(Nichts?) Neues zur Batteriefabrik

Mitte September kündigten verschiedene Medien an, Porsche wolle „in den nächsten Wochen über den Standort für die geplante 100-MWh-Batteriezellenfabrik von Porsche und Customcells entscheiden“ (https://www.electrive.net/2021/09/15/porsche-customcells-standortentscheidung-fuer-zellfabrik-naht/). Denn neben Tübingen sind offenbar auch noch Gärtringen bei Herrenberg und ein unbekannter Standort nahe Heilbronn im Gespräch. Seit dem ist es still geworden v.a. im Schwäbischen Tagblatt, das zunächst begeistert über die geplante Ansiedelung in Tübingen-Bühl berichtet hatte. Die Stuttgarter Nachrichten haben zwischenzeitlich mit mehreren Beiträgen angedeutet, dass Tübingen nicht mehr Favourit wäre. In einem dieser Beiträge von Mitte Oktober hieß es dann, die Entscheidung solle „im November“ fallen. Der ist nun bald rum. Ob die Entscheidung noch verschoben wird oder eigentlich längst gefallen ist, ist nicht zu erfahren. Falls Tübingen nun doch nicht das Rennen macht, könnte das u.a. Boris Palmer vielleicht gar nicht unrecht sein. Denn der hatte die Batteriefabrik, die mit 60 Mio von Bund und Land gefördert wird, als Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels gelobt. Mittlerweile wird aber immer deutlicher, dass es sich dabei nicht um ein klimafreundliches Projekt handelt. So sollen die dort produzierten rund 1.000 Akkus pro Jahr v.a. im Rennsport und ggf. „in limitierten Straßensportwagen“ zum Einsatz kommen – ein solches Modell sei aber noch gar nicht absehbar (https://www.electrive.net/2021/09/15/porsche-customcells-standortentscheidung-fuer-zellfabrik-naht/).

Nun ist an dieser Stelle ja schon berichtet worden, dass der Partner von Porsche bei der Batteriefabrik, Customcells, entsprechende „Hochleistungsakkus“ auch für die Rüstungsindustrie anbietet (https://www.tueinfo.org/wordpress/?p=337). Die Tübinger Informationsstelle Militarisierung e.V. hat nun eine Analyse veröffentlicht, welche das Netzwerk aus Unternehmen und Risikokapital um die Tübinger Batteriefabrik näher unter die Lupe nimmt und die sich daraus ergebende Frage bereits im Untertitel formuliert: „Elektromobilität als rüstungsindustrielles Programm?“ (https://www.imi-online.de/download/IMI-Analyse2021-45-Elektro.pdf).

Darin heißt es u.a.:

„Eine weitere Pressemitteilung des Unternehmens Customcells kündigte am 28. Juli 2021 – einen guten Monat nach der Ankündigung der Zusammenarbeit mit Porsche – auch die Kooperation mit dem Münchner Unternehmen Lilium an, das künftig Flugtaxis produzieren will. Hier beschreibt sich Customcells offen als Zulieferer für Kunden aus den Bereichen „internationale Luftfahrt, Automotive und Rüstung“ („CUSTOMCELLS, who supply international aviation, automotive and military customers, including Porsche AG…). Außerdem gibt das Unternehmen dort an, als Investoren „Vsquared Ventures“ und „468 Capital“ gewonnen zu haben. Vsquared Ventures ist ein ebenfalls in München ansässiger Fonds für Risikokapital, der u.a. früh beim Münchener Weltraumunternehmen Isar Aerospace eingestiegen war und auch darüber hinaus in seinem Portfolio einen Schwerpunkt auf Luft- und Raumfahrt erkennen lässt. …

Neben Cellforce, Isar Aerospace und „The Exploration Company“ ist Vsquared Ventures an weiteren Startups beteiligt, die von sich Reden gemacht haben. Darunter findet sich auch Morpheus Space, eine Ausgründung aus der TU-Dresden, die Antriebe für Satelliten entwickelt. Vermutlich wegen der fränkischen Herkunft eines der Gründer berichtete im Oktober 2020 auch nordbayern.de relativ ausführlich vom Einstieg US-amerikanischen (Regierungs-)Kapitals, der auch ansonsten hohe Wellen schlug und u.a. Gegenstand einer Kleinen Anfrage im Bundestag wurde: „Das zehn Mitarbeiter zählende Startup sammelte in seiner ersten Finanzierungsrunde eine unbekannte Summe ein. Neben dem deutschen Investor Vsquared Ventures sind gleich fünf US-Wagniskapitalgeber eingestiegen. Darunter befinden sich mit In-Q-Tel ein Investor, der vom US-Geheimdienst CIA finanziert wird, und Pallas Ventures, eine Firma, für die die nationale Sicherheit der USA im Vordergrund steht“. Daran anschließend informiert der Beitrag über die Rolle des Managing Directors von Pallas, Richard V. Spencer, der unter Trump als US-amerikanischer Marinestaatssekretär und für wenige Tage sogar als geschäftsführender Leiter des Verteidigungsministeriums gedient hatte und fortan als Mitglied im Aufsichtsrat von Morpheus dessen Expansion auf den US-amerikanischen Markt unterstützen solle.

Doch trotz des offensichtlich auch militärischen bzw. geheimdienstlichen Interesses an Kleinsatelliten, sind diese auch für die Automotive-Industrie relevant, oder, wie es tagesschau.de formulierte: „eine Technologie, die auch für die Autoindustrie von strategischem Interesse ist, besonders für den Zukunftsmarkt mit selbstfahrenden Autos“. Demnach habe „der gewaltige Bedarf an Satelliten für Kommunikations- und Mobilitätsnetzwerke in Deutschland eine ganze Branche mit über 100 Startups entstehen lassen, von denen etwa die Hälfte in der Raketenfertigung tätig sind“. Anlass für diesen Beitrag vom Juli 2021 war wiederum die Nachricht, dass mittlerweile auch die Porsche Holding SE bei Isar Aerospace eingestiegen war.“