Trouble im Lichtenstein

Verbindung oder WG - tragen Lichtensteiner bald ein Bändel? Im Haus Lichtenstein überschlagen sich die Ereignisse: nachdem im Dezember einem Bewohner gekündigt wurde, weil er im Internet einen etwas zu kritischen Text über das Haus veröffentlicht hatte, geht es nun auch den anderen BewohnerInnen an den Kragen.

Ihnen wird vorgeworfen, dass sich der Lichtenstein seit Jahrzehnten von einer Verbindung zu einer "ganz normalen WG" entwickle. Was jedem fortschrittlichen Menschen als etwas positives klingen muss, scheint einigen Alten Herren des Trägervereins wie der "Untergang des Abendlandes".

Das Haus gehört dem Verein "Bund Alter Tübinger Lichtensteiner", der es neben Einnahmen wie der Miete auch finanziell trägt. Dieser Verein besteht sowohl aus Alten Herren, die ihrer Verbindungszeit hinterher trauern, als auch aus ehemaligen BewohnerInnen, die das Haus schätzen, wie es derzeit ist. Die BewohnerInnen selbst, von den Alten als "Aktivitas" bezeichnet, haben einige Pflichten wie die Organisation eines Stiftungsfestes, aber davon abgesehen ist das Leben im Haus seit den frühen 80er Jahren relativ selbstverwaltet und hat mit Verbindungen wenig zu tun, auch wenn es auf dem Papier noch eine ist. Es gab jedoch immer wieder Versuche des Vereins, in die Selbstverwaltung einzugreifen. Diese Versuche werden mit dem näher rückenden 100jährigen Jubiläum des Hauses immer handgreiflicher.

Für den 19. April wurde nun ein Sonderkonvent einberufen, der über die Zukunft des Lichtenstein entscheiden soll. Die Mehrheitsverhältnisse sind dabei unklar, das Ergebnis scheint kaum absehbar zu sein. Während einige für den Erhalt des Bestehenden kämpfen gibt es auch eine starke Lobby für ein Ende der Selbstverwaltung und für Kündigungen. Dies würde für Tübingen den Verlust von wunderschönem studentischen Wohnraum bedeuten. Wenn es ganz schlimm kommt, tragen Lichtensteiner demnächst wieder Bändel und eine Fahne flattert auf dem Dach. Vielleicht steht das Haus aber auch bald leer, denn wer will heutzutage schon in eine ganz normale Verbindung ziehen?

Was auch immer passieren wird, das 100jährige Jubiläum am 28. Juni wird sicher Raum für kritische Fragen bieten...

unmoderated

Auf dem Sonderkonvent wurde beschlossen, den BewohnerInnen auf Ende Dezember zu kündigen! Ein Ausschuss soll klären, was danach passieren soll, möglicherweise kann die Kündigung auch zurückgenommen werden. Soll vermutlich heißen: wenn ihr ganz brav seid, am besten die Fahne aufs Dach hängt und uns ordentlich in den Arsch kriecht (z.B. beim Jubiläum), dürft ihr vielleicht doch Lichtensteiner bleiben. Andererseits ist es immer weniger ersichtlich, was daran überhaupt so toll sein soll. Der Laden verlangt jedenfalls starke Nerven.

Die Abstimmung war denkbar knapp: es ging letztlich um eine einzige Stimme von fast Hundert.

unmoderated

Find ich eigentlich ganz gut, das man da durchgreift. Ihr wisst ganz genau, dass die meisten Selbstverwalteten Häuser früher oder später verfallen. Viele Anwohner, darunter ich, finden es durchaus störender, wenn die Nachbarn ihren Müll einfach in den Garten schmeissen (Neben jahrzentealten Fahrrädern, Autoreifen udn Autowracks -- Leibnizhaus Stauffenbergstraße). Die ziehen das Ansehen der ganzen Nachbarschaft buchstäblich in den Dreck.

Früher mussten wir für unsere Freiheiten auf die Straße. Das was heute passiert ist meiner Ansicht nach nur ne Ausrede um sich vom studieren zu drücken. Diese Leute propagieren eine Zeit, die es heute nicht mehr gibt.

Zum Schluß:
Studentischer Wohnraum ist nicht gleichzusetzen mit selbstverwaltetem Wohnen. Es ist ganz gut, das Leute, die ein altes Bauwerk und den für manche darin enthaltenen Erinnerungen, vor Vandalismus und Zerstörung durch verblendete (Möchtegern-) politisch Aktive zu schützen.

unmoderated

Da muss ich Dir schon Recht geben. Das Ansehen einer ganzen Nachbarschaft ist natürlich ein wesentlich höheres Gut als Selbstverwaltung und -entfaltung !
Und in diesem Sinne ist natürlich ein sauber aufgeräumter Faschismus chaotischen, schmutzigen und selbstverwalteten Strukturen vorzuziehen. Das heisst: lieber ein von burschenschaftlicher HERRlichkeit immer frisch vollgekotzter und -gepisster Garten, als ein jahrzehnte altes Fahrrad dort rumliegen zu haben.

Und dass früher alles besser war ist sowieso unumstritten. Ich frag jetzt lieber nicht welches "früher" Du meinst. Die gute alte Zeit ! Da waren politsch Aktive noch nicht verblendet und "möchtegern", sondern sind für ihre Freiheit auf die Strasse. In den besetzen Häusern gab es eine strikt eingehaltene Kehrwoche, der Rasen wurde jede Woche gemäht und der Gehweg vor dem Haus nass gewischt !

Aufgrund der Studiengebühren und verschulten Bachalor/Master Studiengängen ist es heute auch viel sinnvoller sich vor dem Studieren zu drücken und sich die gute alte Zeit zurückzuwünschen !

p.s.: und an der Schelling sieht mensch ja, wie ein Haus unter Selbstverwaltung verfällt, nachdem es vom StuWe jahrzehntelang gehegt und gepflegt wurde ;-)

unmoderated

Na also sich der Nachbarschaft anpassen auf sowas ist natürlich total gepfiffen, aber was man dem Typen oben lassen muss ist, dass solche "Projekte" (Lichtenstein nicht unbedingt) immer etwas runtergekommen aussehen. Also nicht das ich glaube, drinnen wälzen sich alle im Dreck oder so, ich find das ja toll und befürworte Selbstverwaltung etc. und mir ist es auch egal wie ein Haus aussieht, muss ja jeder selbst wissen.
Aber ich denke solche Projekte stoßen bei den "Bürgern" oft auf Unverständnis und Ablehnung, weil es eben oft aussieht wie Villa Kunterbunt in runtergekommen. Sowas wird halt nicht ernstgenommen, und das immer mit der "Entfaltung" zu begründen hilft da halt auch nichts...

unmoderated

liebe lichtensteiner,

es hat mich ziemlich geärgert, dass euch die kündigung ausgesprochen wurde. aber es hat mich auch ziemlich erschreckt, als ich - gerüchteweise - gehört habe, dass sich die lichtensteiner den kopf in den sand gesteckt haben und einfach ausziehen wollen. vielleicht ist es auch nicht so, und das wäre sehr gut, denn ihr müßt wissen, dass viele menschen in tübingen hinter euch stehen. das lichtenstein ist von der struktur her eine verbindung, aber die menschen, die in ihm wohnen offensichtlich nicht. ich fände es sehr schade, wenn ihr sang- und klanglos verschwindet. wir brauchen nicht noch mehr burschis in tübingen!!!

unmoderated

wie kann man nur so einen unqualifizierten schmarn daherreden?
ich bin seit über 50 jahren hier wohnhaft und habe bisher noch nicht erlebt, dass sogenannte "burschies" am 1.5. oder sonstwann in tübingen wüten, sondern viel mehr deren gegner und damit kosten verursachen für die ich als bürger mit meinen steuern aufkomme!
gegen irgendetwas muss man ja sein, wenn es keine anderen gegner in tübingen gibt!
ich hatte bei meinem studium damals auch kommilitonen aus landsmannschaften und anderen verbindungen neben meinen anderen und wir sind alle sehr gut miteinander ausgekommen und hatten viel spaß. durch meinen enkel weiß ich, dass das bei ihm auch heute der fall ist.
abgesehen davon ist es wohl besonders schwach, zu pauschalisieren!

unmoderated

liebe lichtensteiner,

es hat mich ziemlich geärgert, dass euch die kündigung ausgesprochen wurde. aber es hat mich auch ziemlich erschreckt, als ich - gerüchteweise - gehört habe, dass sich die lichtensteiner den kopf in den sand gesteckt haben und einfach ausziehen wollen. vielleicht ist es auch nicht so, und das wäre sehr gut, denn ihr müßt wissen, dass viele menschen in tübingen hinter euch stehen. das lichtenstein ist von der struktur her eine verbindung, aber die menschen, die in ihm wohnen offensichtlich nicht. ich fände es sehr schade, wenn ihr sang- und klanglos verschwindet. wir brauchen nicht noch mehr burschis in tübingen!!!

unmoderated

Ihr wisst aber schon, dass die Lichtenstein ursprünglich eine Verbindung war, die dann zu dem herabgesandelt ist, was sie jetzt ist?

unmoderated

Da der Vorstand des Altenvereins vom Lichtenstein per anwalt den Namen tuebinger-lichtenstein freigeklagt hat ist die Homepage der Bewohner jetzt unter http://lichtis.info zu erreichen.

unmoderated

Ein Begriff, der nur geschaffen wurde, um die an sich heterogene Verbindungswelt unter einen Hut zu bringen, dann fällt nämlich der gedankliche Gewaltakt: traditionsbewusst = konservativ = rechts = rechtsextrem = nationalsozialistisch = menschenverachtend einfach leichter! Dafür habe ich ein gewisses Verständnis.
Aber: Was tun die Korporierten, was böse ist?
Sie sind frauenfeindlich? Wie äußert sich das? In Damenverbindungen, in Bällen, wenn der Herr beim Tanzen führen darf?
Sie sind Kaderschmieden? Für wen? Für die CDU? Ist die auch rechtsextrem und menschenverachtend?
Seilschaften? Um ein Praktikum kann ich auch jemanden aus meinem Kegelverein bitten!
Woher glaubt ihr denn, haben die Verbindungen ihren Zulauf, wenn sie so böse sind? Und warum sind sie (Grundrechtsverpflichtung von Vereinen) noch nicht verboten? Glaubt Ihr denn, Verbindungen könnten Nachwuchsfaschisten und Jungnazis anheuern, indem sie dauernd bestreiten, faschistisch oder nationalsozialistisch zu sein?

Also lasst doch bitte die Eigentümer des Lichtensteinerhauses mit ihrem Haus tun, was sie wollen. Niemand darf sie zu etwas anderem verpflichten!