Gestrandete Pirat*innen: Kameraüberwachung beim „Tag der digitalen Freiheit“

Es war insgesamt ein schöner Tag auf einem schönen Gelände: Der „Tag der digitalen Freiheit“ wurde im Schlachthof gefeiert und Berichten zufolge kamen dort auch rund 30 Menschen zusammen, um sozusagen eine Ortsgruppe des Chaos Computer Clubs zu gründen.

Am Abend fanden dort zwei wirklich gute Konzerte statt. Wer dabei falsch abbog kam in zwei andere Räume, sagen wir: mit Installationen. Die waren irgendwie kritisch, was die Preisgabe und kommerzielle Verwertung der eigenen Daten angeht. Am Eingang zu diesen Räumen allerdings wurde man – ohne Vorwarnung – gefilmt. Man konnte sich selbst sehen auf einem Bildschirm, der die Aufnahme der Kamera in verschiedene Epochen der Malerei übersetzte. Ich persönlich schien mir impressionistisch wiedergegeben. An einem „Tag der digitalen Freiheit“ hätte ich mir zumindest eine Warnung gewünscht, dass ich hier gefilmt und meine Daten verarbeitet werden.

In diesem Kontext wäre auch interessant gewesen, wie und von wem die Daten verwendet werden. Dem Unternehmen geht es erklärtermaßen um maschinelles Lernen und es ist damit auf Daten angewiesen. Hat die Verarbeitung der Video-Daten ausschließlich vor Ort stattgefunden und wurden sie danach vergessen – oder wurden die Daten extern gespeichert zur weiteren Verwendung als Trainingsdaten?

Diese Fragestellung ist nicht nur „spitzfindig“, sondern durchaus konkret. Denn das Unternehmen, das diese „Installation“ beigetragen hat, ist ein profitorientierter Teil des Cyber-Valley-Ökosystems. Es hat in Form seiner führenden Personen Schnittstellen zu Forschungsprogrammen der US-Geheimdienste (IARPA – MICrONs).

Das ist nicht die (digitale) Freiheit, die ich mir vorstelle.

Darüber hinaus wäre die Frage zu stellen, ob KI-Imitate von Maler*innen und Kunstrichtungen tatsächlich die Aufmerksamkeit verdienen, die sie sich gerade – unterstützt von Bundes- und Landesmitteln und opportunistischen Kulturvereinigungen – schaffen.