Dernière des Straßentheaterprojekts „Hierbleiben… Spuren nach Grafeneck“

Dernière des Straßentheaterprojekts „Hierbleiben… Spuren nach Grafeneck“

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Anlässlich der letzten Vorstellungen des Straßentheaterprojekts „Hierbleiben… Spuren nach Grafeneck“ laden wir Sie herzlich ein.

Unter dem Titel „Hierbleiben… Spuren nach Grafeneck“ nimmt sich das Projekt die „Euthanasie“-Verbrechen im Jahr 1940 zum Anlass. Durch die Begegnung mit den Darsteller*innen mit Behinderung im öffentlichen Raum wird auch ihre heutige Situation aufgezeigt.

Die berüchtigten „Grauen Busse“ deportierten im Jahr 1940 10.654 Menschen mit Beeinträchtigung aus dem heutigen Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen aus insgesamt 49 Orten nach Grafeneck, die dort am Tag der Ankunft mithilfe des Gases Kohlenmonoxyd ermordet wurden. Diese Menschen, die eine Zeit ihres Lebens in einer Einrichtung untergebracht waren, wurden ermordet, weil Sie den Nationalsozialisten als „lebensunwert“ galten, da zu ihrer Unterbringung – so das nationalsozialistische menschenverachtende Kalkül – mehr aufgewendet werden müsse, als diese einbrächten.

In Anspielung an die „Grauen Busse“, die damals zur Deportation dienten, wurden 25 Herkunftsorte der Menschen mit Beeinträchtigungen in Baden-Württemberg für das Straßentheaterprojekt ausgewählt. Der Theaterbus fährt mit dem inklusiven Ensemble, Requisiten, Bühnenbild, Kunstobjekten, etc. direkt vor Ort, um die performative Aufführung umzusetzen. Unter der Regie von Theaterintendant Enrico Urbanek wird das Projekt vom Theater Reutlingen Die Tonne umgesetzt.

Zusammenarbeit verschiedener Künstler*- und Akteur*innen

Bei diesem Projekt verbindet sich Choreografie, Musik, bildender Kunst, Medienkunst und dokumentarischen Elementen. Über eine facettenreiche Auseinandersetzung zwischen Ensemble und Publikum werden Denkanstöße gegeben, die weit über Betroffenheit einerseits und Information andererseits hinausgehen. Durch den Einsatz historischer Fakten in Zusammenarbeit mit dem Dokumentationszentrum Gedenkstätte Grafeneck, lokalen Archiven und Forscher*innen wird bei den Aufführungen jeweils ein direkter regionaler und gesellschaftlicher Bezug hergestellt.

Der Bus verweilt dabei jeweils eineinhalb Stunden auf dem Marktplatz und bietet verschiedene Begegnungen mit dem Ensemble. Die Interaktionen mit dem Publikum können Aufgrund der Corona-Pandemie nur unter gebührendem Abstand stattfinden.

Um die nötigen Abstände zwischen den Zuschauer*innen während der Corona-Pandemie einzuhalten, wird auf dem Marktplatz eine Theatersituation aufgebaut, sodass Sitzplätze in einem abgesperrten Bereich vor der Bühnenfläche vorhanden sind. Den Aufführungen kann aber auch im Stehen gefolgt werden. Der Eintritt ist frei, jederzeit kann man noch dazu stoßen und wieder weiterziehen.

Über 2.000 Zuschauer*innen verfolgten die Aufführungen seit der Premiere in Mosbach im Herbst 2020

Ursprünglich war die Premiere für den 8. Mai 2020 in Reutlingen im Rahmen des Festivals Kultur vom Rande geplant. Durch Corona konnte diese erst am 17. September 2020 in Mosbach stattfinden.

Nach einer mit über 200 Zuschauer*innen besuchten Doppelvorstellung am 2. Oktober 2020 auf dem Marktplatz gastiert das Projekt zum Abschluss letztmalig in der Achalmstadt an zwei Terminen im Oktober 2021. Nach der Vorstellung am Donnerstag, 14. Oktober um 15 Uhr findet die Dernière einen Tag später am Freitag, 15. Oktober um 10:30 Uhr statt.

Seit Mitte Juni 2021 waren wieder Kulturveranstaltungen während der Coronapandemie unter Auflagen möglich, wie auch das Straßentheaterprojekt des Reutlinger Theatervereins. Die Aufführungen werden, wie eingangs erwähnt, in den von Deportationen betroffenen Orten gespielt. Aus Reutlingen wurden im Jahr 1940 von den Nationalsozialisten 72 Menschen aus der Landesfürsorgeanstalt Rappertshofen nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.

Vor dem Projektabschluss in Reutlingen stehen noch ein Termin in Weinheim auf dem Programm.

Die inzwischen 22 gespielten Aufführungen stießen auf großes Interesse bei der Bevölkerung. In Gesprächen berichteten die Zuschauer*innen, darunter auch mehrere Schulklassen, von einem beeindruckenden und bewegenden Theatererlebnis. Insgesamt verfolgten bisher mehr als 2.000 Zuschauer*innen das auf öffentlichen Plätzen aufgeführte Projekt.

Jahrelange Erfahrung des Theater Reutlingen in der inklusiven Theaterarbeit

Das seit 60 Jahren bestehende Theater Reutlingen Die Tonne hat bereits seit vielen Jahren Erfahrungen mit der inklusiven Theaterarbeit und präsentiert die entwickelten Inszenierungen regelmäßig auf Festivals im deutschsprachigen Raum. Seit 2012 gibt es am Theater Reutlingen Die Tonne eine von den örtlichen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen mitgetragene Initiative, bei der Menschen mit Beeinträchtigungen einen Teil ihrer Arbeitszeit am Theater absolvieren und dort eine künstlerische Ausbildung erhalten.

Das Projekt wird gefördert durch die LEADER-Förderung (ein von der EU eingerichtetes Förderprogramm für die Entwicklung ländlicher Räume) und von der „Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb“ im Rahmen von „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, den Landkreis Reutlingen sowie durch Daimler Truck.

Kooperationspartner sind BAFF [Träger Lebenshilfe und BruderhausDiakonie], die Fakultät für Sonderpädagogik der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, die BruderhausDiakonie-Werkstätten Reutlingen sowie die Habila GmbH Rappertshofen Reutlingen.

Weitere Informationen und Fotos der Aufführungen finden Sie unter https://spuren-nach-grafeneck.de

 

Date And Time

15.10.2021 @ 10:30 to
15.10.2021 @ 12:00
 
 

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