Herrenberg/Rottenburg: Die Gruppe „Fridays for Future“ kritisiert einen Windkraft-Vortrag von Hansjörg Jung, den sie als Windkraftgegner bezeichnet.

Gespiegelt aus Gäubote 21.06.2022

https://www.gaeubote.de/Nachrichten/Unfundierte-Anti-Haltung-117625.html

„Unfundierte Anti-Haltung“

Herrenberg/Rottenburg: Die Gruppe „Fridays for Future“ kritisiert einen Windkraft-Vortrag von Hansjörg Jung, den sie als Windkraftgegner bezeichnet.

 

Ein Windpark im Oberen Gäu? Die Stadt Rottenburg hat erste Überlegungen und Pläne dazu auf den Tisch gelegt. Doch das Projekt stößt auf Widerspruch. Eine Bürgerinitiative will das Vorhaben verhindern – und hatte jüngst zu einer Infoveranstaltung den Herrenberger Windkraftgegner Hansjörg Jung nach Hailfingen eingeladen. Bei „Fridays for Future“ stößt sein Auftritt auf Kritik, wie einer von Wenzel Ormos für die beiden Gruppen aus Herrenberg und Tübingen gezeichneten Stellungnahme zu der Veranstaltung zu entnehmen ist.

Der Windkraftausbau muss nach Ansicht der Öko-Initiative „in Zukunft von höchster Bedeutung sein – vor allem im Hinblick auf die deutsche Energieunabhängigkeit – die hierzulande benötigten Energiemengen lokal und erneuerbar wertzuschöpfen“, heißt es hierzu in der Pressemitteilung. Umso erstaunter waren die „Fridays for Future“-Gruppen Herrenberg und Tübingen über die Aussagen des Herrenbergers Hansjörg Jung. Die Behauptung des ehemaligen CDU-Stadtrats, der Rotmilan sei gerade durch die Windkraft gefährdet, sei schlicht falsch. Ein Bericht des „Gäubote“ vom 9. Juni liefere dazu den Beweis: „Vögel sterben häufiger durch Stromleitungen als durch Windräder“, heißt es dort. Und auch das EU-Forschungsprojekt „Life eurokite“ widerlege die Behauptung: Die häufigsten menschengemachten Todesursachen beim Rotmilan seien demnach Vergiftung durch an Giftködern verendeten Nagern, Verkehr und Stromschläge. „Genauso stellen Eiswurf und Eisfall keine reale Gefahr dar: In Deutschland seien weder Unfälle noch Todesfälle bekannt, die darauf zurückzuführen sind, sagt der Bundesverband für Windenergie“, heißt es in der Stellungnahme von „Fridays for Future“.

Auch die „steile These“, dass sich nicht feststellen lasse, ob Infraschall nun gesundheitsschädlich sei, sei „aus der Luft gegriffen“. Und: „Wenn Herrn Jung dann nichts Besseres mehr einfällt, wird eben von der Waldbrandgefahr durch Windräder erzählt – in Anbetracht der Bilder der Klimakrise, die uns jedes Jahr aus Australien, Kalifornien und der ganzen Welt erreichen, ein wirklich zynischer Kommentar“, sagt Wenzel Ormos von „Fridays for Future“ Herrenberg.

Die Unterzeichner sehen Jung, wie aus der Stellungnahme hervorgeht, nicht als Experten. Vielmehr betreibe er privat einen Blog, „in dem er regelmäßig gegen Windenergie wettert – wenig stichhaltige Fakten, viel angsttreibende Polemik“, so die Öko-Aktivisten wörtlich. Und weiter: „Er schafft Probleme, wo es keine gibt, und macht sich dazu seine eigenen Wahrheiten und Belege. Der CDU reicht das anscheinend, um Jung regelmäßig als hauseigenen Fachmann zu verkaufen.“ Eine „unfundierte Anti-Haltung“ mache aber noch lange keinen Experten – „Wissenschafts- und Faktentreue schon“, so „Fridays for Future“ in ihren Ausführungen.-gb-