Hassprediger bei der Germania

Die „Straßburger Burschenschaft Germania“ zu Tübingen lädt einen rechten Hardliner von der CDU ein. Wir informieren kritisch über den Germanen-Gastreferenten und liefern Hintergrundinformationen.

„Wer nicht pariert, der gehört gegebenenfalls gefesselt oder geknebelt, bis er den Zielort erreicht. Die Humanitätsduselei Menschen gegenüber, die diesen Staat ausbeuten, muss einfach ein Ende haben.“
Hans-Jürgen Irmer, in seinem Blatt „Wetzlarer Kurier“ Ausgabe 6/1998

Die Tübinger Burschenschaft „Germania Straßburg“ kündigt in ihrem Programm für das Sommersemester am 9. Mai einen Vortrag zum Thema „Islam – Eine Gefahr für Europa?“ an. Referent ist ein Hans-Jürgen Irmer (*1952), ein hessischer CDU-Funktionär (MdL, CDU-Vorsitzender des Lahn-Dill-Kreises seit 1998, 1992-2002 Landesvorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Christlich-Demokratischer Lehrer“, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion).
Hier eine unvollständige Chronik von Irmers rechten Umtrieben:
* Bereits 1977 soll er in der rechtsradikalen Zeitung „student“ die Freilassung des Hitler-Stellvertreters Rudolf Hess gefordert haben. „Student“ war das 1968 gegründete Organ der rechten studentischen „Aktionsgemeinschaft für Publizistik“, letzter Chefredakteur von „student“ war Rolf Schlierer (heutiger REPs-Chef ). Irmer soll Ende der 70er Jahre regelmäßig für „student“ gearbeitet haben.
* Monatlich gibt Irmer das Anzeigenblatt „Wetzlar-Kurier“ heraus. Nach Informationen der „Antifaschistische Nachrichten“ beklagt sich der Gymnasiallehrer dort z.B. darüber, daß die „Zigeuner... 50 Jahre nach Kriegsende noch immer vom Steuerzahler, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, alimentiert“ würden.
In der Online-Selbstdarstellung des monatlich erscheinenden rechten Blättchens heißt es:
„Zielsetzung des Wetzlar-Kurier ist es, Menschen über das hinaus zu informieren, was üblicherweise in den Tageszeitungen geschrieben steht. Viele Themen werden dort nur sehr spärlich aufgegriffen, Themen, die die Menschen berühren. Ob es sich dabei […] um die sogenannten großen Themen wie Innere Sicherheit, Asylmißbrauch, Ausländerkriminalität, Probleme rund um den Islam.“
Der „Hessische Rundfunk“ resümiert über Irmers Herausgeber- und Autorenschaft:
„Mit seinem Anzeigenblatt „Wetzlarer Kurier“ hat er über Jahre in Mittelhessen Stimmung gegen Minderheiten gemacht.“
* Fast deckungsgleich wie der Titel zu seinem Vortrag bei der Germania, lautete der Titel von Irmers Vortrag bei der Gießener Burschenschaft Dresdensia-Rugia im November 1996:
„Der Islam - eine Gefahr für Deutschland“ (***). Germania und Dresdensia-Rugia sind beide in dem nationalistischen Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ mit extrem rechter Schlagseite organsiert. Die Dresdensia-Rugia gilt unter Kennern als NPD-Nachwuchsschmiede, weswegen Irmers Auftritt dort – verspätet – im Jahr 2005 zu heftigen Diskussionen führte.
* Auch der ultrarechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) gab Irmer in Vergangenheit schon mal ein Interview (1997, 2004). Später griff er auch selbst als Autor für die JF zur Feder (2005).
* Im Jahr 1996 begründete Irmer eine Bürgerinitiative „Pro Polizei Wetzlar“ mit und ist bis heute ihr Vorsitzender. Was als Bürgerinitiative daherkommt entpuppt sich aber bei genauerer Betrachtung der Aufgaben eher als eine Art von Law&Order-Lobby. Für „Pro Polizei Wetzlar“ wurde auch in dem rechtsradikalen Blättchen „Frieden 2000“ der „Deutschlandbewegung“ inseriert. Der Deutschlandbewegungs-Vorsitzende Alfred Mechtersheimer referierte 1997 für Irmers „Wetzlar-Kurier“ zum Thema „Was tun gegen die Demontage Deutschlands?“
* Natürlich begrüßte Irmer auch den Ausschluss des Heidelberger Lehrers und Antifaschisten Michael Csaskoczy vom Schuldienst.
Für ein Mitglied der rechtsradikalen Partei „Die Republikaner“, was am Verwaltungsgericht Kassel arbeiten wollte, setzte sich Irmer hingegen ein.
* Auch homophobe Eskapaden sind von Irmer bekannt. So bezeichnete er bereits Homosexualität als Irrweg und hat homosexuellen Menschen zur „Heilung“ eine therapeutische Behandlung anempfohlen (****).
* Jüngst machte Irmer auf sich aufmerksam mit der Forderung „Verbrechen an Deutschen“ sollen auf den Lehrplan. Mit „Verbrechen an Deutschen“ sind die Vertreibungen und Umsiedlungen im Rahmen des Potsdamer Abkommens gemeint, eine Folge der blutigen Nazi-Herrschaft über fast ganz Kontinentaleuropa.

Einige Rechte mögen ihr CDU-Parteibuch vor sich hertragen wie ein Schild, um sich so vor Kritik zu schützen. Jedoch lassen sich teilweise in Wort (Homophobie, Hetze gegen Asylbewerber, Antiziganismus und der allgemeinen Verwendung eines Nazijargons) und Tat (Autoren- und Referententätigkeit) eine bemerkenswerte Ähnlichkeiten zwischen Irmer und der extremen Rechten konstatieren. Die Gewerkschaft GEW Hessen erkennt nicht ohne Grund bei Irmer „rechtsextreme Positionen“ (*****).
Wer sich solche Referenten aufs Haus lädt, zeigt wieder einmal wessen Geistes Kind er ist.

Und nur wenige Tage vor Irmers Auftritt am 9. Mai, nämlich am 30. April werden die Burschenschafter der Germania mit anderen Waffenstudenten (martialische Selbstbezeichnung von Mitgliedern schlagender Verbindungen) versuchen mit einem Fackelzug zum Holzmarkt zu gelangen um dort ihr „Maisingen“ anzustimmen.
Doch auch andere am Maisingen teilnehmende Verbindungen weisen Bezüge nach sehr weit rechts auf. Die „Landsmannschaft Schottland“ nahm zum Beispiel Anfang 2008 am Ball des „Wiener-Korporations-Ring“ (WKR) teil. Im österreichischen WKR organisieren sich ultrarechte bis neonazistische Verbindungen. Und die am 30. April ebenfalls mitträllernde Ulmia traf sich laut ihrem Programm am 5. April für eine Fechtpartie mit der Braunschweiger Burschenschaft Thuringia. Die Thuringia darf selbst in ihrem rechten Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ dem rechten Flügel zugeordnet werden.
Zu den Maisängern stoßen auch aus Stuttgart noch rechte Burschenschafter.
Letztes Jahr wurde das Maisingen-Spektakel in Tübingen erfolgreich durch eine antifaschistische Intervention unterbunden. Also, auf ein Neues!

#Verwendete Literatur#
* Volkmar Wölk: Rechts, rechter, Irmer, in: „Antifaschistische Nachrichten“ Nr. 25/1998, http://www.antifaschistische-nachrichten.de/1998/25/011.shtml
** Ausschluss von Hans Jürgen Irmer gefordert, Stand: 24.02.2005, http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=57...
*** Burschenschafts-Mitglied im sächsischen Landtag, 18.02.2005, http://tinyurl.com/4upak7
**** 08.11.2004: Irmer II. Auf Abwegen, http://news.gay-web.de/njus/id94Gewerkschaft
***** Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: Irmer und Volksverhetzung, http://www.gew-hessen.de/uploads/mit_download/HJ-Irmer_und_Volksverhetzu...

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unmoderated

Habe mit Germania zwar nichts am Hut, finde Irmer aber spitze! Weiter so Germania!
Für die Meinungsfreiheit!
Mal schau´n, wie schnell diese Eintragung wieder gelöscht werden wird... ;-(

unmoderated

Dolle Wurst da oben!

Einfach mal den Punkt "Selbstverständnis" anklicken.
Da steht, warum solcher Schwachsinn gelöscht wird.

:-)

unmoderated

genau den fascho gelaber wollen wir hier nicht

unmoderated

Jawohl,Genau! Wir sind so tolerant, dass wir nicht-tolerante Menschen nicht tolerieren!!?!!

unmoderated

du scheinst ja n paar lustige Cornflakes gefrühstückt zu haben du fröhlicher Hampelmann!!

unmoderated

Ich schließe also: wer Irmer gut findet, ist ein Faschist.
Es lebe der Antifaschismus!

unmoderated

Troll dich,
mit deinem schlechten Sarkasmus.