Re: Pandemie-Einschränkungen als Schablone für staatliche Eingriffe und das völlige Versagen der Linken

Selbst die bürgerliche Presse erkennt es und warnt davor – beispielsweise schlagzeilt Springers Bild-Zeitung am gestrigen Mittwoch (5.1.2022) in Bezug auf Corona:

Wie unsere Freiheit immer mehr in Gefahr gerät“

(weiter darunter übrigens dieser Fund:)

[…]Auch auf der linksextremen Internetplattform „indymedia“ erschien ein Bericht, demzufolge Mitglieder der Antifa-Szene an einer Corona-Demo in Magdeburg mitmarschierten. […]

Der von dir (dem/der Schreiber*n) verlinkte „Freitag“-Artikel versucht immerhin noch zu differenzieren, wenn auch er im Hinblick auf die „Klimakrise“ von „einer wirkungsvollen Ordnungspolitik mit sinnvoll abgewogenen Verboten“ sprechen, dann aber doch konstatieren muss: „…so wird auch die Klimapolitik vermutlich nicht der Umwelt oder der Lebensqualität der Menschen zugutekommen, sondern den Interessen der Wirtschaft. …“.

Du greifst jedenfalls „die Linken in der Region“ an, der angeblich „nicht viel einfällt“. Dein angeführte Beispiel: Eine Online-Demonstration, zu der auch die Linkspartei aufruft.

Du schreibst:

Anstatt die neoliberale Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte anzuprangern, die zu Krankenhausschließungen und Pflegenotstand geführt hat, […] stimmt diese Partei mit ein in den neuen nationalen Konsens, dass „die Ungeimpften“ an allem die Schuld tragen würden.“

Wenn irgendwer parlamentarisch und außerparlamentarisch diese neoliberale Politik angegriffen und z.B. streikende Pflegekräfte unterstützt hat, dann waren das ja wohl vor allem Menschen aus der Linkspartei.

Aber auch „der radikalen Linken fällt in dieser Krise nicht viel mehr ein, als sich als Hilfstruppen für die Durchsetzung staatlicher Maßnahmen und die Profite der Pharma-Konzerne zur Verfügung zu stellen.“ Natürlich ist dann wieder sehr allgemein von „der Antifa“ die Rede (wer hat da eigentlich das Copyright drauf?), ihrem „affirmative turn“ (Beweis: ein auch schon wieder 7 Jahre altes Büchlein, für das du quasi Werbung machst) und – voilà: ein Artikel aus der, wir haben es uns fast gedacht, Springer-Presse.

Dann geht es wieder beleg-frei über „die Antifa“, ein taz-Artikel wird verlinkt (ich empfehle die Kommentare drunter, die sind intelligenter und reflektierter) und dann gegen „die Hausprojekte“ (auch hier wieder die Frage: welche?) die, und jetzt wird es bei dir unverschämt, „alle neuen und sich ständig ändernden Vorgaben der Bundes- und Landesregierung geradezu übereifrig durchsetzen.“

Natürlich treibt „die Hausprojekte“ (laut deiner Aussage) nicht wirklich Sorge um ihre eigene und die Gesundheit von vunerablen Freund*innen oder Angehörigen um, nein sie entdecken „eine ganz neue Lust an Kontrollen und Schikanen.“

Jetzt eine persönliche Bemerkung von mir:

Es war der Infoladen Tübingen (https://infoladen.mtmedia.org), Teil des Wohnprojekts Schellingstraße, der 2021 unter schwierigsten Bedingungen acht seiner regelmäßigen politischen Veranstaltungen zu verschiedensten Themen, davon sechs in Präsenz, plante, organisierte und durchführte und überhaupt so etwas wie eine Kontinuität der Mittwochs-Hausbars in der Schellingstraße gewährleistete.

Auf einer Einzigen davon wurde nach Geimpft/Genesen/Getestet-Nachweisen gefragt.

Dies deswegen, weil eine sehr nahe Angehörige des Referenten zu einer Hochrisikogruppe gehörte.

Zum Schluss leider doch noch ein Schlusssatz zu „Walter Ulbrich (sic!), Rudolf Rocker und Erich Mühsam, […] die in den 20er Jahren sogar SA-Versammlungen aufsuchten und gegen die organisierten Nazis polemisierten und agitierten, um die anwesenden Arbeiter für ihr Projekt eines parteikommunistischen oder libertären Sozialismus gewinnen zu können.“

Bei allem Respekt und Bewunderung für dered persönlichen Mut, erfolgreich waren sie mit dieser Taktik leider nicht.

Ja, es muss weitere Diskussionen über das Vorgehen gegen den neoliberalen Kapitalismus und die konformistische Rebellion dagegen geben.

Dein Artikel trägt dazu leider eher nicht bei.