Ende der G7 von der anderen Seite

Endlich wird etwas über den Verlauf der G7 auf Tueinfo veröffentlicht („Ende der G7“). Das aktuellste was über das besetzte Haus an die Öffentlichkeit drang war das ‚Papier zum Neustart der Gartensia im Winter 2020‘. Die Forderungen aus dem Papier bezüglich der Gartensia sind seit Frühling 2021 alle erfüllt worden: Die Aktivist:innen von letztem Jahr sind alle ausgezogen, nur noch die von massiver Armut betroffene Besetzer:innen, die weder Sprachkenntnisse noch Zeit für Aktivismus haben, wohnen immer noch dort. Die betroffene Person, wie sie stehts genannt wird, durfte wieder einziehen und es wurde durchgesetzt, dass keines der beiden eingespieltes Teams die Gartensia zum Projekt machen darf, die sich darauf beworben hatten, sondern ein neu zusammengewürfeltes FLINTA-Team mit der betroffenen Person. Und dann war nichts mehr aus dem Haus zu hören, wochenlang, bis schließlich die schlechten Nachrichten durch einen Anti-Räumungs-Aufruf und Zeitungsartikel eintrafen, dass das MHS und die Stadt dort keine Ansprechpartner:innen mehr vorfindet.

In dem ganzen Konflikt um die Gartensia, der die halbe Tübinger Szene mit einbezog und spaltete, spielt fehlende Kommunikation eine zentrale Rolle. Dank Corona gab es keine Hausbars, wo der Austausch der einen oder anderen Aktivist:in stattgefunden hätte und gegenseitiges Verständnis wahrscheinlich geworden wäre. Aber auch die weitere Kommunikation per zufälligem Treffen auf der Straße oder per Mail oder ähnlichen Internetdiensten funktionierte nur sehr einseitig und deshalb gar nicht. Dieser Artikel, subjektiv doch mit dem Versuch das kollektive Erleben der G7-Aktivist:innen und deren Unterstützer:innen zu erfassen, soll eine differenzierte Sicht auf den Konflikt in der G7 fördern, indem er durch die Darstellung dieser Seite überhaupt erst deutlich macht, dass es sich um einen komplexen Konflikt handelt. Die andere Seite ist durch diverse Veröffentlichungen auf Indymedia, über die Verteiler, auf der G7-Homepage die durch das Neustart-Team verwaltet wird, bereits hinreichend dargelegt.

Ähnliches was der Text „Ende der G7“ zu berichten hat, kennen wir von der anderen Seite, der der G7-Akivist:innen und ihrer Unterstützer:innen. Auch wir hatten Probleme mit der Kommunikationsbereitschaft unserer Gegenüber, euch Unterstützer:innen der betroffenen Person der G7. Diese begannen mit einem schweren Vorwurf und harten Forderungen: die Aktivist:innen der G7 seien falsch mit einem sexualisierten Übergriff umgegangen, hätten alles falsch und die betroffene Person alles richtig gemacht, und müssten letztlich, weil die betroffene Person sich das wünscht, das Haus verlassen. Dieser wurde über sämtliche Verteiler und auf Indymedia veröffentlicht, unterschrieben vom ‚Awareness-Team Tübingen‘. Ist das nicht auch eine unterkomplexe Sicht eines Konflikts?
Wenn das Awareness bzw. später die Unterstützer:innen der Betroffenen hier eine gewöhnliche Form der Definitionsmacht angewendet hätten, wäre der Konflikt um den Übergriff nach wenigen Tagen beendet gewesen: Aktivist:innen hatte nach wenigen Tagen den Übergriff anerkannt (sicher war auch das ein Fehler, den Übergriff auf dem ersten Plenum dazu noch zu bagatellisieren, was der:diejenige von uns, die dafür jetzt am Pranger steht schon lange zugestanden und sich dafür entschuldigt hat), die Täterperson rausgeworfen und sich mit der Betroffenen ausgesprochen und wieder versöhnt (oder vertöchtert oder wie auch immer). Die betroffene Person hatte (hier kurze Zeit verzögert) die Macht die Situation zu definieren und die Täterperson wurde für immer aus dem Haus geworfen. Das ist die häufige und schon eher härtere Form (weil Rauswurf für immer) der Anwendung von Definitionsmacht.
Aber aus dem Awareness-Handbuch von Ann Wiesental, welches wohl als Maßstab gilt, geht es noch um viel mehr, oder zumindest scheinen Awareness/Unterstützer:innen der Betroffene das so zu interpretieren: Die betroffene Person darf ihre Zufriedenheit mit dem Umgang jederzeit widerrufen, darf sich dann monatelang selbst übergriffig gegenüber anderen verhalten, darf das mit dem Übergriff begründen und darf nicht dafür verantwortlich gemacht werden (das wäre sonst ‚victim-blaming‘). Wir verstehen das Problem, dass Menschen durch sexualisierte Übergriffe oder ähnliches patriarchales Verhalten oft so zur Verzweiflung gebracht werden, dass sie selbst nur noch mit Übergriffen reagieren können. In der Gartensia deutet aber vieles darauf hin, dass dies nicht der Fall war. Dass die Gartensia dann nach Monaten der Erduldung, nachdem die Betroffene fast alle Mediationsvorschläge ablehnte, einstimmig im Plenum den ihren Rauswurf beschlossen hatte, ist nach dieser Version von ‚Definitionsmacht‘ dann auch nicht legitim, und für awarenessnahe Unterstützer:innen Grund genug die Gartensia ihrer Selbstverwaltung zu entheben. Die betroffene Person bekommt dafür für die restliche Zeit des Projekts (also hier der Hausbesetzung) das Vetorecht auf alle Entscheidungen (also auch, das Recht zu Vetos gegen neue Teams, die nach dem Auszug der Aktivist:innen im Frühjahr 21 sich um die Gartensia beworben haben, und dadurch letztlich das Recht, selbst zu bestimmen wer im G7-Neustart mitmacht). All das habt ihr, die Unterstützer:innen der betroffenen Person letztlich durchgesetzt.

Es fragt sich, ob Ann Wiesentals Handbuch wirklich für monatelanges Zusammenleben in komplexen Beziehungsgeflechten geschrieben wurde, oder nicht eher nur auf Parties und vielleicht Festivals funktioniert.

Erst als über alle Verteiler und Indymedia die Besetzer:innen verurteilt wurden und eine verkürzte Darstellung des Konflikts kursierte, hat eine:r von uns eine Gegendarstellung auf ebendiesen Kanälen als Ergänzung dazu gepostet. Sicher waren ein Teil davon, weil der wegen der abweichenden Darstellung des Übergriffs eine Traumatisierung förderte, ein Fehler, aber die:der Aktivist:in hat es eingesehen, und ist auf eure Forderung eingegangen, alles geschriebene aus dem Netz nehmen zu lassen.
Das geschah mit der Hoffnung eines fairen Aufarbeitungsprozesses und irgendwann die Möglichkeit zu bekommen, darzustellen, wie wir den Konflikt wahrgenommen haben und welche Teile des Konflikts in den öffentlichen Darstellungen weggelassen werden.
Auch auf dem sogenannten „Zukuftsplenum“ durften diejenigen von uns, die dabei waren, erst gar nicht mitmachen und es wurde verboten, alles, was unser Handeln nachvollziehbar gemacht hätte, auszusprechen. Da die Betroffene Person dabei waren (und aus eurer Perspektive auch immer dabei sein mussten), wäre dies aus eurer Sicht ‚victim blaming‘, ‚gaslighting‘ oder ähnliches gewesen. Das habt ihr mit einer Vehemenz und Wortgewalt durchgesetzt, dass wir uns zu kaum einer weiteren Äußerung gewagt haben. Auch diejenigen von uns, die viel Erfahrung mit Awareness-Arbeit und sexualisierten Übergriffen haben und klüger vorgegangen sind, haben keine Möglichkeit gefunden, eine Aufarbeitung einzuleiten.

Und bis heute bekamen wir nie einen Raum, darzulegen was wir wahrgenommen haben, welche Leiden wir in und um die Gartensia erlebt haben, welche Mühe wir uns gemacht haben um alles richtig zu machen, und welche Gewalt uns von euch, der betroffenen Person und deren Unterstützer:innen, zugefügt wurde und wird.
Ich glaube gerne, dass der Prozess auch für euch schmerzhaft und frustrierend war und ist. Das sollte nicht sein. Ein aufeinander zugehen wäre wichtig gewesen, und genau das haben wir auch versucht, was aber von euch aber immer abgeblockt wurde.
Letztlich habt ihr niemals auch nur einen Fehler zugegeben, habt von vorne herein nach einem Protokoll gehandelt (nach dem Handbuch von Ann Wiesental), welches wir als nicht angemessen für diese Art von Konflikt ansehen. Mehr noch, ihr habt nie zugelassen, dass bei dem Konflikt in der Gartensia von einem Konflikt geredet wurde: Für euch war das alles nur ein Übergriff und der falsche Umgang damit (obwohl der Täter des Übergriffs den die Betroffene in der G7 erdulden musste, von denjenigen von uns nach wenigen Tagen rausgeworfen wurde, die ihr als Täterschützer:innen denunziert). Für euch gibt es daher nur eine Partei, die betroffen ist und solidarisch mit der betroffenen Person, und eine andere Partei die Täter und Täterschützer:innen ist. Jede Darstellung, die aufzeigt, dass es sich um einen komplexen Konflikt handelt, in der beide Seiten sich problematisch und mit Fehlern verhalten haben, wird von euch als victim-blaming oder gaslighting (lest mal nach was der Begriff heißt, dann seht ihr dass die Mehrzahl derer, denen ihr gaslighting vorwerft dazu gar nicht in der Lage sind, da eine Vertrauensbeziehung zur betroffenen Person die Grundlage ist) denunziert und alles dafür getan, dass niemand das mitbekommt.

Ihr verschweigt was die Besetzer:innen durchmachen mussten und lasst nicht zu, dass sie das erzählen. Einige wurden in selbstverletzendes Verhalten getrieben, sind nun in psychologischer Behandlung, andere haben sich von ‚Frauen helfen Frauen‘ beraten lassen, die euer Vorgehen gar nicht so toll finden. Ihr verschweigt die Übergriffe, die die tatsächlichen Gründe für die Rauswürfe in der Gartensia und der Schelling waren, und stellt es so dar, als ob das eine Reaktion auf die Reaktion auf den Übergriff gewesen wäre. Wenn ihr mal anfangen würdet, von euerem Fehlerlosigkeitskult abzukommen, wenn ihr auch mal zugeben könntet, dass ihr nicht alles richtig gemacht habt, könnten wir darüber reden und uns gegenseitig verzeihen. Die kurdischen Genoss:innen praktizieren ‚Kritik und Selbstkritik‘, während wir, deutsche selbstorganisierte Linke leider eher eine patriarchale Kultur der Fehlerlosigkeit pflegen: Wenn wer mal einen Fehler zugibt, ist die Sanktion gegen sie:ihn erst recht hemmungslos, denn dann wird auf Plena argumentiert, dass ‚die Person es ja selbst zugegeben habe‘. Das prangern wir an und versuchen, trotz der Sanktionen die uns Teile der Szene dafür auferlegt, dagegen vorzugehen in dem wir eigene Fehler anerkennen.

Die meisten von uns sind eingeschüchtert, unsere Wahrnehmung und unsere Erfahrung zu teilen. Dadurch passiert es, dass dies nur noch mündlich im Bekanntenkreis kommuniziert wird. Das kritisiert ihr zu recht als Gerüchteküche, ist aber die letzte Möglichkeit für Leute, denen der Mund verboten wird. Und gleichzeitig schreibt die sogenannte betroffene Person, die schon lange selbst Täter:in ist, unter eurem Schutz im Internet über uns, beschreibt uns, dass uns alle erkennen können, die uns grob kennen, und erzählt Gruselgeschichten über uns, die nur zu Teilen stimmen oder zumindest wichtige Teile weglassen, so damit niemand die:der das liest unser Handeln nachvollziehen kann und sicher alle uns als Monster wahrnehmen, die uns nicht besser kennen, als übelste Sexist:innen und Antifeminist:innen. Diese Geschichten speisen sich teilweise aus Aussagen, die wir auf Plena oder internen Verteilern tätigen, also Informationen die diese Orte gar nicht verlassen dürften und herausgerissen aus ihrem Diskussionskontext gar nicht richtig zu verstehen sind. Dass dadurch der geschützte Raum „Projekt-Plenum“ zerstört wird, und sich nun auch auf dem Wohnprojektplenum sich viele nicht mehr trauen, ihre Bedürfnisse und Ansichten zu äußern, also die Basisdemokratie untergraben wird, scheint euch, den Unterstützer:innen in den Projekten, die ihr die Informationen im Wissen der Veröffentlichung nach draußen weitergebt, dabei egal zu sein. Diejenigen von uns, die in den Projekten leben und betroffen sind, gehen nur auch gutem Willen nicht mit Sanktionen gegen dieses Verhalten von euch vor.

Das macht Angst, schüchtert ein, wir können nichts dagegen tun, sind dem vollkommen ausgesetzt. Wer von unseren Freund:innen davon mitbekommt, ist erschrocken und empört, aber traut sich nicht, sich zu öffentlich dazu zu äußern oder es mit euch anzusprechen. Wer versucht hat mit euch in Kontakt zu treten, per Mail z.b. bekommt keine Antwort, aber ihre:seine Kontaktversuche werden in der Szene rumgezeigt oder im Internet veröffentlicht, öffentlich verzerrt dargestellt und als Grundlage für Verurteilungen genommen. Dass dadurch das Vertrauen für eine Kommunikation fehlt und Kommunikationsversuche eingestellt werden, müsstet auch ihr verstehen. Auf die eine Veröffentlichung (s.o.) von einer:m von uns, habt ihr derart heftig und mit Einschüchterungen reagiert, dass wir seither öffentlich schwiegen.

Als ob dieser Druck nicht genug wäre schreibt die sogenannte betroffene Person jetzt auch linke Institutionen (Gruppen, Autonome Zentren) an, mit der Forderung doch jede Zusammenarbeit mit einzelnen von uns zu verweigern.
-Dadurch wird es Aktivist:innen erschwert in Politgruppen aufgenommen zu werden, oder sie werden gar aus ihrer Gruppe geworfen. Wenn die Gruppe, der die:der Aktivist:in angehört, auch die andere Seite mitbekommen hat und sich weigert Aktivist:innen aus der Gruppe zu werfen, bekommen sie teilweise Druck von zusammenarbeitenden Gruppen, die die Geschichte vor Ort nicht mitbekommen, sondern nur mit den lückenhaften Gruselerzählungen beliefert werden. Das führte zu Rauswürfen von Aktivist:innen aus Politgruppen.
-Dadurch wurde ein Musikfestival kurzfristig nach Stuttgart verlegt weil der Veranstaltungsort Zelle angeschrieben wurde dass mit der organisierenden Person des Festivals nicht zusammenzuarbeiten sei, was einen enormen Mehraufwand der Organisation bedeutet hat und es einigen Tübinger:innen verunmöglicht hat das Festvial zu besuchen (auch wenn sich die Stuttgarter:innen wohl darüber gefreut haben).
-Dadurch wurde die Zusammenarbeit zwischen Politgruppen wird verhindert. Unter anderem wurde eine Antifagruppe unter Druck gesetzt, nicht mit einer anderen Politgruppe zusammenzuarbeiten, obwohl diese gut Support gegen die AfD gebraucht hätte.
Wir nehmen das als Sabotage wahr, können uns aber nicht dazu äußern, weil wir davon ausgehen müssen, dass ihr jede unserer Äußerungen sanktionieren werdet. Zudem wird eine junge Mutter momentan vor die Wahlgestellt, ihr Wohnprojekt, in dem sie fest integriert und gut vernetzt ist, zu verlassen oder Alleinerziehende zu werden. Wer im Wohnprojekt sie mag und sich für ihre Interessen einsetzt, nämlich dafür dass ihr Freund und Kindsvater auch in das Wohnprojekt kommen darf, wird von euch zum:r Täterschützer:in erklärt. Und das obwohl die betroffene Person ohnehin nicht in das Wohnprojekt kommt bzw. aus anderen Gründen kommen darf. Also geht es hier nicht um Schutzraum für die betroffene Person, sondern nur um Jahre später durchgesetzte Strafe für ihren Ex-Freund (sehr emanzipatorisch!). Dass die betroffene Person diesen aber mit einem scharfen Gegenstand niederstach (er überlebte knapp), als er sich von ihr trennte, blendet ihr komplett aus. Kann es nicht sein, dass diese Beziehung nicht auch unterkomplex betrachtet wird, wenn sie auf Täter:innen und Betroffene:r reduziert wird? Sollte diese unterkomplexe Sichtweise wirklich für ihn für den Rest seines Lebens zu Verbannungen aus linken Projekten führen?

Und auch unter eurem Handeln leiden auch vor allem FLINTAs: Vor allem Frauen*, die sich kümmern. Um Arme und Obdachlose, um Nahrung und Sauberkeit in der G7, um Haus und Hauskauf, um Kinder und psychisch Kranke. Dass das Awareness in ihrer politischen Arbeit offenbar wenig Wert auf Care-Arbeit legt, lässt aus dem Umgang der Unterstützer:innen der betroffenen Person deutlich ablesen.
Egal wie sehr wir uns kümmern und Care-Arbeit übernehmen, wir werden ausgeschlossen, werden für die Szene als reine Übeltäter:innen dargestellt, wo jede:r die:der auf uns rumhackt noch belohnt wird und sich als gute:r linke:r Antisexist:in fühlen kann. Dabei sind auch die Männer* auf unserer Seite (Aktivist:innen und Unterstützer:innen, nicht unbedingt alle Besetzer:innen, die sich bei der Durchsetzung des Rauswurfs aus der G7 teilweise schon übel daneben benommen haben) eher die sanften, gutmütigen, sich kümmernden Männer*, während auf eurer Seite einige Macker stehen, die sich nie entschuldigen, immer im Recht sein wollen, die sich nie die Hände schmutzig machen, sich gutmütig zeigen oder Verantwortung übernehmen, aber extra hart gegen vermeintliche „Awarenessfeinde“ vorgehen, weil sie ja so super Szene sind. Für sie reicht es oft, die richtigen Buzzwords („Sexismus“) zu lesen, und sie engagieren sich auf eurer Seite und behinderten unsere G7-Soliarbeit.

Ich schreibe das nicht, um Awarenessarbeit zu verhindern, um euch anzupissen oder um einer betroffenen Person das leben schwer zu machen – das alles liegt uns fern. Ich wünsche euch und der betroffenen Person das beste. So aus Menschlichkeit und aus der Hoffnung, dass sie und ihr dann vielleicht auch aufhört, uns das Leben schwer zu machen. Wir haben alle Fehler gemacht, und sollten anfangen, das einzusehen und uns gegenseitig zu verstehen!

Dass die FLINTA-Gruppe mit dem MHS und der Stadt nicht richtig in Kontakt kam, tut mir sehr leid, auch wenn ich es nicht so recht verstehe warum, denn die waren bisher doch sehr auf Besetzer:innen zugegangen. Jedenfalls ist es uns allen ist es wichtig, dass die Gartensia ein Projekt wird und nicht dem Markt zurückgeführt, daher hat sicher niemand von uns den Prozess sabotieren wollen oder ähnliches. Dass wir schon die ganze Zeit sagen, dass es ein eingespieltes Team für die Gartensia braucht und dass es so ablaufen wird, wie es jetzt lief, wenn ihr euch durchsetzt, ist auch für uns bitter. Wir müssen sehenden Auges den Fall dem Gartensia zusehen, weil ihr euch so vehement und rücksichtslos gegen uns durchgesetzt habt und wir das, aus gutem Willen und aus Druck, zugelassen haben.

Was wir brauchen ist eine Möglichkeit zum Austausch: ALLE Wahrnehmungen sollen endlich mal Raum bekommen, alle Leiden anerkannt werden, alle Positionen sollen Verständnis bekommen, und wir ALLE sollen lernen können, wie wir innerhalb einer linken, antirassistischen, feministischen, antikapitalistischen Szene miteinander arbeiten oder uns zumindest gegenseitig in Ruhe lassen können.

Vielleicht wird es auch Zeit anzuerkennen, dass Ann Wiesentals Handbuch für antisexisitsche Awareness nicht für jede Lage der Weisheits letzter Schluss ist.

Denn im Gegensatz zu euch, die ihr von uns nur Ausschlüsse zu fürchten habt, wenn ihr euch dauerhaft grob übergriffig benehmt und dazu noch die Möglichkeit bekommt, durch eine Entschuldigung wieder aufgenommen zu werden, ist für uns das alles noch lange nicht zu Ende: Wir bekommen keine Möglichkeiten unser Handeln zu erklären, wir stehen immernoch und permanent unter Beschuss, unsere Projekte werden dauerhaft sabotiert und wir können uns nicht wehren, weil wir a. selbst feministischen Anspruch haben und nichts tun wollen was ihr so schlimm findet und b. ohnehin nur noch härter von euch dafür abgestraft werden würden.

Also: Let’s end it! Lass uns einen Raum zur Aussprache schaffen und einen Prozess der Aufarbeitung beginnen.

ein:e Aktivist:in