Nachbericht 04.09 – Demonstration gegen AfD und Hüttengaudi in Herrenberg

Kundgebung gegen die Wahlkampfveranstaltung der AfD und die Feier zum 1-jährigen Jubiläum der Hüttengaudi-Erlebnisbar.

Am vergangenen Samstag den 04.09 veranstaltete die AfD auf dem herrenberger Marktplatz eine Wahlkampfveranstaltung mit Alice Weidel, Markus Frohnmaier und Marc Jongen. Für den gleichen Tag kündigte der ehemalige NPD-Landesvorsitzende Janus Nowak der in Herrenberg die Kneipe Hüttengaudi betreibt, auf Facebook eine Feier zu deren 1-Jährigen bestehen an.

Um diesen rechten Events etwa entgegenzusetzen, organisierten wir eine Gegenveranstaltung direkt am Marktplatz. An dieser beteiligten sich mit Redebeiträgen und technischer Unterstützung die Gruppen @Widerstan_NT aus Nürtingen, @libertaeres Treffen Rems-Murr, organisierte Antifaschist*innen aus Aalen und Schwäbisch Gmünd, die @Seebrücke Kreis Böblingen und spontan das @OTFR aus Tübingen.

Bereits zwei Stunden vor Beginn der AfD Wahlkampfveranstaltung begannen wir mit unserer Kundgebung in unmittelbarer Nähe. Die Eiscafés auf dem Marktplatz waren bei sonnigem Wetter gut besucht und so erreichten wir mithilfe einer leistungsstarken Lautsprecheranlage viele Menschen mit unseren Redebeiträgen. Inhaltlich ging es dabei um die AfD, den rechten Impfgegner und Direktkandidaten für die Bundestagswahl Hans Tolzin aus Herrenberg und die rechte Kneipe Hüttengaudi-Erlebnisbar. Spontan trat noch ein Mitglied der IG-Metall an das Mikrofon und berichtet von seinem Kampf gegen Rechts.

Am Kundgebungsort hatten wir einen Infotisch aufgebaut und viele Passant*innen blieben neugierig stehen und nahmen Flyer, Sticker, Broschüren oder Zeitschriften mit nach Hause(in unserer Spendenkasse landeten über 100 Euro, vielen Dank dafür). Zudem verteilten wir in den umliegenden Cafés hunderte Flugblätter mit antifaschistischer Kritik an der AfD und Informationen zur Hüttengaudi an interessierte Menschen.

Mit Beginn der AfD Veranstaltung blockierten wir einen Zugang zum Marktplatz und störten deren Redner*innen und Zuhörer*innen effektiv mit Sprechchören, Hupen, Sirenengeheul, Trillerpfeifen und lauter Musik. Während der Blockade kam es zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen uns, den Cops und Teilnehmerin*innen der AfD Veranstaltung, weil diese provozierend durch unsere Kundgebung liefen. Dabei muss mindestens ein Fall erwähnt werden, bei der eine Teilnehmer*in unsere Kundgebung von einem Cop verletzt wurde, als dieser ihr mit einem Quarzhandschuh einen Schlag mitten in das Gesicht versetzte. Wie die geschlagene Person anhand einer heftigen Reaktion ihrer Augen bemerkte und uns berichtete, war der Handschuh zudem „gepfeffert“.

Als die AfD ihre Veranstaltung beendete formierten wir uns spontan zu einer Demonstration und zogen quer durch die herrenberger Altstadt zur Hüttengaudi. Mit Megaphon durchsagen wurden auf dem Weg dorthin als auch vor der Nazi Absteige selbst, zahlreiche Menschen über die Gründe der Demonstration informiert. Die Kneipe war an diesem Tag wie erwartet gut besucht. Janus Nowak und seine Gäste waren, wie könnte es anders sein, über den antifaschistischen Besuch nicht sonderlich erfreut.

Wir beendeten den Tag, indem wir auf dem Weg zum Bahnhof noch einmal lautstark unsere Positionen vertraten. Mit der Parole A-Anti-Anticapitalista und kämpferischen Megaphon durchsagen machten wir deutlich, dass unser antifaschistischer Kampf notwendigerweise immer das Ziel vor Augen hat das Ungleichheit schaffende herrschende Wirtschaftssystems zu überwinden. Wir träumen von einer herrschaftsfreien klassenlosen Welt der gleichen unter gleichen und das ließen wir auch alle die unserer Demonstration verfolgten gerne wissen.

Mit dem Tag sind wir einigermaßen zufrieden. Unsere Ziele einerseits die Stadtgesellschaft über AfD, Tolzin und Hüttengaudi zu informieren und andererseits die Wahlkampfveranstaltung der AfD und die Feier der Hüttengaudi zu stören haben wir erreicht. Nach mehreren Aktionen gegen die Hüttengaudi die von der örtlichen Presse ignoriert wurden, sprach die Kreiszeitung Böblingen in ihrem Artikel über unsere Kundgebung nun erstmal von einer Nazi-Kneipe. Damit sind wir dem Ziel viele Menschen auf diese hässliche Sache aufmerksam zu machen um mehr, größere und effektivere Proteste zu organisieren näher gekommen.

Anderseits müssen wir konstatieren, dass die AfD es wieder einmal geschafft hat eine Wahlkampfveranstaltung mit sehr vielen Menschen in der immerhin 30.000 Einwohner*innen zählenden Stadt Herrenberg abzuziehen ohne das tausende sich unserem Gegenprotest angeschlossen hätten. Die Cops waren wieder einmal übermäßig aggressiv, mindestens eine Person wurde ernsthaft verletzt. Wir müssen in Zukunft lernen auf Provokation der Staatsgewalt und von Nazis noch cleverer zu reagieren, um uns nicht unnötig Repression auszusetzen und unsere Gesundheit zu gefährden.

Und auch in Zukunft gibt es viel zu tun. Wir werden weiterhin Demonstration gegen rechts organisieren und gemeinsam zu Veranstaltungen in anderen Städten reisen. Aber auch Flyer zu antifaschistischen Themen schreiben und verteilen oder informative Vorträge im Klosterhof an den Start bringen und anderer Dinge gehören zu unseren selbstgewählten Aufgaben.
Wenn ihr euch bei uns einbringen wollt, kommt zu unseren offenen antifaschistischen Treffen jeden 2. Dienstag im Monat. Alle sind willkommen und unser Anspruch ist, dass jede Stimme gleich viel zählt, egal wie lange jemand schon dabei ist.

Das nächste offene Treffen ist nächste Woche am Dienstag dem 14.09 um 19:00 Uhr im Klosterhof Herrenberg.

Dort werden wir auf jeden Fall auch die Demonstration nachbesprechen und es ist Raum und Zeit für konstruktive Kritik.
Wir freuen uns auf euch!

****Im  Post (auf Insta und Facebook) findet ihr Bilder von rechten Teilnehmer*innen der AfD Veranstaltung und von Gästen der Hüttengaudi. Nicht alle Gesichter sind uns bekannt und nicht alle Personen auf den Bildern sind zwangsläufig rechts. Wenn ihr aber euch bekannte Faschos erkennt, schreibt uns gerne eine Nachricht. ****