Reutlingen: Gedenkfeier am 11. November auf Friedhof „Unter den Linden“

Dokumentation aus den „Antifa-Nachrichten“, dem Blatt der VVN-BdA:

Zur diesjährigen Gedenkfeier gegen die Opfer des Nationalsozialismus und die Opfer der braunen Gewaltherrschaft hat die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) aufgerufen. Traditionell am Totensonntag fanden sich am Mahnmal auf dem Friedhof Unter den Linden zahlreiche Teilnehmer ein, darunter eine starke Delegation der benachbarten Kreisvereinigung Tübingen-Mössingen sowie als Abgeordnete des Deutschen Bundestags Jessica Tatti. Zur Eröffnung der Feier konnte Thomas Ziegler aus dem Vorstand der Reutlinger Kreisvereinigung berichten, dass die 2019 durch Berliner Finanzbehörden versuchte Aberkennung der Gemeinnützigkeit der VVN-BdA auf breite, sogar internationale Empörung im November 2020 hat aufgehoben werden müssen. Als richtige Reaktion auf diese vorübergehend existentielle Gefährdung antifaschistischer Arbeit sind der Vereinigung bundesweit tausende neue Mitglieder beigetreten; ebenso die Reutlinger Kreisvereinigung wird durch zahlreiche Eintritte künftig verstärkt auftreten können.

In seiner Gedenkrede erinnerte Moritz Stiepert, Regionalsekretär DGB, zuerst daran, dass die Begründung dieser Gedenkfeier zurückgeht auf den Reutlinger Nachkriegs-Oberbürgermeister Oskar Kalbfell gemeinsam mit der damaligen VVN-BdA, darunter deren Gründungsmitglied und seinerzeitigen OB-Stellvertreter Fritz Wandel. Nicht zuletzt mit Blick auf wiederholte Brandanschläge aus rechten Kreisen bekundete Stiepert die Solidarität mit der „Zelle“ und ROSA: „Ihre Jugendarbeit ist wichtig – wichtig gegen rechts!“. Schwerpunkt seiner Ansprache bildete die Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten: „Die Hälfte derjenigen, die 2015/17 zu uns gekommen sind, ist heute in Arbeit und davon wiederum die Hälfte als Facharbeiter angestellt.“ Eine „der größten Flucht- und Migrationsbewegungen der Moderne“ sei durch Gewalt und Vernichtung der NS-Zeit verursacht worden – Europa und Deutschland stünden deshalb „in der historischen Pflicht“, Flüchtlinge human aufzunehmen.

Neben den Gebinden des DGB und der Reutlinger VVN-BdA trägt ein Kranz der Stadt Reutlingen samt Aufschrift „Gegen den Faschismus“ zum mahnenden Gedenken bei. Oberbürgermeister Thomas Keck zitierte in seiner Ansprache dazu eindringlich Bertholt Brecht: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“.