Danke liebe Antifas in Tübingen!

In vielen anderen Städten war zu beobachten wie seit dem November 2021 wieder hunderte oder gar tausende rechts-offene Pandemie-Leugner*innen aufmarschierten.
Nein, anders als in Sachsen war es in Baden-Württemberg keine genuin extrem rechte Bewegung, aber auch die Corona-Proteste hier sind eine verschwörungsideologische Bewegung mit der starken Tendenz zum Antisemitismus. Hier fühlen sich Reichsbürger*innen und Neonazis pudelwohl und akzeptiert, auch wenn sie meistens nicht den Großteil der Demonstrierenden stellen.
Die meisten Demonstrant*innen scheinen nicht nur kein Problem mit extremen Rechten zu haben, sondern auch mit massiven NS-Relativierungen.
Als in Reutlingen am 4. Dezember 2021 Ungeimpfte als die „modernen Juden“ bezeichnete applaudierte das Publikum, offenbar war diese Gleichsetzung mit der NS-Judenverfolgung Konsens [1]. Das dürfte auf den meisten Demonstrationen so sein.
Diese unterliegen fast überall einem beständigen Wachstum. Am 27. Dezember 2021 nahmen bundeslandweit laut Medien-Berichten 23.700 Personen an solchen als „Spaziergänge“ getarnten Demonstrationen der Pandemie-Leugner*innen teil [2]. Fast überall konnten die Demonstrationen in den letzten eineinhalb Monaten wachsen und ohne großen Gegenprotest laufen.
Aber nicht so in Tübingen, zumindest nicht in der Innenstadt – die beiden Groß-Kundgebungen auf dem Festplatz beim Freibad waren im Verhältnis von Gegendemonstrant*innen zu Pandemie-Leugner*innen allerdings ziemliche Niederlagen.
Zumindest in der Innenstadt wehte den Pandemie-Leugner*innen von Anfang ein harter Gegenwind ins Gesicht. Es gab lautstarken Gegenprotest und Blockaden, auch die Autokorsos wurden mehrmals blockiert.
Tübingen ist also ein schwieriges Pflaster für die Pandemie-Leugner*innen. Das gestehen sie in ihren Telegram-Gruppen auch offen ein. So fragte am 28. Dezember 2021 der/die User*in JdaA bei „Querdenken 7071 – Tübingen“ enttäuscht:
„Warum gehen in Tübingen so wenige, bis gar keine Menschen auf die Strasse um gegen die Corona Maßnahmen bzw. die damit verbunden Einschränkungen und die damit verbundene Aussetzung der Grund und Freiheitsrechte zu demonstrieren.“
Eine ihrer*seiner selbst gegebenen Antwort-Optionen lautet:
„Oder habt Ihr soviel Angst vor einer wohlstandsverblödeten grünlinken Antifa, dass Ihr Euch nicht abends auf die Strassen traut?“
Weiter schreibt sie*er:
„Kommt Ihr Euch nicht etwas armselig vor, wenn selbst in einem Provinzkaff wie Balingen es beinahe 500 Menschen bei strömendem Regen schaffen, gegen diesen Corona Wahnsinn und die damit verbundenen Maßnahmen spazieren zu gehen.
Also Tübingen, da muss doch jetzt was kommen !!😊“
Auch in der Telegram-Gruppe „StudentenStehenAuf – Tübingen“ hieß es am 9. Dezember 2021 von einem*einer User*in: „Solidarität für Tübingen! Wir brauchen die Untertützung aller, auch der Reutlinger und Zollernalbler! Am Montag haben wir versucht vor dem Rathaus in Tübingen friedlich zu demonstrieren und wurden von einem Mob von 20-30 Antifa verbal nieder gemacht. Wir standen dem etwas Hilflos gegenüber. Es spiegelt wieder, wo wir aktuell als Bewegung stehen. Wir sind leider (noch) nicht organisiert, wir sind zu still und wir lassen so vieles einfach über uns ergehen.“

Bisher ist damit Tübingen gelungen, was offenbar in keiner anderen Stadt der rationalen Linken gelungen ist, die Corona-Proteste klein zu halten bzw. zum Ausweichen zu zwingen.
Grund genug zum Jahresende einmal laut und deutlich DANKE zu sagen!

Allerdings noch eine solidarische Kritik am Schluss. Ein linker Gegenprotest sollte auch einige Forderungen formulieren. Nicht nur gegen Rechts und Irrationalismus, sondern auch für etwas sein. Etwa bessere Bedingungen in der Pflege. Immerhin ist Tübingen Standort von mehreren Kliniken und Altenheimen. Hier arbeiteten viele Menschen schon vor Corona am Limit.

[1] https://tuebingenrechtsaussen.wordpress.com/2021/12/08/redner-in-reutlingen-vor-hunderten-menschen-wir-sind-die-modernen-juden/
[2] https://www.rnz.de/nachrichten/metropolregion_artikel,-rhein-neckar-1300-menschen-bei-montags-spaziergaengen-_arid,795418.html