Weshalb wird auf einem linken Infoportal eine anti-linke Stiftung verlinkt?

Im Artikel „Kommende soziale Kämpfe – auch in Tübingen?“ wird affirmativ auf einen Text von „Belltower News“ hingewiesen bzw. dieser zitiert. „Belltower News“ ist ein Internetportal der Amadeu Antonio Stiftung (AAS), gegründet 2007 von der bürgerlichen Wochenzeitung „Die Zeit“. Am 1. Januar 2009 übergab die „Zeit“ die Trägerschaft der von Anetta Kahane geleiteten AAS, unterstützte das Portal aber weiterhin, vor allem in technischen Fragen. Inhaltlich verantwortlich zeichnet aber seitdem ausschließlich die Stiftung.

Anetta Kahane ist bei den Sicherheitskräften des Landes ein gern gesehener Gast, referiert etwa bei Tagungen des Bundeskriminalamtes (BKA). Die Gründerin und Vorstandsvorsitzende der AAS hat keine Berührungsängste, jedenfalls wenn es um die Behörden geht, die in der BRD für Repression und Machtabsicherung zuständig sind. Nicht nur für diesen Kuschelkurs zieht die in Heidelberg sitzende Stiftung schon seit längerer Zeit Kritik von radikalen Linken auf sich, und das durchaus zu Recht. Kahane und ihre Stiftung Teil eines sich linksliberal gebenden Milieus, das tatsächlich staatstragend und systemerhaltend agiert, sich von den Herrschenden für ihre Zwecke einspannen lässt und daher im Ergebnis mehr Schaden anrichtet, als zu helfen. Es ist bezeichnend, dass Kahane und ihre Stiftung nicht nur mit der Polizei gut können, sondern auch mit dem Verfassungsschutz keine grundsätzlichen Probleme haben. Mit Stephan J. Kramer sitzt der Chef des thüringischen Landesamtes für Verfassungsschutz im Stiftungsrat. Die Stiftung leistet für die Legitimation der Apparate und dieses Staates unschätzbare Dienste, die weit über den Verzicht auf Fundamentalkritik hinausgehen. Im Gegenzug zu den Millionen, die die AAS vom Staat bekommt, hetzt sie gegen alle, die Rassismus und Rechtsextremismus nicht als bedauerlichen Auswuchs einer ansonsten ganz wunderbaren Ordnung, sondern sie als systemisch, als logische Folge der kapitalistischen Verhältnisse begreifen. Dass Kahane kein perfides und reaktionäres Argument zu viel ist, wenn es darum geht, linke Kapitalismuskritiker zu diffamieren, hatte sie im Sommer 2017 bewiesen. Im Juli des Jahres, kurz nach dem G-20-Gipfel in Hamburg, fiel sie der Protestbewegung in einem Beitrag auf „Belltower News“ in den Rücken: „Linksextremismus ist keine Kinderkrankheit, sondern eine autoritäre, antidemokratische Ideologie“, schrieb sie; dreist reduzierte sie Kapitalismuskritik auf „Feindseligkeit gegenüber Eliten“, die kein rechts und links kenne.

Quelle: „Reaktionär und wortreich gegen Links – die Amadeu Antonio Stiftung“ auf lowerclassmag.com.