Wohnformen finden, die sich – im Gegensatz zum Cyber Valley – für ein solidarisches Miteinander und billigen Wohnraum einsetzen und die der Entscheidungsfreiheit, der menschlichen Vernunft und der Vielfalt im Notfall ein Exil bieten könnten, falls diese auf dem Forschungscampus tatsächlich keine Zukunft mehr haben sollten.

Am Samstag, den 15. Februar 2020, wird eine öffentliche Begehung des Baufeld 13 stattfinden, bei der sich Bäume und potentielle Pat*innen gegenseitig in Augenschein nehmen können.

Bewerbungen werden bis 25.2.2020 unter info@nocybervalley.de angenommen. Early-Bird-Bewerbungen vor dem 15.2.2020 finden besondere Berücksichtigung.

Über die Vergabe wird ein Gremium entscheiden, das nach dem Vorbild des Public Advisory Boards des Cyber Valley handverlesen in Hinterzimmergesprächen durch das Bündnis gegen das Cyber Valley und die Amazno-Kampagne bestellt wird.