zwei Zitate zur (gescheiterten) Umbenennung der Universität Tübingen

„Für jüdische Studierende an der Uni Tübingen bedeutet das, sich damit abfinden zu müssen, dass ihre Uni einen Antisemiten ehrt. Daran werden sie nicht nur jeden Tag erinnert, wenn sie die Uni betreten und das Logo sehen, sondern auch bei jeder Hausarbeit und Klausur, die sie schreiben. Schlimmer als das ist jedoch, dass es Teil ihrer eigenen Biografie und ihres Lebenslaufs wird.
[…]
Für jüdische Studierende kann das einzige angebrachte politische Zeichen nur sein, sich der eigenen Vergangenheit nicht bloß aufrichtig zu stellen, sondern die eigene Verantwortung im Hier und Jetzt zu erkennen. Die Streichung des Namens der Universität wäre ein guter Anfang.“

Quelle:
Hanna Veiler: Umbenennung der Universität Tübingen – keine Ehre für Antisemiten, 18. Juli 2022, https://www.belltower.news/gastkommentar-umbenennung-der-universitaet-tuebingen-keine-ehre-fuer-antisemiten-135163/

„Erst auf Aufforderung des baden-württembergischen Antisemitismusbeauftragten wurde eine Historiker:innenkommission eingesetzt, um zu prüfen, ob der aktuelle Namensgeber mit seiner antisemitischen Haltung herausragend war oder nur mit dem Geiste seiner Zeit ging. Allein, dass diese Frage auf diese Weise gestellt wird, macht zahlreiche jüdische Studierende wütend. Ausgerechnet in einem Land, in dem das Putzen von Stolpersteinen zum eigenen Selbstverständnis gehört.
Der Name einer renommierten Bildungseinrichtung demonstriert eine Haltung und steht für die Werte, die an diesem Ort vermittelt werden sollen. Die Namensgebung ist eine Form der Ehrung. Jüdische Studierende sollen sich damit abfinden, dass ihre Uni einen Antisemiten ehrt.
Was stünde einer Umbenennung im Wege? Offenbar geht es darum, das eigene Ansehen zu wahren und nicht der sogenannten Cancel Culture zum Opfer zu fallen. Sicher fällt es nicht leicht, einen Namen, der das Selbstbild der Tübinger:innen seit 500 Jahren prägte, abzuschaffen. Doch es ist überfällig anzuerkennen, dass es schon lange vor dem Nationalsozialismus Hass und Ausgrenzung in der Stadt gab. Die einzig richtige Konsequenz wäre, es jetzt besser zu machen. Die Streichung des Namens der Universität wäre dabei der angemessene erste Schritt.“

Quelle:
Universität in Tübingen: Empörender Name, taz, https://taz.de/Universitaet-in-Tuebingen/!5864334/