Reutlinger Immobilien-Firma verdrängt Bewohner*innen in Dresden

Der Dresdner Regionalpolitiker Thomas Loeser (Grüne) schreibt auf seiner Homepage:

„Letzte Woche war ich in [Dresden-]Trachau auf der Wilder Mann Straße 44 und habe mich mit den Bewohnerinnen und Bewohnern über ihre Situation unterhalten. Das Haus ist ca. 110 Jahre alt (schlichter Jugendstil) und wurde von der Firma WM44 aus Reutlingen vor drei Jahren gekauft. Nun soll es abgerissen werden. Auf dem Grundstück plant WM44 ein Haus mit 10 Wohnungen (statt bisher 6).

Am Haus selbst ist schräg hinten noch ein Garten, in dem wir uns trafen (dieser Garten soll, wie ich nebenbei erfuhr, natürlich auch noch überbaut werden).

Vor vier Wochen haben wir im Stadtrat eine Erhaltungssatzung für das Gebiet in Trachau aufgestellt. Somit kann der schon beantragte Abriss für mindestens ein Jahr untersagt werden.

Im Petitionsausschuss vor zwei Wochen wurde allerdings klar, dass der „Investor“ (er investiert in den Abriss seines eigenen Hauses) von seinem Ziel, das Haus abzureißen, nicht abrücken will. Er präsentierte bauliche Gutachten, wonach das Haus nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren sei.

Die BewohnerInnen erzählten mir, dass das Unternehmen in den drei Jahren, in denen sie das Haus besitzen, keinerlei Reparaturen vorgenommen haben. Der Zustand des Hauses ist insgesamt natürlich sanierungsbedürftig. Die hölzerne Dachkonstruktion habe ich in Augenschein genommen. Es ist nichts eingebrochen. Der Dachboden wird zum Wäscheaufhängen benutzt. Das Dach muss natürlich neu gedeckt werden. Die Bewohner haben auf eigene Kosten eine Dachdeckerfirma beauftragt, kleinere Reparaturen auszuführen (das Geld haben sie von WM44 nicht zurückbekommen.)

Die bewohnten Wohnungen sind in gutem Zustand. So wie Altbauwohnungen ohne Sanierung eben sind. Ich habe selber jahrzehntelang in solchen Wohnungen sehr zufrieden gewohnt. Insgesamt fällt auf, dass das Haus noch sehr viel originale Bausubstanz vorweist: von den Türen, über die Geländer bis zu den farbigen Fassungen der Fenster. Saniert wäre es ein echtes Schmuckstück.

Fazit: WM44 haben das Haus von Anfang an mit dem Ziel gekauft, es abzureißen. So wie ich in der Zeitung las, wollen sie das neue Haus auch selber gar nicht bauen, sondern das „baureif“ leer geräumte Grundstück sofort weiter verkaufen. Das ist nichts anderes als banale Spekulation. Spekulation auf Kosten der Mieter und unserer Stadt. Es gibt keinen Grund, diese Leuten gewähren zu lassen. Das baukulturelle Erbe unserer Stadt ist keine Spekulationsmasse.

Wir bleiben dran!“

Quelle: https://www.thomasloeser.de/2020/06/08/mieter-und-haeuser/